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Theatergemeinde München

Kulturvielfalt zum ermäßigten Preis

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„Wenn der Wirrwarr ist zerronnen/
Schlacht verloren und gewonnen“

 (William Shakespeare, Macbeth, Akt 1, Szene 1)

Wie genau es sich dann zutrug, konntest Du weder, während es geschah, noch kurz danach wirklich sagen. Jedenfalls wurde exakt zu dem Zeitpunkt, an dem Du persönlich zu der Überzeugung gekommen warst, dass die Große Schließung nie, wirklich niemals mehr enden würde, mit einem Mal alles anders. Schlagartig, über Nacht, klarte der Himmel auf über der schönen, schwierigen Stadt und tauchte die Umrisse ihrer Palais und Türme während der ersten Juni-Tage in überirdisch-hyperreal anmutendes Licht. Parkanlagen, Lustgärten und Wäldchen erblühten. Eine Mistral-artige Brise durchwehte die Gassen und reicherte den Schwebstaub über den Hauptverkehrswegen mit kristallinen Oxygenpartikeln an. Das Atmen fiel Dir nicht mehr ganz so schwer, wenn Du mit Deiner starren, weißen, papierenen Spitztüte vor dem Gesicht durch die Innenstadt eiltest. Weniger hektisch. Nicht mehr ganz so bedrückt. Denn, fast schien es, als sei eine Art kleines Pfingstwunder geschehen. Es gab plötzlich eine Sprache der Hoffnung.

Von „Dürfen“ war plötzlich sehr viel die Rede, seitens der Medien und Behörden. Von „Freiheiten“, „Erleichterungen“, vom Wiederbekommen dessen, was „uns“ genommen worden war, weil, ja weil das Risiko, vom Virus mit der Krone befallen zu werden, neuerdings gesunken sei und täglich weiter sinke. Es sei nun bald wieder erlaubt, an Wirtshaustischen oder auf Bistrostühlen unter freiem Himmel etwas zu sich zu nehmen. Man werde Shopping-Touren ohne digital vorgegebenes Zeitfenster machen können. Und ja, man werde über kurz oder lang auch wieder einen Theaterbesuch planen können. Unter speziellen Sicherheitsvorkehrungen natürlich. Aber immerhin. Behutsam, zurückhaltend, wie um die noch sehr unstet flackernden Lichtblicke mit seiner Wortwahl zu beschützen, berichtete der Geschäftsführer der traditionsreichen Kultureinrichtung, für die Du arbeitest und schreibst, im Editorial Eures Monatsprogramms von kleinen künstlerischen Kostbarkeiten, die zu entdecken seien, inmitten all der Unwägbarkeit. Wie Perlen im Meer.

Ob Du dich wirklich freuen solltest über etwas, was Dir vielleicht nur vorübergehend gestattet sein würde, wußtest Du allerdings nicht so recht. Und auch nicht, ob Du überhaupt bereit warst, die Komfortzone zu verlassen, in der Du Dich im Laufe der Großen Schließung mehr und mehr eingerichtet hattest. DURFTE man auch einfach weiter daheim bleiben?, fragtest Du Dich, während Du Dich Abende-lang vor dem Retro-Plattenspieler im Dachzimmer Deines Hauses durch die Vinyl-LP-Klassiker Deiner Jugend hörtest. Wäre es auch erlaubt, nun zu verweilen in Deinem Kokon aus nostalgischen DIY-Kulturevents, inmitten all Deiner häuslichen Wiedergabegeräte und Tonträger?  Oder MUSSTEST Du wieder hinaus in die raue Wirklichkeit? Du fühltest Dich überfordert von dem, was Du möglicherweise vorfinden würdest wenn Du hinausgingst. Wie würde sie sein, die kulturelle Realität in der gefühlten Terminalphase der Pandemie? Die Antwort kam vom Volkstheater: sie wäre so, wie im düstersten aller Königsdramen Shakespeares. Wie in MACBETH.

Die Tragödie des Macbeth / Foto: Gabriela Neeb

Ja, Du hattest Deine Zweifel gehabt. Ja, ein Freund hatte Dich überreden müssen. Aber dann war es doch ein großer, wirklich sehr großer persönlicher Gänsehautmoment, den Du am Abend des 4. Juni 2021 im vorderen Teil des lückenhaft bestuhlten Zuschauerraumes von Christian Stückls Theater-Rayon erlebtest. Als sechs junge Schauspieler und Schauspielerinnen in grau schimmernden, dezent historisierenden Kostümen an die Rampe der kulissenlosen Bühne traten und vor der Projektionsfläche zweier drehbarer Stellwände schattenrisshaft ausgeleuchtet die doppelbödigen Orakelsprüche der drei „Schicksalsschwestern“, vulgo Hexen, chorisch skandierten. Im magischen, im lupenreinen Über-Englisch des Renaissance-Zeitalters: „Fair is foul and foul is fair/Hover through the fog and filthy air ...“ Dies war die absolute Wahrheit, dachtest Du, während Du auf Deinem Sitz regelrecht festfrorst. Die Welt war zu einem chimärenhaften Ort geworden. Unrechtmäßig, widernatürlich regiert von Massenhysterie, Psychose, Wahn und Angst. Auf Erlösung wartend ... 

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