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Theatergemeinde München

Kulturvielfalt zum ermäßigten Preis

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Die TheaGe-Theaterkritiken der Spielzeit 2017/18

Premieren im Dezember

"Richard III" im Residenztheater

Tragödie von William Shakespeare
Inszenierung: Michael Thalheimer
Dauer: 2 Stunden 35 Min., eine Pause

Aus einer aschigen Geröllhalde kriechen sie von hinten auf die turmhoch düstere Bühne, die Finsterlinge dieses Horror-Staatsgebildes aus Angst, Verstellung, Wut und Misstrauen. Richard, Shakespeares übelstes Monster (grandios: Norman Hacker), ist als Herrscher ein GAU. Er ist Narzist und Heuchler, hemmungslos machtgeil und psychisch gestört, ohne Skrupel und Inhalte. Und doch fasziniert er, findet Verbündete. Er charmiert sogar Todfeindinnen bis ins Bett. Putscht sich Mord um Mord nach oben auf den Thron, steigt im Rosenkrieg-Intrigenstadel der Yorks und Lancasters an die Spitze. Sogar das Buckel-Handicap schwindet in einem Höllenritt egomanischer Gewalt, die um die kalte Erkenntnis kreist: „I am myself alone“. Michael Thalheimer vom Berliner Ensemble inszeniert das bestürzend heutig anmutende Gruseldrama hochexpressiv.
Mit Sibylle Canonica, Anna Drexler u.a. Viel Beifall. avs

"Hänsel und Gretel" im Gärtnerplatztheater

Märchenoper von Engelbert Humperdinck
Kinderchor und Orchester des Staatstheaters am Gärtnerplatz
Inszenierung nach Peter Kertz; Wiederaufnahme
Musikalische Leitung: Anthony Bramall

Dauer: 2 Stunden 10 Min., eine Pause

So frisch, wie das wiedereröffnete Haus am Gärtnerplatz strahlt, so erklingt schon die Ouvertüre aus dem Orchestergraben. Und wenn auch im Programmzettel bemerkt wird, dass es sich um die 487. Vorstellung seit der Premiere 1974 handelt, so hat die Inszenierung nach Peter Kertz nichts an Ausstrahlung verloren. Anthony Bramall leitet das Orchester mit weichem Klang, die junge Sängerbesetzung lässt stimmlich und darstellerisch keine Wünsche offen und das naturalistische, aber keineswegs kitschige Bühnenbild (Hermann Soher) bezaubert – vor allem im Wald und beim knorrigen Hexenhaus. Lebendige Gemälde, wie sie zur Entstehungszeit des Werks geschaffen sein könnten, lassen auch bei längeren Musiksequenzen keinen Moment der Langeweile aufkommen. Kleine und große Opernbesucher hält diese Aufführung voller Abwechslungen und kleiner Überraschungen im Bann, was sich im lang anhaltenden, begeisterten Beifall äußert. sl

Premieren im November

"Volpone" im Volkstheater

Komödie von Stefan Zweig nach dem Stück von Ben Jonson
Inszenierung: Abdullah Kenan Karaca
Dauer: 2 Stunden 45 Minuten, eine Pause

Wie unschön, wenn allein die Gier nach dem Geld die Menschen umtreibt. Aber es ist so im Umfeld des reichen Venezianers Volpone, der selbst den Hals nicht voll genug bekommen kann. Mit Hilfe seines Dieners Mosca täuscht er vor, sterbenskrank zu sein, um die Erbschleicher, die ihn umgarnen, abzuzocken. Irgendwelche Bezüge zu den Auswüchsen des heutigen Kapitalismus muss Abdullah Kenan Karaca in seiner Inszenierung der Komödie von Stefan Zweig, der sich wiederum bei dem Shakespeare-Zeitgenossen Ben Jonson bediente, nicht herstellen. Gier ist zeitlos. Und es macht riesigen Spaß, dem Ensemble beim Ausspielen der Farce zuzuschauen. Ihre Figuren sind auch optisch angelehnt an die Commedia dell’arte, die Bühne verströmt den morbiden Charme eines Begräbnisinstituts. Als der wahre (Anti-)Held des Abends entpuppt sich Jakob Immervoll, der als hellwacher, ausgefuchster, tänzelnder Diener Mosca virtuos die Fäden in der Hand hält. Silas Breiding ist ein Volpone unter Dampf – ein Misanthrop, der irgendwann den Bogen überspannt, so dass selbst Mosca sich gegen ihn wendet. Ein Kampf der Betrüger – saukomisch, aber im Grunde tragisch. mst

"Martha" im Gärtnerplatztheater

Romantisch-komische Oper von Friedrich von Flotow
Inszenierung: Loriot †
Dauer: 2 Stunden 45 Minuten, eine Pause

Wohl keinem anderen als Loriot mit seinem subtilen Humor konnte es gelingen, eine so nahe an der Schnulze gelegene Opernhandlung mit so viel Ironie und erzählerischer Wahrhaftigkeit auf die Bühne zu stellen. Mit augenzwinkernden Regie-Details lockerte er die Geschichte zweier Damen aus bestem Hause im viktorianischen England auf, welche sich aus Langeweile als Hausmägde auf dem Markt von Richmond verdingen und dann nach Verstellung, Missverständnissen und menschlichen Verletzungen schließlich ihre Partner finden. Die Sänger – bestens besetzt, so dass all die beliebten Melodien nur so sprühen – bewegen sich gekonnt auf diesem doppelten Boden – sehr zur Freude des Publikums, das nicht mit Szenenapplaus spart. So spaßig die Szenerie ist, so ernsthaft zeigt sich die Hilflosigkeit der Figuren bei der echten Liebe: Da werden sie zu Marionetten einer höheren Macht, die sie aber dann doch zum guten Ende führt. Nur: Was ist das gute Ende? Die Frauen amüsieren sich, haben Spaß an ihrem Erfolg. Und die Männer? Sie sind hilflose Pantoffelhelden. sl

"Der Nussknacker" im Gärtnerplatztheater

Ballett, Musik von Peter I. Tschaikowsky
Choreografie: Karl Alfred Schreiner
Dauer: 2 Stunden, eine Pause

Ein Nussknacker ohne hölzernen grimmigen Nusszerbeißer als Requisit, ein Blumenwalzer ohne flirrende Tütüs und Spitzentanz, drei Liebespaare - die harte Mutter Frau Stahlbaum mit Patenonkel Droßelmeier, Stahlbaums Zofe mit dem Butler und eine erwachsene Klara mit ihrem Prinzen – kann das gehen? Ja, mit der hier uraufgeführten Choreographie von Karl Alfred Schreiner. Die Geschichte des Weihnachtsabends, der in Traumwelten mündet, ist tänzerisch gestaltet mit biegsamen Körpern, weit schwingenden Armen, geschmeidigen Verschränkungen und quirligen Hebungen. Die leicht verkitscht-anmutende Bühne (R. Adarpasic) und die phantasievollen Kostüme (A. I. Unfried) rücken - ebenso wie die überraschenden clownesken Einschübe - die Aufführung in die Nähe einer subtilen, liebevollen Parodie des klassischen Balletts. Allein die Musik bleibt rauschhaft dem Alten treu und schließt so den Kreis zu Bekanntem: frisch und kurzweilig für ein Publikum von 8 bis 80 Jahren! sl

Premieren im Oktober

"La Cenerentola" im Gärtnerplatztheater

Komische Oper von Gioachino Rossini
Inszenierung: Brigitte Fassbaender
Dauer: 3 Stunden, eine Pause

"Die Welt ist ein großes Theater – und wir sind alle Komödianten", singt Alidoro, der Mentor des Prinzen Ramiro im ersten Akt. Dieses Motto ist auch das Leitmotiv in Brigitte Fassbaenders Inszenierung von Rossinis "Aschenputtel"-Version. Schon im Libretto bleibt das Märchenhafte im Hintergrund, vielmehr stehen sich Gefallsucht und Bescheidenheit als Quelle wahrer Liebe gegenüber. Don Magnifico als Stiefvater und seine Töchter Tisbe und Clorinda geben köstliche Karikaturen ab, wie sie um die Gunst des Prinzen buhlen, nicht ahnend, dass dieser mit seinem Diener Dandini die Rollen getauscht hat. Aschenputtel Angelina bleibt trotz der Versuchung des Prunks, mit dem sie für das Fest beim Prinzen ausgestattet wird, das feinfühlende Mädchen, das am Ende sogar die Bosheiten ihrer Familie verzeiht. In quirligem, oft urkomischem Spiel gestalten die Sänger die komödiantischen Feinheiten der Regie, die durch genial treffende Kostüme und überraschende und erheiternde Bühnenbilder zusätzlich getragen werden. Sänger und Orchester meistern mit Brillanz alle irrwitzigen Tempi und musikalischen Verzierungen, was diese "opera buffa" zu einem begeistert beklatschten Genuss für Auge und Ohr macht. sl

"Le nozze di Figaro" im Nationaltheater

Oper von W. A. Mozart
Inszenierung: Christof Loy
Dirigent: Constantinos Carydis
Dauer: 3 Stunden 40 Minuten, eine Pause

Am Tag von "Figaros Hochzeit" werden die Karten immer wieder neu gemischt. Der auch auf den blutjungen Cherubino (Solenn‘ Lavanant-Linke) rasend eifersüchtige Graf (wunderbar bärbeißig: Christian Gerhaher) wird am Ende eines nächtlichen Versteckspiels selbst als Schürzenjäger enttarnt und bittet in den allerletzten Minuten seine Frau (sehr nobel: Federica Lombardi) um Verzeihung. Figaro (der quirlige Alex Esposito) bekommt seine Susanne (Olga Kulchynska) als Jungfrau zur Vermählung, denn der Graf muss notgedrungen auf sein einst verbrieftes "Recht der ersten Nacht" verzichten. Regisseur Christof Loy und Dirigent Constantinos Carydis haben Szene und Graben zu einem hintergründig komischen Geschehen eng verzahnt und wagen mit durchweg hervorragenden Sängern (darunter Anne Sofie von Otter) oft leise verhaltende Töne. Dem subtil, trocken und oft rasant aufspielenden Staatsorchester sind zwei differenziert mitagierende Tastenspieler an Hammerklavier und Cembalo beigesellt. klk

"Die Möwe" im Volkstheater

Drama von Anton Tschechow
Inszenierung: Christian Stückl
Dauer: 2 Stunden 45 Minuten, eine Pause

Nach neuen Theaterformen sucht der Jungdramaturg Treplow und hat ein Stück geschrieben, in dem die von ihm begehrte Nina die Hauptrolle spielt. Der Gesellschaft ringt sein Werk jedoch nur müden Applaus ab – und so scheitert Treplow (Oleg Tikhomirov) in Anton Tschechows „Die Möwe“, wie alle anderen nicht nur, was das Theater, sondern auch die Liebe angeht. In Christian Stückls Inszenierung zieht Julia Richter als Nina eine bizarre Strumpfhosen-Performance vor einem Publikum der Künstler ab, die Stefan Hageneier allein schon optisch per Kostüm und Perücke zu markanten Typen macht. Hageneiers Bühne hingegen erzählt mit seinen aufragenden Türrahmen plus Pfütze auf dem Boden von einer Melancholie, die in den Herzen lauert. Julie Ronstedt gibt spiellustig eine Diva alter Schule, Julia Richter ist eine Nina von leuchtender Präsenz, und selbst das Hausmädchen (Luise Deborah Daberkow) holt sich mit ihren Ticks viele Lacher ab. Deftige Komik, darunter liegt die Sehnsucht nach Anerkennung – mit der "Möwe" finden Stückl und sein Ensemble zu großer tragikomischer Form. mst

"Gloria" im Residenztheater

Schauspiel von Branden Jacobs-Jenkins
Inszenierung: Amélie Niermeyer
Dauer: 1 Stunde 45 Minuten, keine Pause

Sie sind jung, gut ausgebildet und desillusioniert. Als Assistent in der Kulturredaktion eines New Yorker Magazins hat man keine Festanstellung, der Weg nach oben ist von "alten Säcken" blockiert und den Nachruf auf die berühmte Sängerin darf eine noch jüngere Bloggerin schreiben. Der Frust, den die Endzwanziger Dean, Ani und Kendra im schicken Großraumbüro pflegen, entlädt sich in Zoff, Gezicke und Zynismus vor allem gegen die stille Gloria, die seit acht Jahren "Kommata verschiebt" und zu deren Party nur ein einziger Kollege gekommen ist. Nach Glorias Amoklauf tauschen sich die Überlebenden im Starbucks über ihre Buch- und Filmprojekte aus – ihre Chance, das Massaker medial auszuschlachten. Der 33-jährige Amerikaner Jacobs-Jenkins verpackt seine Kritik an der modernen Medien- und Arbeitswelt in ein flottes, pointenreiches Stück – mit einem besonderen Gag: Jeder ist austauschbar und kehrt, toll verändert, in einer anderen Rolle wieder: Gloria als Kulturchefin Nan oder Dean als IT-Nerd einer Filmfirma. Regisseurin Amélie Niermeyer lässt den Nachwuchs des Resi großartig aufspielen. Und trifft genau den richtigen Nerv, lobt die junge Theaterbegleitung begeistert. sis

"Die lustige Witwe" im Gärtnerplatztheater

Operette von Franz Lehar
Inszenierung: Joseph E. Köpplinger                                                                                                                           
Dauer: 2 Stunden 40 Minuten, eine Pause

Was muss eine gute Operettenaufführung heute bieten? Es soll nicht nur heiter und schwungvoll zugehen, auch psychologischer Tiefgang mit ein bisschen Schaudern und etwas Erotik dürfen nicht fehlen – und natürlich steht die Liebe im Vordergrund. All das bietet die Neuinszenierung von Josef E. Köpplinger mit seinem Team: Die reiche, von der Männerwelt umschwärmte Witwe Hanna Glawari sehnt sich nach wahrer Liebe und findet sie endlich beim Grafen Danilo, und auch die "anständige verheiratete Frau" des Gesandten genießt es, abseits der langweiligen Ehe angebetet zu werden. Das Schaudern bleibt dabei nicht aus, denn der Tänzer und Choreograph Alan Cooper lenkt als allgegenwärtiger Tod das quirlige Geschehen vor dem drohenden Unheil des 1. Weltkriegs. Dabei ist Raum genug für großen Spielwitz der hervorragenden Solisten, für komische Tanzeinlagen, für das Spiel mit zum Teil doppelter Travestie (der Diener Njegus wird von einer Frau gespielt, die wiederum als Mann einen grotesken Cancan tanzt!), für geistreiche Regie- und Bühnenbilddetails. Dazu klingen zart und doch schwungvoll aus dem Orchestergraben die zauberhaften Lehar-Ohrwürmer. Ein gelungener Operetten-Einstand im wieder eröffneten Gärtnerplatztheater. sl

"Mittelreich" in den Kammerspielen

Schauspiel nach dem Roman von Josef Bierbichler
Inszenierung: Anta Helena Recke
Dauer: 2 Stunden 25 Minuten, eine Pause

Frenetisch bejubelt wurde Anta Helena Reckes Neubesetzung des Epos um Erbe und Bigotterie, Nazis und Fremdheit mit farbigen Schauspielern, Sängern und Musikern. Leider soll diese Fassung nur wenige Male aufgeführt werden. Anschauen! Die frische Neuversion von Sepp Bierbichlers wuchtiger, autobiographisch geprägter bayerischer Dorf- und Wirtsleutesaga, die den Bogen vom 1. Weltkrieg bis zum Wirtschaftswunder spannt, will zu Recht auf die einseitige Besetzung deutscher Theaterensembles mit weißen Schauspielern hinweisen. Ein wirklich multikulturelles Anti-Heimat-Stück vor abblätternder käsegelber Wand mit viel Brahms-Musik, in dem Sinnsuche, Aufbegehren und Sehnsucht drei Generationen antreiben und immer wieder scheitern. Wow! avs

Premieren im September

"Das Schlangenei" im Cuvilliéstheater

Schauspiel von Henrik Ibsen
Inszenierung: Anne Lenk
Dauer: 2 Stunden, keine Pause

„Vielleicht ist die auch gut, diese neue Bewegung, über die alle reden.“ Kein Satz von voriger Woche, sondern vom November 1923, als eine Packung Zigaretten Millionen kostet, Hitlers Putsch scheitert und die jüdischen Zirkusartisten Abel und Max Rosenberg mit dessen Frau Manuela in Berlin stranden. Anne Lenk hat aus Bergmans Film „Das Schlangenei“, den der berühmte Regisseur 1977 während seiner Münchner Jahre drehte, ein hellsichtiges Drama über den aufkommenden Faschismus und eine Gesellschaft in Angst und Auflösung inszeniert, nie plump, immer klug, dazu spannend wie ein Krimi und glänzend gespielt. Allen voran Franz Pätzold als Abel und als Erzähler, dauerrauchend und dauerpräsent, mit flackerndem Blick und herausragender Sprechkunst. Bruder Max hat sich erschossen, Manuela (Nora Buzalka mit Pagenschnitt wie Liza Minelli) hält sich in einem billigen Varieté über Wasser. Schließlich landen beide in der Klinik des zwielichtigen Jugendfreunds Vergérus, wo Schreckliches geschieht. Lenk erfindet surreale Bilder und schöne Zirkusmomente, und unter fragiler Oberfläche zeichnet sich schon die Katastrophe ab. Schlimme Zeiten und sehr gutes Theater. sis

"On the Road" in den Kammerspielen

Schauspiel nach dem Roman von Jack Kerouac
Inszenierung: David Marton
Dauer: 2 Stunden, keine Pause

Freiheitsdurst und Sehnsucht nach dem Unbekannten trieb sie an, die wilde Nachkriegsgeneration der 50-er Jahre. Kerouacs Kult-Reiseroman wurde zur Fanfare im Kampf gegen politischen Mief und Konformismus, gegen Weltkrieg und Atomwaffen. Die Jugendbewegung der Beat Generation (Burroughs, Ginsberg, Cassidy) war geboren und machte sich mit Sex, Drogen und Jazz quer durch Amerika auf die Suche nach dem wahren Leben, nach Rausch, Freiheit und Erleuchtung. Mit virtuosen Bebop- und Jazzeinlagen verwandelt Regisseur David Marton ("La Sonnambula") Kerouacs musikalisch schwingende Prosa in ein locker gefügtes improvisatorisches Musikdrama zwischen hohen Backsteinwänden. Mündet die zukunftssichere Utopie in Katerstimmung, in ein neues Establishment mit religiösen Akzenten? "Auf den Weg" nach der verlorenen Zeit des Aufbruchs machen sich zum Saisonauftakt der Kammerspiele Thomas Schmauser („Kaufmann von Venedig“, „Der Spieler“), Hassan Akkouch, Jelena Kuljić und Julia Riedler. Wir fahren mit. avs

"Romeo und Julia" im Volkstheater

Schauspiel von William Shakespeare
Inszenierung: Kieran Joel
Dauer: 2 Stunden

Was ist heute bloß los mit der Romantik, mit dem Gedanken an die eine große Liebe, von der Shakespeare in „Romeo und Julia“ erzählt? Auf der Bühne des Volkstheaters, von der Treppen nach außen führen, eine auch in den Zuschauerraum hinein, quält sich Romeo noch damit, dass er sich in Rosalinde verguckt hat, während sein Kumpel Mercutio (die famos witzige Luise Kinner), ihm schon mal Horrorszenarien entwirft, wie eine Beziehung unweigerlich ausgeht: Scheidung, Sorgerechtsstreit, Tod. Und Graf Paris, den Max Wagner schön schnöselig spielt, hat Julia auf einem Dating-Portal gefunden. Aber wo ist die Liebe? Der junge Regisseur Kieran Joel nimmt sich frisch und ideenreich des Klassikers an, wechselt mit seinem Ensemble zwischen verspielter Ironie und recht traditioneller Darstellung im Geiste Shakespeares. Silas Breiding wirft sich als Romeo mit voller Wucht in die Leidenschaft (und in den Witz), während Carolin Hartmann eine wunderbar bodenständige Julia gibt. Auch wenn der Abend etwas abrupt in der Tragödie endet: Ein großer, liebevoller, lustvoll gespielter Spaß. mst

"Kinder der Sonne" im Residenztheater

Schauspiel von Maxim Gorki
Inszenierung: David Bösch
Dauer: 2 Stunden

Draußen grassiert die Cholera, drinnen kreisen die Gebildeten um ihre eigenen Befindlichkeiten. Der Chemiker Protassow, den Norman Hacker mit freundlicher Zerstreutheit an seinen Experimenten und am Leben scheitern lässt, will die Menschen, diese „Eiweiß-Klümpchen“, zu „Kindern der Sonne“ wachsen lassen, während sich seine Frau Jelena (Hanna Scheibe) von ihm vernachlässigt und zum expressiven Kunstmaler Wagin (Aurel Manthei) hingezogen fühlt. Regisseur David Bösch ließ eine vor sich hinbröckelnde Halle bauen mit wissenschaftlichen Darstellungen an den Wänden und einem Flügel, der nie gespielt wird. Ein unwirtlicher Ort für ein moderates Unglück, an dem alle, die hier ständig kommen und gehen und mit den Türen klappern, ein wenig leiden und gern darüber reden. Einzig Protassows nervenkranke Schwester Lisa, die von der jungen Mathilde Bundschuh mit der Klarsicht einer Kassandra ausgestattet ist, warnt vor einem gewaltbereiten Mob, weil niemand die Nöte der Menschen draußen wahrnimmt. Viel Applaus für eine Inszenierung, die fast wie eine Boulevardkomödie daherkommt und doch das Sozialdrama nicht aus den Augen verliert. sis

 

Die TheaGe-Kritiken zu den Premieren der vergangenen Spielzeit 2016/17













Residenztheater: Richard III / © Matthias Horn













Gärtnerplatztheater: Hänsel und Gretel / Foto: Christian POGO Zach













Volkstheater: Volpone /© Gabriela Neeb












Gärtnerplatztheater: Martha/ © Christian POGo Zach











Gärtnerplatztheater: Der Nussknacker / © Marie-Laure Briane












Gärtnerplatztheater: La Cenerentola / © Christian POGO Zach














Nationaltheater: Le nozze di Figaro / © Wilfried Hösl












Volkstheater: Die Möwe / © Arno Declair











Residenztheater: Gloria / © Adrienne Meister












 Gärtnerplatztheater: Die lustige Witwe / © Marie-Laure Briane

 



 

 

 Mittelreich / Foto: Judith Buss

 

 

 

 

 Das Schlangenei / Foto: Aurin

 

 

 

 

 On the Road / Foto: David Baltzer

 

 

 

 

 Romeo und Julia / Foto: Volkstheater

 

 

 

 

 Kinder der Sonne / Foto: Thomas Dashuber

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