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Kulturvielfalt zum ermäßigten Preis

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Aktuelle Theaterkritiken Spielzeit 2020/21

Premieren im Oktober 2020

„Dantons Tod“ im Residenztheater

Schauspiel von Georg Büchner
Inszenierung: Sebastian Baumgarten
Premiere am 30. Oktober 2020
Dauer: 2 Std. 30 Min., keine Pause

Dantons Tod / Foto: Sandra Then

Die Zombies der Revolution: Mit verlotterten Gestalten und dröhnenden Klangkompositionen, in düsteren Bildern und stummen Schwarz-Weiß-Videos zeigt Sebastian Baumgarten, der erstmals in München inszeniert, das Scheitern der Ideale von 1789. Fünf Jahre danach geistern die Jakobiner wie Untote über die Bühne, ihre Bewegungen erinnern an Marionetten und aus den Weingläsern von Danton (Felix von Manteuffel) und Robespierre (Lukas Rüppel) rieselt der Staub. Im Gerippe eines alten Bankgebäudes schreiben und debattieren Dantons Gefährten und im heruntergekommenen (Hör)-Saal des Wohlfahrtsausschusses, in dem ein Roboterarm ständig Blut verwischt, wird Robespierres „Tugend durch Terror“ proklamiert. Von oben grüßt ein zwinkernder Lenin. Zwischen die Szenen sind überdimensionale Filmsequenzen von Demonstrationen, Straßenschlachten und Aufständen montiert. Doch das Volk spielt keine Rolle. Sein einstiger Held Danton, Gegenspieler Robespierres, pflegt seine Melancholie und Todessehnsucht. Eine lebhafte und anregende Bilder- und Gedankenflut!  sis
 

„Herkunft“ am Münchner Volkstheater

Schauspiel nach dem Roman von Saša Stanišic
Inszenierung: Felix Hafner
Premiere am 22. Oktober 2020
Dauer: 1 Stunde 30 Minuten, keine Pause

Herkunft / Foto: Gabriela Neeb

Woher man kommt, steht eigentlich in der Geburtsurkunde, aber ein Mensch hat viele Ursprünge. Es wundert daher nicht, dass gleich sechs Schauspieler*innen auf der Bühne des Volkstheaters stehen, um den mit dem Deutschen Buchpreis 2019 ausgezeichneten Lebensbericht „Herkunft“ von Saša Staniši? in eine Mischung aus erzählten Anekdoten und gespielten Szenen zu verwandeln. Jede und jeder kann mal Staniši? sein, aber auch dessen Großmutter Kristina. Deren Demenz war für den Autor Anlass, in seinen eigenen Erinnerungen zu kramen, von seiner Geburt in der Kleinstadt Višegrad über die Flucht mit der Familie nach Ausbruch des Jugoslawienkriegs Richtung Heidelberg bis hin zur Gegenwart, die er vor allem in Hamburg verbringt. Das Ensemble springt in Felix Hafners klug ausgetüftelter Inszenierung zwischen den Zeiten hin und her, belebt die Bühne, in der zwei Kuben als Gedächtnisräume dienen, mit großartiger spielerischer, auch tänzerischer Energie. Zuletzt würfeln sie aus, welches von sechs Enden sie spielen werden. Der Zufall entscheidet, wie so oft im Leben. mst

„Liebe. Eine argumentative Übung“ an den Münchner Kammerspielen

Schauspiel von Sivan Ben Yishai
Inszenierung: Heike M. Goetze
Premiere am 18. Oktober 2020
Dauer: 2 Stunden, keine Pause 

Liebe / Foto: Judith Busse

Eine Frau sitzt vor ihrem rosa beleuchteten Haus, Blumenkästen, Rasenmäher, Spießigkeit. Zehn Minuten später bewegt sie sich nackt fast eine Stunde lang tänzerisch und turnerisch auf der Bühne, den eigenen Körper betastend, entdeckend, womöglich ablehnend. Johanna Eiworth spielt in dem von Regisseurin Heike M. Goetze auf eine Person reduzierten Stück der israelischen, in Berlin lebenden, feministischen Autorin Sivan Ben Yishai das „Girlfriend“ des Comic-Helden Popeye, die Romanschriftstellerin Olivia Öl. Gleichzeitig läuft oben am Haus unaufhörlich ein Schriftband mit der Geschichte und der Gefühlslage der beiden. Eigentlich mag Olivia es gern romantisch, will dass der Muskelprotz den Arm um sie legt und sie küsst, andererseits möchte sie seine Zunge auch ganz woanders, was aber doch wiederum ekelig und geruchsintensiv ist. Das schreit sie im zweiten Teil in einer gelesenen, dann auswendig vorgetragenen Suada heraus, in der sie auch von ihren Sex-Beutezügen auf den Straßen und am Ende vom Besuch bei der Gynäkologin erzählt. Schon eine sehr spezielle Sache! sis

„Eine Jugend in Deutschland“ an den Münchner Kammerspielen

Schauspiel nach dem Roman von Ernst Toller
Inszenierung: Jan-Christoph Gockel
Premiere am 16. Oktober 2020
Dauer: 3 Stunden und 30 Minuten, eine Pause

Eine Jugend in Deutschland / Foto: Francesco Giordano

Alles auf einmal: Filmsequenzen und Live-Videos, Märchen, Komödie, neun Schauspieler und neun wunderbare Puppen (von Michael Pietsch). Das ergibt eine hinreißende und anregende Revue, expressionistisch und politisch, skurril und voller Ernst. Passend zum Dichter und Revolutionär, zum Träumer und Pazifisten Ernst Toller, der nach der Ermordung Kurt Eisners eine führende Rolle in der Räterepublik spielte, die 1918 die Monarchie gestürzt hat, demokratische Rechte einforderte und den Freistaat gründete. In sechs Teilen wirbelt Regisseur Gockel durch das Leben Tollers und seine Zeit, die auch, wie es einmal heißt, „jetzt“ sein könnte. Er lässt sich inspirieren von der 1933 erschienenen Romanbiographie „Eine Jugend in Deutschland“ und den fast vergessenen Dramen. Schon der Anfang nimmt gefangen: Eine Puppen-Schulklasse wächst auf im Drill der Kaiserzeit und zieht begeistert in den Ersten Weltkrieg. Danach: Abgeschlagene Gliedmaßen und die Hoffnung auf eine bessere Welt, die jedoch rasch zunichte gemacht wird. Ein langer, kurzweiliger und kluger Abend. sis

„Ich bin's Frank“ an den Münchner Kammerspielen

Ein Projekt von und mit Julia Häusermann u.a.
Uraufführung am 10. Oktober 2020
Dauer: 1 Stunde 10 Minuten, keinePause

Ich bin's Frank / Foto: Gina Bolle

Die neue Intendantin der Münchner Kammerspiele, Barbara Mundel, setzt starke neue Akzente im Programm. Zu Mundels Linie gehören feministische Themen und die Weiterführung projekthafter Inszenierungen wie schon bei Lilienthal und – das ist neu – die Arbeit mit Künstlerinnen und Künstlern mit mehrheitlich kognitiver Beeinträchtigung wie bei diesem Stück. Im Zentrum der schwungvollen, einfallsreichen und witzigen Soloperformance „Ich bin's Frank“ steht Julia Häusermann, eine fröhliche junge Frau in bunten Shirts und Leggings mit Trisomie 21. Vor einem Videoprospekt aus Naturformationen entfaltet die mehrfach ausgezeichnete Schauspielerin ein lebhaftes Unterhaltungsprogramm aus Liedern und Tanz. Populäre Songs aus TV-Soaps wie „Verbotene Liebe“ (daher ihre Figur „Frank“) und Schlager wie DJ Ötzis „Geboren, dich zu lieben“ sind die Fixpunkte ihrer spielerischen Welt. Ein neonbeleuchteter Reifrock aus Draht dient ihr als Ziel einer gesungenen Liebeserklärung. Sie kokettiert mit dem sichtlich angetanen Publikum. Das Stück „gehört zum Wundervollsten, was man auf dem Theater erleben kann“, schreibt die SZ. Berührend, faszinierend und erfrischend!  avs
 

„Einer gegen Alle“ am Residenztheater

Schauspiel frei nach dem Roman von Oskar Maria Graf
Inszenierung: Alexander Eisenach
Premiere am 9. Oktober 2020
Dauer: 1 Stunde 45 Minuten, keine Pause

Einer gegen alle / Foto: Birgit Hupfeld

Es sind die 20-er Jahre des vorigen Jahrhunderts, die Revolution ist blutig gescheitert. Der Bauernsohn Girgl, Deserteur und obdachloser Streuner, findet seine Identität auch im Frieden nicht wieder. Drei platinblonde Hünen in schwarzer Glitzerrobe zupfen eingangs die Harfe und singen von den Schäden und Brüchen, die der eben vergangene Erste Weltkrieg in Körper und Psyche, in Gesellschaft und Moral angerichtet hat. Sie sind im Rollentausch mal Radikale der linken Räterepublik, mal deren Gegner, reaktionäre Antikommunisten, die die Weimarer Republik bilden. Es herrschen Gewalt und Orientierungslosigkeit, zwischen Monarchie und Faschismus regiert der "Be-schissmus". Videosoaps und Kalauereffekte, wie die von fränkischen "Räubern" mit bemalten Coronamasken im Otto-Dix-Stil, setzen komische Akzente. Nach Bankraub und Mord bleibt Girgl, dem Alter Ego Oskar Maria Grafs, als "beste Lösung", sich an seinen bayerischen Hosenträgern zu erhängen.  Eine bittere, universelle Anklage gegen den Krieg, ideenreich und kraftvoll.   avs
 

„Touch“ in den Münchner Kammerspielen

Schauspiel von Falk Richter
Inszenierung: Falk Richter
Choreographie: Anouk van Dijk
Premiere am 8. Oktober 2020
Dauer: 2 Stunden, keine Pause

Touch / Foto: Sigrid Reinichs

Aktueller geht’s nicht: Ensemblemitglieder von Neu-Intendantin Barbara Mundel und Künstler aus der Compagnie der Niederländerin van Dijk spielen, tanzen und singen vom Corona-Lockdown, von depressiven Gefühlen und berührungsfreien Situationen. So gerät die Uraufführung „Touch“, für die Hausregisseur Falk Richter ein Pandemie-Tagebuch geführt hat, zu einem unterhaltsamen Potpourri, in dem auf Eisschollen und in Glashäusern die Unmöglichkeit der Nähe, die in der digitalen Welt schon vor der Seuche grassierte, Thema ist. Nicht viel Neues, aber doch Überlegenswertes – und Komisches, wie die Miniszene à la Yasmina Reza mit zwei schwulen Freunden und zwei Schwestern auf violetten Püschel-Hockern, die in der „besonderen Zeit“ gebastelt wurden. Die zweite Stunde zeigt eine Art Museum der Menschheit, in dem in rasantem Tempo die ganz großen Fragen zur Sprache kommen, von Armut bis Rassismus, von Ausbeutung bis zum Raubbau an der Natur, kommentiert von einer sich wundernden Marie Antoinette, deren ausladender Reifrock alles und alle auf Distanz hält.sis
 

„Eugen Onegin“ am Gärtnerplatztheater

Oper von Peter I. Tschaikowsky
Musikalische Inszenierung: Anthony Bramall
Inszenierung: Ben Baur
Premiere am 8. Oktober 2020
Dauer: 2 Stunden 45 Minuten, eine Pause

Eugen Onegin / Foto: Christian Pogo Zach

Große Oper und Corona – wie geht das zusammen? Ganz einfach, wie man in der Neuproduktion von Ben Baur und dem auf Kammerorchestergröße geschrumpften Orchester (Leitung: A. Bramall) erleben kann. Denn schließlich ist der Puschkinsche Roman um unerfüllte Liebe und Eifersucht ja eigentlich auch ein Kammerspiel um vier junge Leute, die aufgrund uneingestandener Sehnsüchte, Wankelmut, tödlichen Konventionen wie ein Duell und Entsagung nicht zueinander finden können. Auf der mit wenig, aber klug eingesetzten Requisiten ausgestatteten Bühne (auch Ben Baur) berühren sich zwar widerstreitende Gefühle, aber auch keine Körper – nicht einmal beim Ball im 3. Akt begegnen sich die Hände der Tanzenden, umso mehr aber die Blicke. Die brillanten Solisten haben Gelegenheit, nicht gegen ein übermächtiges Orchester anzusingen, sondern werden bei ihren Arien untermalend von den Solisten im Graben begleitet – „ ein neuer Klangrahmen nicht als Not, sondern als Chance“ (MM). Auch wenn schon 200 Besucher verdienten tosenden Schlussapplaus schafften, ist es doch zu hoffen, dass bald mehr Publikum die Chance hat, eine Aufführung dieser Produktion zu erleben.  sl
 

Premieren im September 2020

„Das Erdbeben in Chili“ am Residenztheater

Schauspiel nach der gleichnamigen Novelle von Heinrich von Kleist
Inszenierung: Ulrich Rasche
Premiere am 25. September 2020
Dauer: 2 Stunden 30 Minuten, keine Pause

Das Erdbeben in Chili / Foto: Sandra Then

Ulrich-Rasche-Time im Resi: Kraftvoll ausholend, die Knie gebeugt, bewegen sich acht schwarz gekleidete Menschen unaufhörlich auf einer leicht erhöhten Drehscheibe. Jedes Wort aus Kleists Novelle von 1807 dehnen sie im langsamen Rhythmus, mal spricht einer, mal der Chor. Der Regisseur des strengen Stils („Die Räuber“) beeindruckt wieder mit seiner „entschiedenen Ernsthaftigkeit“ (FAZ), mit der er sich dem schweren Stoff nähert, auch wenn die sonst bei ihm übliche Bühnenmaschinerie diesmal zurückhaltend ausfällt. Ein gewaltiges Erdbeben bewahrt das Liebespaar Josephe und Jerome und ihr Kind vor tödlicher Strafe. Vor der zerstörten Stadt treffen sie sich die beiden überraschend wieder – und kurz scheint die Möglichkeit einer besseren, versöhnten Gesellschaft auf. Doch als ein Priester die Liebenden für die Katastrophe verantwortlich macht, stürzt sich der Mob auf sie. Hier läuft die Inszenierung in Sprache und Musik zu großer Form auf, doch auch individuelle Charaktere und leisen Schmerz vermag Rasche anrührend zu zeigen. Ein begeisternder Start in die neue Saison!  sis
 

„7 Deaths of Maria Callas“ am Nationaltheater

Ein Opernprojekt von Marina Abramovic
Komposition: Marko Nikodijevic
Inszenierung: Marina Abramovic (Film: Nabil Elderkin)
Dirigent: Yoel Gamzou
Premiere: 1. September 2020
Dauer: 1 Stunde 10 Minuten, keine Pause 

7 Deaths of Maria Callas / Foto: © Wilfried Hösl

Das perfekte Corona-Stück und doch im April, als die Uraufführung geplant war, schon fast fertig: Maria Callas in ihren zentralen Partien als Traviata, Tosca, Desdemona, Butterfly, Carmen, Lucia und Norma. Zum Live-Orchester von sieben unterschiedlichen Sängerinnen im gleichen Kostüm gesungen, dahinter auf Großleinwand in Slow Motion von Marina Abramovic, die den ganzen Abend an der Seite im Bett liegt, als deren jeweiliges Sterben dargestellt: von Boa Constrictors erdrosselt (Desdemona), dem Strahlentod in Nagasaki ausgesetzt (Butterfly), vom Wolkenkratzer stürzend (Tosca) oder in den Flammen umkommend (Norma).
(Fast) immer verursacht ein Mann – hier Willem Dafoe – diesen Tod. Er ist Alter Ego der Ehemänner Meneghini und Onassis oder der Regisseure Pasolini und Visconti. Dann das reale Sterben 1977 in der Pariser Wohnung und die Auferstehung – nochmals mit „Casta Diva – Keusche Göttin“, jetzt in der Einspielung von 1954 – mit Live-Orchester. Ein Meta-Projekt über den Wahnsinn der Oper, über Eros und Thanatos! kk

 

Premieren im August 2020

„Probleme Probleme“ am Münchner Volkstheater

Schauspiel nach der Erzählung von Ingeborg Bachmann
Inszenierung: Abdullah Kenan Karaca
Premiere 26. August 2020
Dauer: 1 Stunde 20 Minuten, keine Pause 

Probleme Probleme / Foto: Arno Declair

Angesichts all der alltäglichen (Corona-) Probleme kann einem schon mal die Lebenslust vergehen. Insofern passt Beatrix, die Hauptfigur aus Ingeborg Bachmanns Erzählung „Probleme Probleme“ von 1972, sehr gut auch in unsere Zeit. Die 20-Jährige isoliert sich, will nur noch schlafen, ärgert sich über eine hyperaktive Freundin und pflegt genervt eine Affäre mit dem verheirateten Erich. Dieses sterile Dasein findet im Volkstheater in einem entsprechend kargen Biotop statt, das Bühnenbildner Vincent Mesnaritsch ganz mit Plastikhüllen bedeckt hat. Ein ganzheitlicher, mit sich zufriedener Mensch ist Beatrix nicht, weshalb Regisseur Abdullah Kenan Karaca sie in ein Trio aufgesplittet hat. So erzählen Henriette Nagel, Jakob Immervoll und Max Poerting aus Beatrix‘ Leben, fühlen sich in sie und ihre wenigen Mitmenschen hinein. Einzig im „Frisörsalon René“ findet Beatrix ein wenig Glück, aber auch das ist zerbrechlich. Karaca zeichnet mit seinem Ensemble das tragikomische Porträt einer Frau, die gerne aus ihrer Plastikhölle ausbrechen möchte. Ja, sind wir nicht alle ein bisschen Beatrix? mst
 

„Indien“ am Münchner Volkstheater

Schauspiel nach dem Stück von Alfred Dorfer und Josef Hader
Inszenierung: Simon Solberg
Premiere am 15. August 2020
Dauer: 1 Stunde 30 Minuten, keine Pause

Indien / Foto: Arno Declair 

Ein schrecklicheres, in seiner Schrecklichkeit aber auch noch anrührendes Männerpaar hat die Filmgeschichte nie wieder gesehen: Als die Wirtshausinspektoren Fellner und Bösel reisten Alfred Dorfer und Josef Hader in „Indien“ durch die österreichische Provinz und schufen damit einen Kult, der seit dem Kinostart 1993 kein Ende gefunden hat. Auf die Größe der Vorbilder pfeift Simon Solberg in seiner Adaption des Theaterstücks, das dem Film zugrunde liegt, und macht im Biergarten des Volkstheaters sein eigenes Ding. In einem anthropologischen Museum mit einigen Vitrinen stellt Solberg seltsame Menschenbilder der vergangenen Jahrhunderte bis ins Heute aus und lässt mittendrin Carolin Hartmann als Fellner und Jonathan Müller als Bösel all das überprüfen, was in Zeiten von Corona überprüft gehört: Schlachthöfe auf ihre Hygieneverhältnisse zum Beispiel. Statt hintersinnigem Ösi-Humor bietet das Duo in seiner Turboshow feine (Gesangs-)Nummern und herzhaften Klamauk, charmiert dabei mit dem Publikum, bis man gar an die indische Lehre der Inkarnation glaubt. Eine rasante Gaudi! mst
 

„Der Bau“ am Münchner Volkstheater

Schauspiel nach der Erzählung von Franz Kafka
Inszenierung: Miriam Loibl
Premiere am 7. August 2020
Dauer: 1 Stunde, keine Pause 

Der Bau / Foto: Arno Declair

Ja gerade in Zeiten von Corona entwickelte sich eine Tendenz zur Isolation, angetrieben von der Angst vor Eindringlingen, die vielleicht etwas Gefährliches einschleppen könnten. Kafkas Fragment gebliebene Erzählung „Der Bau“ aus den 1920er Jahren wirkt gerade jetzt aktuell, geht es doch darin um ein (tierisches) Ich, das sich einen Ort unter der Erde zusammengebastelt hat, um sich vor der unsicher scheinenden Außenwelt zu verschanzen. Miriam Loibl inszeniert diesen Text im Volkstheater geschickt als Mischung zwischen Theaterspiel und Installation. Das Bühnenbild von Thilo Ulrich – ein hochragender, labyrinthischer Holzbau mit einigen Treppchen und Kammern – ist dabei ein toller, expressiv beleuchteter Spielplatz für die Ensemble-Mitglieder Jan Meeno Jürgens, Steffen Link und Pola Jane O’Mara. Sie wuseln und rutschen durch die Gänge, verharren in den Kammern, bringen Kafkas Worte präzise zum Klingen und vermitteln eine Paranoia, die noch verstärkt wird, als ein seltsames Geräusch die Ruhe im Bau stört… Ein außergewöhnlicher Abend, atmosphärisch dicht und richtig kafkaesk. mst

Premieren im Juli 2020

„Das hässliche Universum“ am Münchner Volkstheater

Schauspiel von Laura Naumann
Inszenierung: Sapir Heller
Premiere am 29. Juli 2020
Dauer: 1 Stunde 30 Minuten, keine Pause 

Das hässliche Universum / Foto: Arno Declair

Wenn schon klar ist, dass die Menschheit bald untergehen wird, sollte man davor wenigstens noch mal tüchtig feiern. Ein bisschen was von Karneval hat es schon, wie vier der Ensemblemitglieder des Volkstheaters auf der großen Bühne auftreten. Denn Bühnen- und Kostümbildnerin Anna van Leen hat sie in Anlehnung an berühmte Vorbilder eingekleidet: Blond und glitzernd sieht Anne Stein aus wie Country-Star Dolly Parton, Nina Steils ist blümchengeschmückt eine Wiedergängerin von Frida Kahlo, Vincent Sauer hat Freddie Mercury intus und Silas Breiding erinnert in seiner Rüstung an Brad Pitt in „Troja“. Gemeinsam bilden die Vier eine Beerdigungs-Band anlässlich des nahenden Grabgangs dieser Welt und machen in 90 Minuten großartig Musik. So covern sie Songs von Tom Waits bis Bon Jovi aufs Feinste. Nina Steils fetzt ein Lied von Blur auf die Bühne, und Anne Stein legt ein furioses Diven-Solo hin. Dass die Handlung von Laura Naumanns Stück etwas wirr ist, spielt keine Rolle. Regisseurin Sapir Heller und ihr Ensemble machen aus „Das hässliche Universum“ eine höchst unterhaltsame Show! mst

„Die Goldberg-Variationen“ am Münchner Volkstheater

Komödie von George Tabori
Inszenierung: Christian Stückl
Premiere 24. Juli 2020
Dauer: 1 Stunde 45 Minuten, keine Pause 

Die Goldberg-Variationen / Foto: Arno Declair

In Zeiten von Corona sollte man flexibel sein, sonst geht alles, auch das Theater, vor die Hunde. Volkstheater-Intendant Christian Stückl ging mit seinem Team schon im Mai in die Sommerpause und eröffnet jetzt die neue Saison – mit Inszenierungen, die zum Teil im Biergarten vor dem Volkstheater stattfinden. Den Anfang macht nun George Taboris Stück „Die Goldberg-Variationen“, von Stückl „corona-tauglich“ inszeniert. Regisseur Mr. Jay (im Jogginganzug prollig und kettenrauchend wie Stückl: Pascal Fligg) will die Bibel für die Bühne adaptieren, erweist sich dabei als antisemitischer und sexistischer Despot. Sein Team gibt ihm jedoch gehörig Kontra, darunter eine Schauspiel-Diva (Luise Deborah Daberkow) und Regieassistent Goldberg (Mauricio Hölzemann), der zuletzt aber als Jesus ans Kreuz muss. Stückl holt ein bisschen die Oberammergauer Passionsspiele nach, die von 2020 auf 2022 verschoben werden mussten, und inszeniert ein witziges, mit treibender Live-Musik unterlegtes Spektakel über das Theater – und erneut, gegen den Antisemitismus. Ein toller Open-Air-Start! mst

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