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Theatergemeinde München

Kulturvielfalt zum ermäßigten Preis

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Aktuelle Theaterkritiken Spielzeit 2020/21

Premieren im Juli

„Gott“ am Residenztheater

Premiere am 23. Juli 2021
Schauspiel von Ferdinand von Schirach
Inszenierung: Max Färberböck
Dauer: 1 Stunde und 45 Minuten, keine Pause

Gott / Foto: Sandra Then

Frau Gärtner will sterben. Der Tod ihres Mannes hat ihr den Lebenssinn geraubt, trotz Kindern, Enkeln, dem Architekturberuf. Max Färberböck, bekannt als Filmregisseur, hat den Konflikt zugespitzt: Anders als bei Schirach ist Frau Gärtner (glasklar und willensstark: Charlotte Schwab) nicht 78, sondern 68 Jahre alt und kerngesund. Darf sie ärztlichen Beistand beim Suizid einfordern? Im Residenztheater diskutiert auf nüchterner Bühne ein fiktiver Ethikrat über die Zulässigkeit assistierter Sterbehilfe, in der Realität hat das Bundesverfassungsgericht 2020 den Paragraphen 217 bereits einkassiert, ein Arzt darf jetzt ein tödliches Mittel besorgen, schlucken muss es der Sterbewillige selber. Die Akteure, allen voran der brillante Anwalt Gärtners (Michael Wächter), tragen ihre kontroversen Positionen, die wenig Neues beinhalten, mit Verve vor, etwa das Recht auf Selbstbestimmung (die Juraprofessorin) gegen die Gefahr eines Dammbruchs (Mediziner und Bischof). Und wie bei Schirachs Bühnen-Ethikkursen üblich, stimmt am Ende das Publikum ab. Zu welchem Schluss werden Sie kommen? sis

„Monty Python's Das Leben des Brian“ am Gärtnerplatztheater

Komisches Oratorium von Eric Idle und John Du Prez
Inszenierung: Nicole Claudia Weber
Premiere am 15. Juli 2021
Dauer: 1 Stunde 20 Minuten

Monty Python's Das Leben des Brian / Foto: Christian Pogo Zach

Mit dem „komischen Oratorium“ landet das Gärtnerplatztheater erneut einen Coup. Schon allein die Idee von Eric Idle und John Du Prez, diese Form für eine Live Umsetzung des Kultfilms zu wählen, ist ein Geniestreich. So wie im Film die Ereignisse um den vermeintlichen Messias Brian parallel und persiflierend zur Lebensgeschichte Jesu erzählt werden, orientiert sich das „szenische Oratorium“ formal an Werken wie Händels „Messias“ mit Arien, Rezitativen, Chören. Dabei öffnen sich die Schleusen vor allem des musikalischen Humors der Monty Pythons: Der Zuschauer – selbst ohne Vorkenntnis des Films – kommt aus dem Staunen und Schmunzeln nicht heraus über  den vielfältigen musikalischen Witz. Die deutsche Textfassung Thomas Pigors übersetzt den britischen Humor treffend, die Solisten – mit bestem Sinn für die Parodie – lassen weder vokal noch darstellerisch Wünsche offen. Die szenische Umsetzung von Regisseurin Nicole Claudia Weber trifft geistreich den abgründigen Witz der Vorlage, ohne sie je imitieren zu wollen. Selten wirkte der Hit „Always look on the bright side of life“ passender als in unseren Tagen! Zwingend vormerken für die neue Spielzeit! sl

„Die Politiker“ an den Münchner Kammerspielen

Schauspiel von Wolfram Lotz
Inszenierung: Felicitas Brucker
Premiere am 4. Juli 2021
Dauer: 1 Stunde 10 Minuten, keine Pause

Die Politiker / Foto: Judith Buss

Ein wuchtiger Hagelsturm aus Sprache geht nieder über den Kammerspielen. Drei videoanimierte Guckkästen sind die Bühne. Thomas Schmauser skandiert lyrische Rhythmen, Assoziationsketten, Kinderreime, Rap, oft nah am Dada. „Die Politiker“ lautet sein Mantra. Es geht um Alltägliches, aber auch um klarsichtige, politische Statements. Äpfel und Nebel verpaaren sich da mit Buchenwald oder Adolf Hitler. Katharina Bach turnt expressiv und akrobatisch, baumelt in (auto)aggressiver Körperverschlingung an der Decke, wechselt die knappe Turnkleidung und Frisuren, hantiert mit der Pistole. Svetlana Belesova performt in der Küche, man beschmiert sich mit Farbe oder Schokopudding. Alle drei Darsteller sprechen die gleichen Texte, zeitlich leicht versetzt. Die Sprache spielt die Hauptrolle. Als mäanderndes, chorisches Stakkato, in teils melancholischen, teils auch witzigen Textschleifen wie in einem nächtlichen Wachtraum. Sind die Politiker und die Macht der Dauerbeschallung, der sie uns aussetzen, für alles zuständig? Oder neigen wir Demokratie-Benutzer einfach zu bequemen Zuschreibungen, statt selbst verantwortlich zu agieren? Wolfram Lotz, einer der wichtigsten deutschen Gegenwartsdramatiker, macht satirisches und radikal innovatives „unmögliches Theater“. Viel Applaus für die drei Darsteller, die mit vollem Stimm- und Körpereinsatz agieren. avs

„Herz aus Glas“ am Residenztheater/ Marstall

Schauspiel nach dem Drehbuch von Herbert Achternbusch
Inszenierung: Elsa-Sophie Jach
Uraufführung am 4. Juli 2021
Dauer: 1 Stunde 30 Minuten, keine Pause

Herz aus Glas / Foto: Sandra Then

Was haben der Mühlhiasl und Greta Thunberg gemeinsam? Richtig, sie warnen vor dem drohenden Untergang unseres Planeten. Irgendwann flicht der Hellseher aus dem Bayerischen Wald, geboren um 1750 und hier schön klar und streng gespielt von Pia Händler, das Haar zu Zöpfen. Ausrichten mit seinen Weissagungen, dass „die Leut allweil narrischer“ werden, kann der Hias freilich nichts bei dieser schrägen Bauernschar in Jogginganzügen und mit Rokoko-Perücken, die vor der Tür und aus den Fensterluken eines Hexenhauses meistens im Chor die Ereignisse in ihrem Glasbläser-Dorf schildert. Der Erfinder des Rubinglases ist gestorben, ohne das Geheimnis seiner Kunst preiszugeben, das der reiche Goldfinger unbedingt wissen will. Doch der Prophet des Ortes spricht stattdessen vom Krieg, von unheilbaren Krankheiten und dem Wald, der so licht wird „wie des Bettelmanns Rock“. Werner Herzog hat 1976 nach dem Drehbuch von Achternbusch den wahrhaft vogelwilden Film „Herz aus Glas“ gedreht, und auch jetzt spielt die Zeit verrückt. Schauen Sie öfter auf die Uhr am Hexenhaus! sis

 

Premieren im Juni

„Tristan und Isolde“ an der Bayerischen Staatsoper/ Nationaltheater

Oper von Richard Wagner
Inszenierung: Krzysztof Warlikowski
Musikalische Leitung: Kirill Petrenko
Premiere: 29. Juni 2021
Dauer: ca. 5 Stunden, zwei Pausen

Tristan und Isolde / Foto: Wilfried Hösl

Ein  massives, furchteinflößendes, hölzernes Art-Deco-Foyer (Ausstattung: Magorzata Szczniak) ist das Einheitsbühnenbild für Warlikowskis radikale Deutung einer Liebe, die von Beginn an zum Scheitern verurteilt ist: Hier die irische Prinzessin Isolde, die sich in den Mörder ihres Verlobten verliebte, als sie ihn pflegte; dort Tristan, der traumatisierte Waise, dessen Vater nach der Zeugung und dessen Mutter bei der Geburt starben. Trotz aller Sehnsucht, gewaltiger musikalischer Wogen oder auch eines filmisch explodierenden Blumenmeers kommen beide sich nie körperlich nahe. Ein Kuss auf die Stirn ist das Höchste der Gefühle. Im dritten Aufzug dann eine Tafel mit einem Dutzend Androiden aus dem Waisenhaus, zwischen denen Tristan sitzt wie Christus beim letzten Abendmahl, wenn er nicht auf der Chaiselongue in Fieberwahn verfällt. Am Ende sind Tristan und Isolde gestorben, während im Film Sänger und Sängerin im Hotelbett erwachen und sich anlächeln. Das Ereignis findet im Graben statt. Und hoffentlich bleibt von Kirill Petrenkos scharfgeschliffener Klarheit und Intensität viel bis zur Wiederaufnahme. klk
 

„Bayerische Suffragetten“ an den Münchner Kammerspielen

Schauspiel von Jessica Glause und Ensemble
Inszenierung: Jessica Glause
Uraufführung am 27. Juni 2021
Dauer: 2 Stunden, keine Pause

Bayerische Suffragetten / Foto: Julian Baumann

Bravo! Die bayerischen Frauen haben es drauf. Schon vor 130 Jahren haben einige von ihnen (ebenso wie anderswo) Schneid, Leidenschaft und Tatkraft mobilisiert und gekämpft, bei vollem Risiko. Für Bildung und gleiche Rechte, für ein selbstbestimmtes Leben. Die Kammerspiele haben daraus ein mitreißend schwungvolles Fest der Emanzipation gemacht, voller Farbe, Witz und Temperament. Ein buntes und diverses Ensemble aus neun Frauen und einem Mann strahlt in glanzweissem Haar und
poppigen Kostümen. Sie singen und rezitieren agitatorische Rapper-Songs und teils originale, oft bestürzende Texte. Die großartige Jelena Kulji?, Annette Paulmann und die anderen begeistern Frauen wie (leider wenige) Männer im Publikum. Die Abgründe und Tiefen des tapferen und erbitterten Kampfs der Frauen gegen die toxische patriarchale Macht werden dabei nicht übertönt, sondern bühnentauglich lebendig gemacht. Das Fotostudio Elvira von Anita Augspurg und Sophia Goudstikker, dort, wo heute die Amerikanische Botschaft steht, war die Keimzelle der Bewegung. Der Drache als Fassadenemblem dient dem Stück mit flexibel zusammengesetzten Rampen als Bühne. Mit den Nazis war es bis nach dem Krieg aus mit der Frauenemanzipation. Ein bewegender, dabei höchst vergnüglicher Abend zu einem wichtigen und ungeschmälert aktuellen Thema: „Schaff dir deine Welt, wie du sie schaffst, so ist sie!“ Verdienter Jubel. avs

„Dekalog“ am Residenztheater

Schauspiel von Krzysztof Kieslowski und Krzysztof Piesiewicz
Inszenierung: Calixto Bieito
Premiere am 6. Juni 2021
Dauer: 2 Stunden 15 Minuten, keine Pause

Dekalog / Foto: Birgit Hupfeld

Der „Money Talk“ von AC/DC, geschmettert von der Schauspielerband, ist das kraftvolle Finale eines eher stillen, meditativen Theaterabends über die Zehn Gebote der Bibel. Für das erste Gebot, „Du sollst keine anderen Götter haben“, steht eingangs der Computer als „Gott“. Ein Vater berechnet am PC die Tragfähigkeit des Eises, weil er es gut machen will. Doch der Sohn bricht mit den Schlittschuhen ein und ertrinkt. Unsere von Gefühlen getriebene Entscheidung ist oft falsch, unsere Verantwortung ambivalent. Die Richterin will nicht lügen und rettet gerade damit das jüdische Mädchen nicht vor dem Tod. Ein vielleicht inzestuöser Übergriff wird abgebrochen zum Schutz eines Kindes. Es sind zehn heutige, säkulare Miniaturen, die sich vor einem altarähnlichen, mobilen Kubus auf der Bühne entfalten, auf den Porträtfotos oder auch Mini-Pornos in Schwarzweiß projiziert werden. Dazu die sakralen Gesänge eines Skateboardfahrers. Die Geschichten drehen sich um existenzielle moralische Fragen, um Liebe und Verbrechen, um Richtig und Falsch, Wut und Verzweiflung, Schuld und Trost. Ein reduzierter, menschlicher und nicht provokativer Theaterabend von dem für seine provokante Opernregie bekannten Calixto Bieito. Nach Simons und Rüping eine eher konventionelle und pathetische Theaterfassung des Kieslowski Films aus den 80-er Jahren. Anhaltender Beifall für das große Ensemble. Es ist endlich wieder da, an der Bühnenrampe! avs

„Der Sprung vom Elfenbeinturm“ an den Münchner Kammerspielen

Schauspiel nach Texten von Gisela Elsner
Inszenierung Pinar Karabulut
Premiere am 5. Juni 2021
Dauer: 2 Stunden und 30 Minuten, ohne Pause

Der Sprung vom Elfenbeinturm / Foto: Emma Szabo

Es gilt Gisela Elsner zu entdecken. Die Münchner Schriftstellerin, Feministin und Kommunistin, die sich 1992 das Leben nahm, hinterließ bitterböse Romane und Satiren, die bundesdeutsche Biederkeit und Lebenslügen entlarven, grell, komisch und fast vergessen. Mit einer Revue aus schrillen Figuren in bonbonbunten Phantasiekostümen erweckt Pinar Karabulut die aufmüpfigen Texte zu einem oft grotesken, oft Verstörung hervorrufenden Leben. Gleich im ersten der vier Bilder, die sich auf verschiedene Werke der Elsner beziehen, spielen Kinder, die wie Aufziehpuppen agieren, Nachwuchs-Nazis, die um arisch blaue Glasaugen feilschen und ihr eigenes KZ errichten. Irrsinnig und beklemmend dargestellt von Kammerspiele-Lieblingen wie Annette Paulmann, Stefan Merki, Wiebke Puls, die später turnen, rappen, singen, Interviews führen, einen Wehrdienstverweigerer erschießen, immer den Ewiggestrigen, der deutschen Spießigkeit, den „Tortenfresserinnen“ und der Männergier auf der Spur, am Ende in einem halbstündigen Film. Fesselnd, übervoll und ermunternd, Gisela Elsner zu lesen.  sis

„Who Cares?“ an den Münchner Kammerspielen/ Werkraum

Text und Recherche: Gesine Schmidt
Inszenierung: Christoph Frick
Premiere am 3. Juni 2021
Dauer: 1 Stunde 20 Minuten, keine Pause

Who cares? / Foto: Simon Hegenberg

Am Ende passen die Habseligkeiten in einen Umzugskarton: Hausschuhe, Schnabeltasse, Buch und Foto, wenig mehr. Beklommen sieht man zu, wie der kräftige Martin Weigel Stück um Stück auspackt, sich eine Windel und eine Pyjamahose anzieht und zum hinfälligen Pflegeheimbewohner wird. Wer kümmert sich um Alte und Hilfebedürftige? Lio, Rollin Justin und Pepper vielleicht, Assistenzroboter, die an die Seitenwände der Bühne projiziert werden? Die Tochter jedenfalls muss Karriere machen, in den Urlaub fahren, Serien gucken und zu sich selber finden, wie Johanna Eiworth in einem fulminanten Monolog herausschreit, schließlich ist eine demente, misstrauische Mutter kein Spaß. Gesine Schmidt hat in Heimen, bei der Caritas und anderen Expert*innen recherchiert und in der TU München Gespräche mit den Entwicklern von Pepper und Co. geführt. Aus einem höchst brisanten, aber auch hinlänglich bekannten Thema unserer Gesellschaft gestalten Regisseur Christoph Frick und die beeindruckenden Akteure einen facettenreichen, sensiblen und, ja, unterhaltsamen Abend. Das ist schmerzhaft schön! sis

 

Premieren im Mai

„Der Kreis um die Sonne“ am Residenztheater

Schauspiel von Roland Schimmelpfennig
Inszenierung: Nora Schlocker
Premiere am 29. Mai 2021
Dauer: 1 Stunde 20 Minuten, ohne Pause

Der Kreis um die Sonne / Foto: Birgit Hupfeld

So viele Menschen! Auf der Party in einem riesigen Haus drängen sich die Gäste, ein Fest ohne Abstand. In seinem zweiten Auftragswerk für das Resi (nach „Der Riss durch die Welt“) beschreibt der Dramatiker Roland Schimmelpfennig eine uns fremd gewordene Situation, eine Vor-Corona-Nacht. Regisseurin Nora Schlocker hat in einem minimalistischen Ambiente die Zahl der Anwesenden reduziert. Sieben Schauspieler*innen stellen jetzt 40 Personen dar - oder besser, sie stellen die Leute vor: Anwälte, die über das Recht auf Freiheit diskutieren, einen Kartenabreißer, eine Philologie-Professorin, eine Businessfrau, den Kellner, verschiedenste Berufe, Junge und Alte aus aller Welt. Zu jeder Figur gibt es Live-Momente und erinnerte Sätze und Gesprächsfetzen im Präteritum. Denn das rauschende Fest ist Vergangenheit und eine Krankenschwester, die sich dort in die Gastgeberin verliebt hatte, gestorben. Sie hat sich irgendwo angesteckt, keine Luft mehr bekommen. Tod, Einsamkeit, Angst – all das kursierte schon lange in der (Party-)Gesellschaft wie ein verborgenes Virus. Klug! sis
 

„Die Tragödie des Macbeth“ am Volkstheater

Schauspiel von William Shakespeare
Inszenierung: Philipp Arnold
Premiere am 28. Mai 2021
Dauer: 1 Stunde 45 Minuten, keine Pause

DieTragödie des Macbeth / Foto: Gabriela Neeb

Ein leichter Grusel liegt von Anfang an über dieser Inszenierung: Im dämmrigen Licht treten die Schauspieler auf, ihre Finger sind Klauen, die Gesichter hinter Masken versteckt. Das Aufsetzen einer Krone wird angedeutet – von dämonischer Machtgier werden die Figuren in Shakespeares „Die Tragödie des Macbeth“ (1606) ergriffen. Regisseur Philipp Arnold fügt angenehmerweise nur wenige Regie-Ideen dem Klassiker bei, konzentriert sich auf Shakespeares Sprache und das tolle Spiel seines Ensembles. Inmitten einer kargen Bühnenlandschaft stehen zwei Metallgerüste, die mittels Leinwand auch zur Videoprojektionsfläche werden können. Hier spielt sich die Tragödie düster, ernst und ergreifend ab. Jakob Immervoll spielt ausdrucksvoll General Macbeth, der per Mord zum König von Schottland wird und dem Wahnsinn immer mehr anheimfällt. Immer wieder tauchen die Masken und Krallen auf, bekommen er und Lady Macbeth (Anne Stein) Sätze eingeflüstert. Der Mensch als Spielball äußerer Einflüsse – da mischt sich in die zeitlose Interpretation ein ganz heutiges Unbehagen. mst

„Mehr Schwarz als Lila“ am Residenztheater/ Marstall

Schauspiel von Lena Gorelik
Inszenierung: Daniela Kranz
Uraufführung am 27. Mai 2021
Dauer: 1 Stunde 20 Minuten, keine Pause

Mehr Schwarz als Lila / Foto: Adrienne Meister

So einen Deutschlehrer hätte jede*r gern: unkonventionell, cool, man darf ihn bald Johnny nennen. Der durchaus eitle Referendar (Camill Jammal) zieht die ganze Klasse und vor allem drei Freunde in seinen Bann. Alex, die nur die Farbe Schwarz mag, Ratte, die ihren richtigen Namen nicht mag, und Paul, der Seneca liest und – heimlich – in Alex verliebt ist, die sich jedoch zum Lehrer hingezogen fühlt. Die Schriftstellerin Lena Gorelik hat aus ihrem Roman „Mehr Schwarz als Lila“ ein Theaterstück gemacht, für dessen hinreißende Aufführung in der Regie von Daniela Kranz der Jugendclub des Residenztheaters eine glatte Eins verdient. Im Klassenzimmer des Marstalls, wo auch das Publikum an Schulbänken sitzt, begeistern alle acht Jugendlichen, die mit staunenswerter Professionalität und viel Leidenschaft agieren: Bei ihren Psycho-Spielchen und Mutproben, in ihren unsicheren Gefühlen, beim Diskurs über den Holocaust. Auf einer Fahrt nach Auschwitz kommt es im KZ zu einer fatalen Grenzüberschreitung, danach ist vieles kaputt. Tolles Theater, (nicht nur) für Klassen und junge Leute!  sis
 

„Lear“ an der Bayerischen Staatsoper im Nationaltheater 

Oper von Arbert Reimann
Inszenierung: Christoph Marthaler
Musikalische Leitung: Jukka-Pekka Saraste
Premiere: 23. Mai 2021
Dauer: ca. 3 Stunden Minuten, eine Pause

Lear / Foto: Wilfried Hösl

43 Jahre nach der epochalen Uraufführung mit Dietrich Fischer-Dieskau in der Titelpartie an der Bayerischen Staatsoper fasziniert Christian Gerhaher, sein vielleicht einziger würdiger Nachfolger, sowohl im Bereich von Lied und Oper, als gealteter König Lear, der abtreten und sein Reich aufteilen will. Doch das macht er fatal von verbal geäußerter Liebesbezeugung abhängig – mit katastrophalen Folgen: der Verstoßung der jüngsten Tochter Cordelia, die ihn „wie eine Tochter liebt, nicht mehr, nicht weniger“, und der Bevorzugung von Goneril und Regan, die ihren Vater immer mehr drangsalieren und in Wahnsinn wie tödliche Trauer – um Cordelia! – treiben. Bei Christoph Marthaler und seiner Bühnenbildnerin Anna Viebrock ist Lear ein verschrobener Insektensammler im Naturkundemuseum, alle Figuren des Shakespeare-Stücks gefangen in Schaukästen, aus denen sie kurz befreit und immer wieder dort verwahrt werden. So entsteht erhellende Verfremdung, zumal bis in die letzte kleine Rolle hinein auf Weltklasse-Niveau gesungen und gespielt wird, auch wenn Blechbläser und Schlagwerk pandemiebedingt aus Probenräumen zugespielt werden müssen. Das ist mal kaum, mal schmerzlich deutlich wahrnehmbar.   klk
 

„Erinnerung eines Mädchens“ am Residenztheater/ Marstall

Schauspiel nach dem Roman von Annie Ernaux
Inszenierung: Silvia Costa
Premiere am 21. Mai 2021
Dauer:  1 Stunde 20 Minuten, keine Pause

Erinnerung eines Mädchens / Foto: Sandra Then

Wie hat es sich angefühlt, das Leben mit achtzehn Jahren? Die Sehnsucht und die Naivität eines jungen Mädchens 1958, die Fremdheit des eigenen und anderer Körper? Die Angst, der Sex und die Lust, die Erfahrung von Ohnmacht, Demütigung und Gewalt. Die Einsamkeit und Panik angesichts sozialer Schranken und einer Zukunft, vor der man ratlos steht. Kaum eine lässt uns das so sachlich, so genau und unter die Haut gehend nachspüren wie Annie Ernaux, deren hochgelobter Erfahrungsbericht "Die Jahre" bereits mit Fototableaus und psychologisch subtilen Gedanken arbeitete wie dieser autobiographische Text (deutsch 2018). Drei fulminante Frauen, Sibylle Canonica, Juliane Köhler und Charlotte Schwab, formen die monologische Erzählung in Silvia Costas ästhetischer Inszenierung zum Dreiergespräch. Im Vorraum des Marstalls haben sie in einer Schaukasteninstallation eigene Fundstücke aus ihrer Jugend zusammengetragen. Sieben Frauen stehen beim Schlussvorhang auf der Bühne, das ist sehr passend bei einem sozialpolitisch so brisanten Stoff aus der Zeit lange vor Me Too und weiblicher Emanzipation. avs

„Übergewicht, unwichtig: Unform“ am Münchner Volkstheater

Volksstück von Werner Schwab
Inszenierung: Abdullah Kenan Karaca
Premiere am 20. Mai 2021
Dauer: 1 Stunde 45 Minuten, keine Pause 

Übergewichtig, unwichtig: Unform / Foto: Gabriela Neeb

Man möchte ja meinen, dass ein Wirtshaus ein Ort des gemütlichen Beisammenseins ist. Aber was Vincent Mesnaritsch da an Gaststätte auf die Bühne des Volkstheaters gebaut hat, wirkt mit seinen schmutzigen Wänden und seinem abschüssigen Boden wie ein abgründiges Gruselszenario. Was es auch sein soll: Der österreichische Dramatiker Werner Schwab (1958 – 1994) beleuchtet bevorzugt die dreckigen Seiten der Menschen und lässt in seinem Stück „Übergewicht, unwichtig: Uniform“ ganz griabige Leute auf ein „schönes Paar“ in der Stubn treffen. Rein optisch hebt sich das Paar in Abdullah Kenan Karacas Inszenierung mit seinen blauen Kostümen ab, trinkt Schampus, während Stammgäste wie Hasi, Schweindi oder Fotzi übers Dasein philosophieren und sich in die Haare kriegen. Gegenüber den Edel-Eindringlingen zeigt sich die Bagage aber solidarisch: Mittendrin überwältigen sie das Paar und essen es auf, von Karaca in genüsslichen Horror-Schlaglichtern inszeniert. Das Ensemble zelebriert die Groteske gekonnt und ja, ein bisschen Melancholie durchzieht diesen herrlich bösen Schwab-Abend auch.   mst

„Undine – ein Traumballett“ am Gärtnerplatztheater

Ballett von Karl Alfred Schreiner auf die Sinfonie Nr. 10 von Gustav Mahler
in der Fassung für Kammerorchester von Michelle Castelletti (UA)
Uraufführung am 19. Mai 2021
Dauer: 1 Stunde 20 Minuten, keine Pause

Undine - ein Traumballett / Foto: Marie-Laure Briane

In weichen, ausladenden Bewegungen, wie im Wellengang des Wassers, wiegen sich die Nixen in der vertrauten Körpersprache des Choreographen K. A. Schreiners, dessen hochkarätige Ballettkompanie in blau-glitzernden, fließenden Kostümen die Wasserwelt der Meerjungfrau Undine vergegenwärtigt. Ein bühnentechnischer Trick durch spiegelnde Plexiglaswände vervielfältigt gleichsam Undines heile Welt. Ganz anders nimmt sich die irdische Sphäre aus: Undine, der Sehnsucht nach Neuem verfallen, muss sich anpassen, gehen lernen; die ihr fremden Wesen bewegen sich hektisch, abgehackt, rennen, stoßen sich – und die Glaswände werden durch die hervorragende Lichtgestaltung trennende Elemente. So betont auch das Pas de deux Undines und ihres auserwählten „Erdenmenschen“ weniger das Glück als das Trennende, das sich bei der Rückkehr beider in die Wasserwelt dann auch traurig bewahrheiten wird. Gustav Mahlers 10. Symphonie, deren Macht in der Kammermusik-Fassung leider nicht den nötigen Klangraum findet, begleitet die stets aktuelle Frage nach der Vereinbarkeit verschiedener Welten. Es bleiben schöne  Bilder von Schreiners „Traumballett“.   sl   

„Graf Öderland“ am Residenztheater

Moritat in 12 Bildern von Max Frisch
Inszenierung: Stefan Bachmann
Premiere per Live-Stream am 17. Mai 2021
Dauer: 1 Stunde 35 Minuten, keine Pause

Graf Öderland / Foto: Birgit Hupfeld

Ausrasten! Der biedere Staatsanwalt Martin (Thiemo Strutzenberger) tut's und wird zum Axt schwingenden Mörder. Was treibt ihn an? Ist es der angeklagte Bankbeamte, der "einfach so", aus Langeweile, mordete? Ist es die erratische Revolte, die gegen die Politelite läuft? Ist es die bürgerliche Enge der 50-er Jahre? Geht es um Freiheit und die Angst aller? Martins Triebfeder ist die innere Unruhe und Lebensgier, die Lust an Gewalt und Rausch. Er tötet seine fremdgehende Frau und den Anwalt und verliebt sich in die schöne Coco, das Groupie der Mächtigen. Expressionistisch ausgeleuchtet wie im Stummfilm, stolpern, tänzeln und rutschen die Figuren den Trichter eines riesigen schwarzen Kanalrohrs herab. Düster dräut das Keyboard, man skandiert mal wie bei Rasche und singt wie bei Rammstein, die Staatsmacht versinkt im Umsturz, Kanalratten in der Hand. Oder war doch alles nur ein (Alp-)Traum? Die Moritat in 12 Bildern, Frischs Lieblingsstück, ist eine formal starke und lebendige Koproduktion mit dem Theater Basel. Ein hypnotischer musikalischer Horrortrip, sprachwitzig, surreal und makaber. avs
 

„Teile (Hartes Brot)“ am Residenztheater / Marstall

Schauspiel von Anja Hilling nach Paul Claudel
Inszenierung: Julia Hölscher
Premiere am 15. Mai 2021
Dauer: 1 Stunde, 30 Minuten, keine Pause 

Teile (hartes Brot) / Foto: Sandra Then

Der Kapitalismus ist die neue Religion. „Es werde Licht“, spricht der Lord im „Tempel“ des Marstall und eine Glühbirne erstrahlt. Der Besitzer eines Leuchtenimperiums hält sich für einen modernen Heilsbringer, sein ungeliebter Sohn Louis erledigt die Drecksarbeit und lässt in einer Phosphatmine in Afrika die Leute wie Sklaven schuften: Rohstoff für Europa - und Stoff für eine „Überschreibung“ des Mittelteils „Hartes Brot“ einer Paul Claudel-Trilogie, die der katholische Dichter und Moralist um 1910 verfasst und in der beginnenden Industrialisierung im Frankreich der 1840er-Jahre angesiedelt hat. Autorin Anja Hilling und Regisseurin Julia Hölscher machen daraus das „Sittengemälde“ (Abendzeitung) einer verdorbenen, gierigen und gefühllosen Gesellschaft der Superreichen. Louis und seine Verlobte Lumir fordern auf grell beleuchteter Bühne, zwischen Metallstangen und Plexiglas-Stegen ihr Erbteil, er um einen Spezialbagger zu finanzieren, sie um eine andere, zärtlichere Welt zu erschaffen, unterstützt von Sichel, der Geliebten des Lords. Ein harter Brocken, an dem es einiges zu kauen gibt. sis
 

„Hamlet“ am Residenztheater

Schauspiel von William Shakespeare
Inszenierung: Robert Borgmann
Premiere am 13. Mai 2021
Dauer: 3 Stunden 30 Minuten, eine Pause

Hamlet / Foto: Birgit Hupfeld

Die Welt ist "aus den Fugen" und irrlichtert im Klang- und Nebelgewaber. Lüge, Täuschung und Gewalt herrschen im Land. Der eigene Bruder hat Hamlets Vater ermordet und Dänemarks Thron samt Königin an sich gerissen. Wut und Wahn, Zerstörungslust und Rache treiben den handlungsblockierten Sohn Hamlet (zerbrechlich und facettenreich: Johannes Nussbaum) bis zur Psychose und die zarte Liebe Ophelia (wunderbar: Linda Blümchen) in den Tod. Borgmanns Inszenierung strotzt vor heterogenen Regieeinfällen und grandiosen Bildern. Sie formen die Ambivalenz, Brüchigkeit und Hinfälligkeit von Hamlets Kosmos nach. Starke Eindrücke mit großartiger Lichtregie wie die Nebelszenerie hinter doppelter Gaze zu Anfang, als der unsichtbare Geist des Ermordeten erscheint, wechseln sich ab mit grellen Effekten wie den "Schauspielern" im Krankenhausbett (aha, Theaterlockdown) oder einem riesigen Aufblaselefant im Zuschauerraum (Schein und Sein?) und verweisen auf die zahllosen, schillernden Deutungsmöglichkeiten im Stück. Das ist phantastisch und kreativ, vielschichtig und ironisch. Üppiges, sinnliches Live-Theater nach allzu langer kultureller Schonkost. Ist es auch "Reizüberflutung" (SZ)? So hat es doch Methode (Hamlet). Gerne mehr davon.  avs
 

 

Premieren im März

„Non(n)sens“ am Gärtnerplatztheater

Musical Comedy von Dan Goggin
Musikalische Leitung: Andreas Partilla
Inszenierung: Josef E. Köpplinger
Premiere im Livestream am 31. März 2021
Dauer: 2 Stunden, eine Pause

Non(n)sense / Foto: Marie-Laure Briane

Eigentlich ist der Nonsens (eben ohne das „n“ in der Klammer) absolut konstruiert: Fünf Nonnen sind aus einem New Yorker Kloster übriggeblieben, nachdem ein Mitglied des Konvents eine Fischsuppe kredenzt, an der fast alle Nonnen sterben – hübsch makaber! Vier von ihnen konnten nicht bestattet werden: Das Geld zur Beerdigung fehlt! – Sie sind nun in der Tiefkühltruhe „zwischengelagert“, bis die Verbliebenen durch eine Benefizveranstaltung auf der Bühne des Gärtnerplatztheaters das Beerdigungsgeld „erarbeitet“ haben. Dass dieser Plot, der es am Broadway seit der Uraufführung 1985 auf neun Jahre Laufzeit schaffte, nicht auf das Niveau einer seichten Revue abgleitet, dafür sorgen die teils anrührenden, teils witzigen Nummern, in denen die Nonnen ihren recht skurrilen Weg zu ihrer Berufung erzählen, – denn alle stammen aus absolut nicht zum Kloster führenden Milieus! – sowie Josef E. Köpplingers Texteinrichtung mit aktuellen und auf München bezogenen Textpassagen. Und die fünf „Nonnen“ mitsamt ihrer „Combo“ verwandeln in einem hinreißenden Bühnenbild den Abend mit Unternehmergeist, Witz, Herz und Vitalität zu einer sehenswerten, amüsanten Show.  sl

„Das Medium“ am Gärtnerplatztheater

Oper von Gian Carlo Menotti
Inszenierung: Maximilian Berling
Musikalische Leitung: Andreas Partilla
Premiere per Live-Stream am 26. März 2021
Dauer: 1 Stunde

Das Medium / Foto: Marie-Laure Briane

Diese Kammeroper, von Menotti als Tragödie für Soli und Orchester bezeichnet, hat der Komponist 1974 selbst am Gärtnerplatz inszeniert – es ist Zeit, dieses eindrucksvolle Minidrama wieder in die Erinnerung, also auf die Bühne zu rufen. Die ausgereifte Kameratechnik nimmt den Zuschauer (noch via Bildschirm) mit in die Intimität eines verstaubten Salons (Bühnenbild: Rainer Sinell) zu einer Séance der Madame Flora. Mit etwas Brimborium und Tricks gaukelt sie den Gästen Kontakt mit deren verstorbenen Kindern vor. Ihre zwei jungen Helfer, die Tochter Monica und der stumme Junge Toby, helfen ihr dabei, die Gäste zu täuschen und abzuzocken. Doch plötzlich verstrickt sich Madame Flora nach einem kurzen unheimlichen Erlebnis in Täuschung und Wahnvorstellung. Aus der Scharlatanerie wird ein Krimi. Das subtile Psychogramm der Figuren wird kongenial von der facettenreichen Musik Menottis  untermalt und lässt den Sänger unter der Regie von Maximilian Berling und dem Dirigat von Andreas Partilla den Freiraum, die sie für eine hochexpressive Gestaltung brauchen. „Da erlebt man selbst im kleinen Bühnenformat große Oper“ (TZ). Hoffentlich erleben wir sie bald live!  sl

„Der Rosenkavalier“ an der Bayerischen Staatsoper

Komödie für Musik von Richard Strauss
Inszenierung: Barrie Kosky
Musikalische Leitung: Vladimir Jurowski
Premiere per Live-Stream am 21. März 2021
Dauer: 4 Stunden 30 Minuten, zwei Pausen

Der Rosenkavalier / Foto: Wilfried Hösl

Fast 50 Jahre spielte „Der Rosenkavalier“ an der Bayerischen Staatsoper in schwelgerisch-historisierenden Bühnenbildern von Jürgen Rose, die der Amalienburg im Park von Schloss Nymphenburg nachempfunden waren. Nun schimmern die Wände im ersten Akt viel dunkler silbrig und bewegen sich ständig, während der zweite in einer großen Galerie voller Barockgemälde und der dritte in einem Theater spielt (Bühne: Rufus Didwiszus). Der Rosenkavalier fährt auf die Bühne in einer kitschig-prächtigen silbernen Karosse wie von Ludwig II. Allgegenwärtig ist eine Standuhr und ein fast nackter, geflügelter alter Mann zugleich als Verkörperung der Zeit (Kronos/Chronos), von Shakespeares „Sommernachtstraum“-Puck und dem Liebesgott Cupido. Barrie Kosky schärft in dieser, erstmals ungekürzt in München gespielten „Komödie für Musik“ mit wunderbarem Timing und manchmal herrlicher Situationskomik das Prall-Theatralische ebenso wie er die Travestie auf die Spitze treibt und nicht erst in der Maskerade des dritten Akts die grelle Farce und herrlich operettenhafte Züge entdeckt. Dank der Corona-Abstandregeln im erweiterten Orchestergraben kam Eberhard Klokes ebenso exquisite wie exzellente Bearbeitung der Oper zum Zug. Sie halbiert das Orchester, verschlankt und schärft, erweitert und verdichtet das Klangbild nicht zuletzt, um dem Charakter eines Konversationsstücks gerecht zu werden. Sie setzt bei den 33 Musikern für „Ariadne“ an und lässt Klavier, Harmonium, Celesta und Harfe eine wichtige Rolle spielen. klk

„Wir Schwarzen müssen zusammenhalten – eine Erwiderung“ an den Münchner Kammerspielen 

Eine bayerisch-togoische Zeitreise
Regie: Jan-Christoph Gockel
Premiere per Livestream am 20. März 2021
Dauer: 1 Stunde 30 Minuten, keine Pause

Wir Schwarzen müssen zusammenhalten - eine Erwiderung / Foto: Thomas Aurin

Mit einem raffinierten Mix aus Film, Comic, Puppenspiel, Dokumentation und Live-Theater wird ein dunkles Kapitel Kolonialgeschichte ans Licht geholt: 1884 bis 1914 stand Togo unter deutscher Verwaltung, und 1984 verstieg sich Franz-Josef Strauß bei seiner Reise in die einstige „Musterkolonie“  zu dem Kalauer „Wir Schwarzen müssen zusammenhalten“. Cycy, Zukunftsfrau und archaische Geisterjägerin zugleich (grandios Nancy Mensah-Offei), begibt sich auf die Spur der bayerisch-togoischen Spezlwirtschaft,  die das Bier ins Land und der Rosenheimer Firma Marox saftige Gewinne brachte. Eine kniehohe Strauß-Marionette, ein „Urvieh“, folgt dem „Geruch frisch gedruckter Banknoten“ wie dem Großwild im Ex-Territorium der Deutschen, die dort brutal folterten und medizinische Menschenversuche machten. Doch das Stück beschwört nicht nur die Schatten der Vergangenheit. „Veränderung ist immer ein Akt in der Gegenwart“, sagt Cycy.  Und eine Schauspielerin meldet sich live aus der Hauptstadt Lomé. Corona-Theater, das Raum- und Zeitgrenzen sprengt. Durchaus beeindruckend! sis

„Primadonnen – Die Diven vom Gärtnerplatz“ am Gärtnerplatztheater

Hits aus Oper und Operette, von Mozart und Puccini bis Gilbert und Sullivan mit Mária Celeng, Jennifer O’Loughlin, Camille Schnoor und Judith Spießer und dem Orchester des Staatstheaters am Gärtnerplatz
Musikalische Leitung: Darijan Ivezic
Konzept und Regie: Nicole Claudia Weber
Premiere per Livestream am 13. März 2021
Dauer: 1 Stunde

Primadonnen / Foto: Marie Laure Briane

Nun folgen den „Herzensbrechern“ in Gestalt von fünf Tenören konsequenterweise vier Primadonnen auf die Bühne des gottlob nicht verwaisten Gärtnerplatztheaters! Und das ist wieder beglückend! Mária Celeng, Jennifer O’Laughlin, Camille Schnoor, und Judith Spießer glänzen in einer Gala mit einer klugen Auswahl von Glanznummern vom Barock mit Vivaldi über Mozart, Arien des 19. Jahrhunderts mit Bellini, Dvorak und Meyerbeer und Gounod bis Puccini neben Operettenbeispielen bis zum Musical der Gegenwart. Die sympathischen Diven in ihren schönen roten Abendkleidern teilen sich machmal die Arien, brillieren alleine in Bravourarien, ergänzen sich mit ihren Timbres. Hier kann kein Zickenkrieg aufkommen – jede ist für sich einzigartig – auch Sopran und Koloraturen können wunderbar verschieden klingen! Damit die Aufführung nicht in statischem Rampensingen ermüdet, hat sich die Regisseurin Claudia Weber immer wieder kleine auflockernde Gags einfallen lassen. So ist der Abend ebenso kurzweilig und begeisternd und wir können uns auf diese „Perle des Spielplans“ (AZ) nach Wiederöffnung des Hauses freuen! sl 

 

Premieren im Februar 2021

„Finsternis“ am Residenztheater

Schauspiel von Davide Enia
Inszenierung: Nora Schlocker 
Premiere per Livestream am 20. Februar 2021
Dauer: 1 Stunde ohne Pause

Finsternis / Foto: Residenztheater

Dies ist packendes und zu Herzen gehendes Zoom-Theater, das ohne Bilder auskommt und ohne Pathos und Sentimentalität, aber zu Tränen rührt. Robert Dölle spielt den in Rom lebenden Autor Davide Enia, den der Münchner Autor Albert Ostermaier für eine Reportage über das Flüchtlingsdrama nach Lampedusa schickte. Vor zwei Kameras erzählt Enia, Orangen kochend, aus seiner Küche von der Reise, die sein gewohntes Denken und Agieren außer Kraft setzte. Im Wechsel mit Telefonaten mit seinem geliebten Onkel Beppo, der im Sterben liegt, erlebt er eine "Anlandung". Der Horror, die hilflose Panik und die übermenschliche psychologische und körperliche Überforderung im Kampf um die Rettung oder Bergung der Boat People aus dem finsteren Meer sind ein Schock. Er spricht mit einem Friedhofswärter, einer Pathologin, einem Rettungsschwimmer, einem Fischer. Es enthüllt sich ein Grauen um Folter, Betrug und Mord im Kampf mit dem Überlebenswillen. Am Ende des Monologs steht die mythische Erzählung von der kleinen Phönizierin "Europa", die ein weißer Stier übers Meer trug. Ein Mädchen auf der Flucht: die Geburtsstunde Europas. Eine dichte dramatische Reflexion über Leben, Tod und umanität. Humanität.  avs. 

„Es waren ihrer sechs“ am Residenztheater

Schauspiel nach dem Roman von Alfred Neumann
Inszenierung: Michal Borczuch
Uraufführung per Livestream am 18. Februar 2021
Dauer: 1 Stunde 35 Minuten, keine Pause 

Es waren ihrer sechs / Foto: Wojciech Sobolewski

Natürlich war alles live geplant, für Februar, dem Monat, in dem die Geschwister Scholl vor 78 Jahren hingerichtet wurden. Nun müssen wir uns mit einem „filmischen Inszenierungseinblick“ begnügen, der das Kunststück schafft, eine Probenatmosphäre, wie sie für das Theater typisch sein mag, aufrechtzuerhalten und uns gleichzeitig mit der Kamera ganz nah an das Schicksal von Hans und Sophie heranzurücken. Möller heißt hier die Familie Scholl wie im fiktiven Roman Neumanns aus dem Exil von 1944. Auch Regisseur Borzuch geht frei mit der Vorlage um – beginnend bei der Jugend der Geschwister. Hans noch begeisterter Hitlerjunge, während Sophia „Blutsschwesternschaft“ mit ihrer jüdischen Freundin schließt. Später die erste Flugblattaktion und schließlich die Verhaftung und die letzte Nacht der jungen Studenten in Stadelheim. Dazwischen Regie-Unterbrechungen und Wiederholungen, Fragen der sechs beeindruckenden Schauspieler*innen und immer wieder ein Blick auf unsere Gegenwart: Widerstand heute und der Protest der Jugend. Ungewohnt, überraschend und berührend. sis

„Der Freischütz“ an der Bayerischen Staatsoper/ Nationaltheater

Oper von Carl Maria von Weber
Inszenierung: Dmitri Tcherniakov
Musikalische Leitung: Antonello Manacorda
Premiere per Livestream am 13. Februar 2021
Dauer: 2 Stunden 15 Minuten, keine Pause

Der Freischütz / Foto: Wilfried Hösl

Kein Wald, keine Jäger und keine Erbförsterei: Der pausenlos live ohne Publikum aus dem Nationaltheater gestreamte „Freischütz“ spielt hier ebenso kühn wie schlüssig die Figuren analysierend im Einheitsbühnenbild des Foyers einer Konzernzentrale. Hinter den Bistro-Tischen eine geschwungene holzgetäfelte Wand mit vertikalen Lamellen, durch die man auf Hochhäuser sieht. Dazu mattes Oberlicht an der Decke wie im Museum, das am Ende irreal flackert. Der Probeschuss zu Beginn ist hier die von der Belegschaft höhnisch kommentierte fiese Mutprobe eines Angestellten im Unternehmen des zukünftigen Schwiegervaters, im Original der Erbförster Kuno: Per Zielfernrohr soll Max einen Passanten erschießen! In der „Wolfsschlucht“ aber gießt der traumatisierte Kaspar, dem die Stimme des teuflischen Samiel aus seinem eigenen Kopf dringt – keine Kugeln, sondern zielt mehrfach auf Max. Kein Wunder, dass auch der beinahe durchdreht und am Ende möglicherweise wirklich Agathe erschießt. Ännchen ist hier eiskalte, emanzipierte Karrieristin, die Agathe, wunderbarer Ruhepunkt und Sympathieträgerin, ob ihrer Schwärmerei für Max die Freundschaft kündigt. Und der alles zum Glück wendende Eremit tritt aus der Schar der Kellner als deren Boss. Vorhang zu – und alle Fragen offen! Einen Sieger aber gibt es: die Musik des Corona-bedingt verschlankten Orchesters, das mit der Szene symbiotisch verschmilzt. klk 

„Flüstern in stehenden Zügen“ an den Münchner Kammerspielen 

Schauspiel nach Clemens J. Setz
Inszenierung: Visar Morina
Premiere per Livestream am 7. Februar 2021
Dauer: 1 Stunde, keine Pause

Flüstern in stehenden Zügen / Foto: Katarina Sopcic

Die realen Kontakte sind auf Sparflamme. Gut, dass es auch digitale Ansprechpartner gibt. Der junge Bekim Latifi, kürzlich vom Hamburger Thalia Theater an die Kammerspiele gewechselt, telefoniert als C mit menschlichen Bots, die irgendwo in der Welt der unseriösen Hotlines arbeiten. C sucht den persönlichen Kontakt, den echten Gesprächspartner und landet in redundanten Schleifen. Am anderen Ende der Verbindung melden sich erfundene Namen und Fake-Arbeitsplätze. C tischt gleichfalls Lügen auf, erfindet pseudo-persönliche Erlebnisse und schlimme Erfahrungen. Die Callcenter sind aufs Phishing aus, wollen mit Drohungen seine Kontodaten und promptes Geld herauspressen, bei Widerstand bricht der Kontakt ab. C turnt im orangenen Shortyanzug akrobatisch an einer Hängeschaukel herum, rollt über den Boden. Mit knallgelber Spannfolie ausgekleidet ist seine einsame "Echokammer". Der Filmemacher-Regisseur Visar Morina hat den Livestream-Theaterfilm inszeniert, der die kommunikative Leere des sympathisch-neurotischen Tech-Nerds im Mittelpunkt fühlbar macht. Verstörend, erhellend. avs

 

Premieren im Januar 2021

„50 Mal Lenz “ am Residenztheater

Zoom-Monolog nach der Novelle von Georg Büchner
Inszenierung: Gernot Grünewald
Premiere per Livestream am 26. Januar 2021
Dauer: 45 Minuten, keine Pause

50 Mal Lenz / Foto: Residenztheater

Eine junge Frau, ein grandioser Text und eine Klaustrophobie-Zelle mit Krankenpritsche fügen sich hier zu einem packenden Lockdown-Theatererlebnis. Die fulminante Lisa Stiegler schafft es, uns Büchners berühmtes Psychodrama vom Dichter Jakob Lenz direkt unter die Haut zu applizieren. Lenz flieht auf Sinnsuche in den Winterwald, wird Stück um Stück wahnsinnig. Das Außen und die Natur sind ein Reflex seiner Seele. Lenz denkt in bipolaren Schüben nach über Gott und die Literatur, den Tod und den Idealismus. Lisa Stiegler, in Hemd und Jogginghose, setzt die innere Spannung, Angst und Trauer, die schnellen Wechsel zu Sanftmut und Glück um in Bewegung. Sie schält sich aus dem Hemd, tanzt und tobt, träumt und halluziniert, sie wirft sich längs auf die Matratze, klettert zum Fenster und schaut uns so suggestiv ins (Kamera-)Auge, dass wir fast vergessen, dass alles nur digital ist. Nur je fünf Zuschauer sind in 50 Vorstellungen per Zoom live dabei und können nachher miteinander sprechen. Ein Lichtblick in kulturarmer Zeit. avs

„Jeeps – Behind the Scenes“ an den Münchner Kammerspielen

Schauspiel von Nora Abdel-Maksoud
Inszenierung: Nora Abdel-Maksoud
Tischprobe im Livestream am 23. Januar 2021
Dauer: 1 Stunde, 30 Minuten

Enterbt werden kann erstaunlich lustig sein. Jedenfalls wenn die grandiose Gro Swantje Kohlhoff als Silke, Designerin für „Laptops in Lederhosen“, alle Register und einen Fernzünder zieht, um noch an die Hinterlassenschaft ihres Vaters zu gelangen. Eine Erbrechtsreform hat nämlich die Nachkommen vermögender Eltern in eine missliche Lage gebracht: Jede Erbschaft geht an den Staat, der sie dann verlost. Und ausgerechnet das Jobcenter in Person von Gabor und Armin soll Lottofee spielen. Welten prallen aufeinander, hier die Amtsbürokratie, dort die gescheiterte Autorin Maude, deren Erlös vom Pfandflaschensammeln von ihrer Grundsicherung abgezogen wurde, und davor die Warteschlange der Yuppies. Die soziale Ungleichheit – bis zu 400 Milliarden Euro werden jährlich in Deutschland vererbt – erfährt in der  rasanten, rabenschwarzen Komödie der Münchnerin Nora Abdel-Maksoud eine satirische Zuspitzung, die niemanden schont. Derzeit ist der Schlagabtausch der an Einzeltischen sitzenden, gut gelaunten Akteure nur digital als Probenszenario zu sehen. Wir hoffen aber: Bald live! sis
 

„Niemand wartet auf dich“ am Residenztheater

Zoom-Monolog von Lot Vekemans
Inszenierung: Daniela Kranz
Premiere per Livestream am 22. Januar 2021
Dauer: 1 Stunde, keine Pause

Niemand wartet auf dich / Foto: Adrienne Meister

Auf der kargen Bühne im Seminarraum-Look wechselt Juliane Köhler Kleider, Frisuren und Make-up. Sie schlüpft nacheinander in drei Frauenfiguren und spricht ins Kameraauge. Im grauen Wollrock ist sie die 85-jährige Ex-Lehrerin Gerda. Selbstverantwortung heißt für sie, dass man selbst aktiv wird. Sie engagiert sich in ihrem kleinräumigen Alltag, indem sie den Müll von der Straße wegräumt. Mit langer schwarzer Perücke und Business-Hosenanzug angetan, stylt sich Köhler dann zur Politikerin, die nach 30 Jahren ihr Mandat aufgibt. Sie hat es satt, den Menschen kaum mehr als illusionäre Versprechungen zu geben. Im Jogginganzug stellt sich schließlich die Schauspielerin die Frage, was sie bewirken kann mit ihrer anstrengenden Darstellerkunst. Der niederländischen Dramatikerin Lot Vekemans, die an den Kammerspielen mit Johan Simons' Inszenierung des Jesusverräters "Judas" bekannt wurde, geht es in diesem dreifachen Ich-Gespräch um politische Verantwortung und Engagement, um Entschlusskraft und Schuldgefühle. Was können wir Konkretes bewegen in unserer Wirklichkeit? Ist das eine Frage, so Vekemans implizit, die gerade für Frauen die Selbstwahrnehmung bestimmt? Die Inszenierung des feinfühligen und emphatischen Textes kann an Strahlkraft gewinnen, wenn die Regie die Monologe künftig entschiedener mit den Mitteln des digitalen Theaters (Nähe und Abstand, wechselnde Perspektive und Kamerabewegung) ausleuchtet. avs.

„Gespenster – Erika, Klaus und der Zauberer“ an den Münchner Kammerspielen

Schauspiel vom Theaterkollektiv Raum + Zeit
Text: Lothar Kittstein; Regie: Bernhard Mikeska
Premiere per Livestream am 20. Januar 2021
Dauer: 1 Stunde 15 Minuten, keine Pause

Gespenster – Erika, Klaus und der Zauberer / Foto: Heinz Holzmann

Ärger im Hause Mann: Eine glatzköpfige Erika, kurz vor ihrem Tod 1969, schimpft auf den Besuch, der die Ruhe im Familiendomizil in Kilchberg stört. Es kommen ihr Alter Ego, die junge Erika, und der geliebte Bruder Klaus. Die einstige Schauspielerin ist zur verbitterten Privatsekretärin des berühmten Vaters, des „Zauberers“, geworden. Vergangenes und Gegenwärtiges, Erfundenes und Reales verweben sich in dieser Seelenschau einer außergewöhnlichen Familie. Jede/jeder bewohnt einen Glaskubus, umkreist von Kameras, und je nachdem, ob man sich für Tribüne A oder B entschieden hat, läuft das Traumspiel in anderer Reihenfolge ab. Ereignisse, um der Familienaufstellung zu folgen: 1911 schreibt Thomas Mann „Tod in Venedig“, später von Visconti verfilmt. Sind es nun Tadzio und Aschenbach oder Vater und Sohn, die sich in einer Szene lüstern anmachen? Angespielt wird auch auf die enge Beziehung von Erika und Klaus, zu der Klaus – er begeht 1949 Selbstmord in Cannes - den Kammerspiele-Misserfolg von 1930 „Geschwister“ verfasst hat. Raffiniert gedacht und gemacht! sis

„9/26 – Das Oktoberfestattentat“ an den Münchner Kammerspielen

Schauspiel von Christine Umpfenbach
Inszenierung: Christine Umpfenbach
Premiere per Livestream  am 16. Januar 2021
Dauer: 1 Stunde 30 Minuten 

9/26 - Das Oktoberfestattentat / Foto: Julian Baumann

Die Überlebenden haben das Wort. In ihrem Doku-Drama zeigt Christine Umpfenbach, wie schon in ihrem NSU-Projekt, den ignoranten Umgang mit rechtem Terror. Das Stück ist akribisch recherchiert und wird von Stefan Merki und fünf AbsolventInnen der Falckenbergschule aus der Opferperspektive erzählt. Vorhänge mit Wiesn-Bildern und Luftballons erinnern an den 26.9.1980, als am Haupteingang des Oktoberfests in einem Mülleimer eine Bombe detonierte und 13 Menschen in den Tod riss. Mehr als 200 wurden verletzt, oft mit bleibenden Folgen an Körper und Seele, wie ein damals 12-Jähriger, der zwei Geschwister verlor, oder ein Jugendlicher, frisch verliebt in „Gabi“, dem beide Beine amputiert werden mussten. Ihr Schicksal samt ihrem zermürbendem Kampf mit den Behörden rückt beklemmend nah, doch noch mehr verstört, dass am nächsten Tag das Fest weiterging, Beweise vernichtet und die schlampigen Ermittlungen bald eingestellt wurden. Erst 2014 wurden die Geschehnisse neu aufgerollt und bewertet und die bequeme These vom Einzeltäter revidiert. Ein Pflichtprogramm in Zeitgeschichte! sis

„Borderline“ am Residenztheater

Doku-Fiktion von Jürgen Berger
Inszenierung: Kyungsung Lee
Premiere per Livestream am 15. Januar 2021
Dauer: 2 Stunden, keine Pause

Borderline / Foto: Judith Buss

Grenzen überschreiten, wer will das nicht! Wie fühlt es sich an, wenn man als Kind voller Entdeckerfreude kommt, oder aber als unerwünschte junge Frau? Zu Wort kommen in dieser spannenden Doku-Fiktion System-Springer zwischen Ex-DDR und Westdeutschland, zwischen kommunistischem Nord- und Südkorea und Geflüchtete aus dem Nahen Osten und Afrika. Da erzählt Ben, der aus einem nordkoreanischen Kinderstraflager nach Seoul zum Studium kam und nach zehn Jahren noch immer keine Heimat gefunden hat. Es geht um Konkurrenzdruck und Kulturschock, um Stress und den radikalen Paradigmenwechsel zwischen unvereinbaren Ideologien und Wirtschaftssystemen, um die Sehnsucht nach Mitmenschlichkeit. Starke, anrührende Momentaufnahmen faszinieren, wie die von dem alten Mann, der Steine mit den Namen von ertrunkenen Boatpeople graviert, oder der Schlusstanz, in dem die Darsteller erst zögernd, dann fröhlich über vorgestellte "Grenzen" am Boden springen. Wegen der Corona-Krise wird das Stück per Videozuschaltung aufgeführt, mit Resi-Schauspieler Florian Jahr und koreanischen Darstellern. Die Koproduktion von Residenztheater, Creative Va Qi und der Producer Group DOT aus Südkorea klopft sensibel und vielfältig ab, wie es ist, wenn man Neuland betritt und nicht zurück kann, wenn man auf Misstrauen trifft und sich verstellen muss aus Angst vor Diskriminierung. Bewegend, Mut machend. avs

 

Premieren im Dezember 2020

„Marienplatz“ am Residenztheater

Schauspiel von Beniamin M. Bukowski,
Inszenierung András Dömötör
Uraufführung per Livestream am 20. Dezember 2020
Dauer: 1 Stunde 30 Minuten, keine Pause

Marienplatz / Foto: Sandra Then

Die Akteure stehen in weihnachtlich dekorierten Buden und spielen kleine Melodien auf bunten Kinder-Xylophonen, von hinten blickt Maria, Patrona Bavariae, auf die Szenerie: München im Advent. Doch die Idylle trügt. Um fünf Uhr morgens im Mai 2017 hat sich mitten auf dem leeren Marienplatz ein Mann verbrannt. Seine Identität ist bis heute ungeklärt, auf seinem Auto standen zwei politische Sätze geschrieben, die nicht zusammenpassen. Was hat den Unbekannten angetrieben? Und warum ist seine Selbstverbrennung im Gedächtnis der Stadt wie ausgelöscht? Sechs Schauspieler*innen begeben sich in wechselnden Rollen auf die Spurensuche, denn – so Bukowskis Idee – ein Autor aus Polen (wie er selber) braucht Stoff für ein Stück, das am Resi aufgeführt werden soll. Als Zuschauer amüsiert man sich über das Lokalkolorit oder über Gott auf der Psycho-Couch und schaudert vor dem detailliert geschilderten Feuertod. Viel klüger fühlt man sich nach eineinhalb Stream-Stunden nicht. Ein Satz aber bleibt haften: „Sein heißt wahrgenommen werden“ – zum Weiterdenken geeignet. sis

„The Digital Assembly / Die Versammlung“ an den Münchner Kammerspielen

Von Alex Ivanovici, Annabel Soutar und Brett Watson
in Kooperation mit Porte Parole 
Inszenierung: Chris Abraham, Verena Regensburger
Premiere per Livestream am 15. Dezember 2020

The Digital Assembley/ Die Versammlung / Foto: Tanja Kernweiss

Kann man, soll man mit Rechten reden? Vier Münchner diskutieren beim Abendessen. Wie Pingpongbälle knallen die Vorurteile und Lebenserfahrungen aufeinander, die Klischees und wechselseitigen Vorwürfe. Antisemitismus und Antiislam, Geschlechter-Ungerechtigkeit und Rassismus, sprachliche Diskriminierung und Filterblasen. Da sitzen die junge Anarchistin Katja (Zeynep Bozbay) und die Ex-CSU-Politikerin Siegried (Edmund Telgenkämper), der meinungsstarke Can (Nancy Mensah-Offei) und die zurückhaltende Migrantin Zuhal (Jelena Kuljic), beide mit türkischen Wurzeln. Annette Paulmann und Wiebke Puls spielen die Moderatorinnen. Man verfasst gemeinsam einen Brief an einen AfD-Sympathisanten, der gegen Flüchtlinge, den Islam und Fridays for Future ist, aber auch gegen den Antisemitismus. Kommt ein produktives Gespräch in Gang, kann man sich gegenseitig öffnen, erreichen? Nach der digitalen Performance kommen Zuschauer per Zoom zu Wort, am Ende resümieren die Moderatorinnen ihr Scheitern. Spannend, ein vielversprechendes Doku-Drama-Format unter der neuen Intendantin Mundel, das im März entstand und nun für den Lockdown als digitales Re-Enactment gezeigt wird. Wir wünschen uns Weiterentwicklung und Vertiefung!  avs

„Der Vetter aus Dingsda“ am Gärtnerplatztheater

Operette von Eduard Künneke
in reduzierter Orchesterfassung von Andreas Kowalewitz
Inszenierung: Lukas Wachernig
Musikalische Leitung: Andreas Kowalewitz
Premiere per Livestream am 17. Dezember 2020
Dauer: 1 Stunde 45 Minuten, eine Pause

Der Vetter aus Dingsda / Foto: Christian Pogo Zach

Der Vorhang geht auf, man fühlt sich perfekt in die Hoch-Zeit von Barbie versetzt! Die von Lukas Wachernig inszenierte und in die 1960er Jahre versetzte Revue-Operette aus dem Jahr 1921 passt gut in diese Zeit, die schrillen Kostüme und Ausstattung von Karl Fehringer, Judith Leikauf und Dagmar Morell illustrieren dies mit verspieltem Hang zur Übertreibung. Das Milieu von „Neureichs“ mit dem minderjährigem Mündel Julia lebt vom Klischee, auch die Suche nach einem würdigen Schwiegersohn für Julia passt dazu. Nur, diese ergeht sich immer noch in Träumereien von ihrem Jugendschwarm, der nach „Dingsda“ auswanderte, und diese Treue nährt sie einzig von der „Konversation“ mit dem Mond. Der kritische Humor des Koautors Rideamus („Lasst uns lachen“) blitzt immer wieder im Text heraus, vor allem, als „zufällig“ mehrere Anwärter für Julia auf den Plan treten, was zu Komplikationen und Gefühlsverwirrung führt. Regie und Choreographie lassen die „Puppen“ mit viel kleinen Gags tüchtig tanzen und singen und zeichnen dabei die Charaktere der Personen stimmig nach. Dazu begleitet das „Salonorchester“ spritzig die Künneke-Hits. Ein entspannendes Vergnügen!  sl

„Anna Bolena“ am Gärtnerplatztheater

Oper von Gaetano Donizetti
Halbszenische Aufführung
in einer reduzierten Orchesterfassung von Tony Burke
Inszenierung: Maximilian Berling
Musikalische Leitung: Howard Arman
Premiere im Livestream am 4. Dezember 2020
Dauer: ca. 3 Stunden, eine Pause

Anna Bolena / Foto: Marie-Laure Briane

Machtstreben und Intrigen, wankelmütige und inbrünstige Liebe mit tödlicher Folge – das gab es auch schon am Hofe Heinrichs VIII. im England um 1536: Anna Bolena, die zweite Frau des Königs, muss einer Konkurrentin, Jean Seymour, weichen – dem König sind alle Mittel dazu recht. Dieses Szenario wird in Donizettis großartiger Belcanto-Oper mit Spannung thematisiert. Diese liegt im Wechselspiel der Dialoge, auch der Chor hat als „Volk“ einen wichtigen Part. So ist die Entscheidung des Regisseurs Maximilian Berling, die Oper semikonzertant auf die Bühne zu bringen, durchaus schlüssig. Die schwarzen, stilisiert elisabethanischen Kostüme (Inge Schäffner) und das Bühnenbild sind schlicht, das geschickt eingesetzte Requisit der allmächtigen Krone und die Videoproduktionen im Hintergrund spiegeln die Stimmungslage der Handlung perfekt wider. Selbst die Notenpulte der werden zu Teilen der Choreographie. Die brillanten Sängerinnen und Sänger haben alle Möglichkeiten, Stimme und Emotionen trotz (oder wegen) der Minimalbesetzung des Orchesters (Leitung: Howard Arman) grandios zu entfalten. Freuen wir uns auf das echte Bühnenerlebnis – und dann schnell Karten besorgen!   sl
 

„Falstaff“ an der Bayerischen Staatsoper/ Nationaltheater

Oper von Giuseppe Verdi
Inszenierung: Mateja Koležnik
Musikalische Leitung: Michele Mariotti
Premiere per Livestream am 2. Dezember 2020

Falstaff / Foto: Wilfried Hösl

Hoffentlich bleibt dieses Ende unverändert: Wenn die berühmte Schlussfuge einsetzt („Tutto nel mondo e burla – Alles in der Welt ist Posse und wir sind die Gefoppten“), gerinnt der Bildschirm zuhause plötzlich zur Videoschalte in Schwarzweiß und die Köpfe der Protagonisten plus Dirigent ohne Schminke! Der Ton kommt vom Band, die Kamera zoomt in die Totale und das Bühnenbild (Raimund Orfeo Voigt) wird wieder zur Gänze sichtbar. Es besteht aus hohen Holztüren eines Hotel-Casinos, die sich oft geisterhaft vervielfacht zur Seite bewegen. Um den Bildschirm herum tauchen Choristen und die Solisten auf. Sie tragen Mundschutz und singen ebenso wenig, wie die Musiker spielen, die im überbauten und ins Parkett gezogenen Orchester-„Graben“ stehen und ihre Instrumenten in der Hand halten, während die Musik aus imaginären Lautsprechern krächzt! Zwei schöne Stunden vor diesem verstörenden Moment hatte man jedoch irren Spaß an den extravaganten Kostümen (Anna Savi?-Gecan) und einem rasanten Türauf / Türzu, das einer veritablen Screwball Comedy alle Ehre machte. Falstaff ist da genauso elegant aufgetakelt neureich wie alle um ihn herum. kk

Falstaff / Foto: Wilfried Hösl

„Superspreader“ am Residenztheater

Monolog von Albert Ostermaier
Inszenierung: Nora Schlocker
Premiere per Livestream am 1. Dezember 2020
Dauer: 1 Stunde, keine Pause

Superspreader / Foto: Residenztheater

Das ist "ansteckend" furioses Monolog-Theater, im Lockdown-Modus gedichtet vom Münchner Sprachkünstler-Autor Albert Ostermeier. Ist Marcel (Florian Jahr), der da in seinem tristen Isolationskabuff ins Kameraauge spricht, nun Marcel, der zynische Unternehmensberater, der im globalen Hyperkapitalismus-Rausch schwelgt? Oder ist er das (der) Virus selbst? Egal, Pandemien sind doch beide, beide haben ihre "Kollateralschäden". Der wuchtige Rundumschlag irrlichtert in rastlosen dystopischen Assoziationen. Fiebrige Sprachkatarakte führen uns auf den Weg von infektiösen Schlachthöfen zu fernöstlichen Fressmärkten mit seltsamem Getier, von frühkindlichen Demütigungen und Beschädigungen der Hauptfigur zu ökonomischen Allmachts-Phantasien eines Wirtschafts-Superstars bis hin zu Szenarien religiöser Apokalypse und Helden- und Rachevisionen aus dem Science-Fiction-Kino. Von Nora Schlocker binnen einer Woche inszeniert, können 15 angemeldete Zuschauer per Zoom mitwirken - wenn sie wollen. Eine düstere Tour de Force durch unsere hautnah erlebte Gegenwart, auch ästhetisch am Puls der Zeit. avs

 

Premieren im Oktober 2020

„Die Vögel“ an der Bayerischen Staatsoper/ Nationaltheater 

Oper von Walter Braunfels
Inszenierung: Frank Castorf
Musikalische Leitung: Ingo Metzmacher
Premiere per Livestream am 30. Oktober 2020

Die Vögel / Foto: Wilfried Hösl

Vor 100 Jahren wurden Walter Braunfels‘ „Die Vögel“ nach der Münchner Uraufführung ein Welterfolg. Im „lyrisch-phantastischen Spiel“ frei nach Aristophanes aus dem Jahr 414 v. Chr. treiben Vögel zwischen Göttern und Menschen einen Keil, indem sie eine mächtige Festung errichten, doch der eifersüchtige Zeus zerstört die Vogelstadt. Einzig Hoffegut, ein Mensch, erinnert sich am Ende selig seiner erotischen Begegnung mit einer Nachtigall, gesungen von einem famosen Koloratursopran. Dank corona-bedingt reduzierter Streicher-Besetzung klingt die spätromantisch üppig aufrauschende Musik unter Metzmacher zwar immer noch opalisierend melodiös, aber oft gläsern durchsichtig. Umso üppiger stattet Kostümbildnerin Adriana Braga Peretzki die Darsteller*innen von Wiedehopf, Nachtigall, Adler oder Flamingo aus. Die (Dreh-)Bühne von Aleksandar Deni? wirkt im zweiten Teil – auch Dank des Lichts – weniger überladen. Zumindest musikalisch ist die Produktion ein feines Geschenk zum runden Geburtstag. kk

„Dantons Tod“ am Residenztheater

Schauspiel von Georg Büchner
Inszenierung: Sebastian Baumgarten
Premiere am 30. Oktober 2020
Dauer: 2 Std. 30 Min., keine Pause

Dantons Tod / Foto: Sandra Then

Die Zombies der Revolution: Mit verlotterten Gestalten und dröhnenden Klangkompositionen, in düsteren Bildern und stummen Schwarz-Weiß-Videos zeigt Sebastian Baumgarten, der erstmals in München inszeniert, das Scheitern der Ideale von 1789. Fünf Jahre danach geistern die Jakobiner wie Untote über die Bühne, ihre Bewegungen erinnern an Marionetten und aus den Weingläsern von Danton (Felix von Manteuffel) und Robespierre (Lukas Rüppel) rieselt der Staub. Im Gerippe eines alten Bankgebäudes schreiben und debattieren Dantons Gefährten und im heruntergekommenen (Hör)-Saal des Wohlfahrtsausschusses, in dem ein Roboterarm ständig Blut verwischt, wird Robespierres „Tugend durch Terror“ proklamiert. Von oben grüßt ein zwinkernder Lenin. Zwischen die Szenen sind überdimensionale Filmsequenzen von Demonstrationen, Straßenschlachten und Aufständen montiert. Doch das Volk spielt keine Rolle. Sein einstiger Held Danton, Gegenspieler Robespierres, pflegt seine Melancholie und Todessehnsucht. Eine lebhafte und anregende Bilder- und Gedankenflut!  sis
 

„Herkunft“ am Münchner Volkstheater

Schauspiel nach dem Roman von Saša Stanišic
Inszenierung: Felix Hafner
Premiere am 22. Oktober 2020
Dauer: 1 Stunde 30 Minuten, keine Pause

Herkunft / Foto: Gabriela Neeb

Woher man kommt, steht eigentlich in der Geburtsurkunde, aber ein Mensch hat viele Ursprünge. Es wundert daher nicht, dass gleich sechs Schauspieler*innen auf der Bühne des Volkstheaters stehen, um den mit dem Deutschen Buchpreis 2019 ausgezeichneten Lebensbericht „Herkunft“ von Saša Staniši? in eine Mischung aus erzählten Anekdoten und gespielten Szenen zu verwandeln. Jede und jeder kann mal Staniši? sein, aber auch dessen Großmutter Kristina. Deren Demenz war für den Autor Anlass, in seinen eigenen Erinnerungen zu kramen, von seiner Geburt in der Kleinstadt Višegrad über die Flucht mit der Familie nach Ausbruch des Jugoslawienkriegs Richtung Heidelberg bis hin zur Gegenwart, die er vor allem in Hamburg verbringt. Das Ensemble springt in Felix Hafners klug ausgetüftelter Inszenierung zwischen den Zeiten hin und her, belebt die Bühne, in der zwei Kuben als Gedächtnisräume dienen, mit großartiger spielerischer, auch tänzerischer Energie. Zuletzt würfeln sie aus, welches von sechs Enden sie spielen werden. Der Zufall entscheidet, wie so oft im Leben. mst

„Liebe. Eine argumentative Übung“ an den Münchner Kammerspielen

Schauspiel von Sivan Ben Yishai
Inszenierung: Heike M. Goetze
Premiere am 18. Oktober 2020
Dauer: 2 Stunden, keine Pause 

Liebe / Foto: Judith Busse

Eine Frau sitzt vor ihrem rosa beleuchteten Haus, Blumenkästen, Rasenmäher, Spießigkeit. Zehn Minuten später bewegt sie sich nackt fast eine Stunde lang tänzerisch und turnerisch auf der Bühne, den eigenen Körper betastend, entdeckend, womöglich ablehnend. Johanna Eiworth spielt in dem von Regisseurin Heike M. Goetze auf eine Person reduzierten Stück der israelischen, in Berlin lebenden, feministischen Autorin Sivan Ben Yishai das „Girlfriend“ des Comic-Helden Popeye, die Romanschriftstellerin Olivia Öl. Gleichzeitig läuft oben am Haus unaufhörlich ein Schriftband mit der Geschichte und der Gefühlslage der beiden. Eigentlich mag Olivia es gern romantisch, will dass der Muskelprotz den Arm um sie legt und sie küsst, andererseits möchte sie seine Zunge auch ganz woanders, was aber doch wiederum ekelig und geruchsintensiv ist. Das schreit sie im zweiten Teil in einer gelesenen, dann auswendig vorgetragenen Suada heraus, in der sie auch von ihren Sex-Beutezügen auf den Straßen und am Ende vom Besuch bei der Gynäkologin erzählt. Schon eine sehr spezielle Sache! sis

„Eine Jugend in Deutschland“ an den Münchner Kammerspielen

Schauspiel nach dem Roman von Ernst Toller
Inszenierung: Jan-Christoph Gockel
Premiere am 16. Oktober 2020
Dauer: 3 Stunden und 30 Minuten, eine Pause

Eine Jugend in Deutschland / Foto: Francesco Giordano

Alles auf einmal: Filmsequenzen und Live-Videos, Märchen, Komödie, neun Schauspieler und neun wunderbare Puppen (von Michael Pietsch). Das ergibt eine hinreißende und anregende Revue, expressionistisch und politisch, skurril und voller Ernst. Passend zum Dichter und Revolutionär, zum Träumer und Pazifisten Ernst Toller, der nach der Ermordung Kurt Eisners eine führende Rolle in der Räterepublik spielte, die 1918 die Monarchie gestürzt hat, demokratische Rechte einforderte und den Freistaat gründete. In sechs Teilen wirbelt Regisseur Gockel durch das Leben Tollers und seine Zeit, die auch, wie es einmal heißt, „jetzt“ sein könnte. Er lässt sich inspirieren von der 1933 erschienenen Romanbiographie „Eine Jugend in Deutschland“ und den fast vergessenen Dramen. Schon der Anfang nimmt gefangen: Eine Puppen-Schulklasse wächst auf im Drill der Kaiserzeit und zieht begeistert in den Ersten Weltkrieg. Danach: Abgeschlagene Gliedmaßen und die Hoffnung auf eine bessere Welt, die jedoch rasch zunichte gemacht wird. Ein langer, kurzweiliger und kluger Abend. sis

„Ich bin's Frank“ an den Münchner Kammerspielen

Ein Projekt von und mit Julia Häusermann u.a.
Uraufführung am 10. Oktober 2020
Dauer: 1 Stunde 10 Minuten, keinePause

Ich bin's Frank / Foto: Gina Bolle

Die neue Intendantin der Münchner Kammerspiele, Barbara Mundel, setzt starke neue Akzente im Programm. Zu Mundels Linie gehören feministische Themen und die Weiterführung projekthafter Inszenierungen wie schon bei Lilienthal und – das ist neu – die Arbeit mit Künstlerinnen und Künstlern mit mehrheitlich kognitiver Beeinträchtigung wie bei diesem Stück. Im Zentrum der schwungvollen, einfallsreichen und witzigen Soloperformance „Ich bin's Frank“ steht Julia Häusermann, eine fröhliche junge Frau in bunten Shirts und Leggings mit Trisomie 21. Vor einem Videoprospekt aus Naturformationen entfaltet die mehrfach ausgezeichnete Schauspielerin ein lebhaftes Unterhaltungsprogramm aus Liedern und Tanz. Populäre Songs aus TV-Soaps wie „Verbotene Liebe“ (daher ihre Figur „Frank“) und Schlager wie DJ Ötzis „Geboren, dich zu lieben“ sind die Fixpunkte ihrer spielerischen Welt. Ein neonbeleuchteter Reifrock aus Draht dient ihr als Ziel einer gesungenen Liebeserklärung. Sie kokettiert mit dem sichtlich angetanen Publikum. Das Stück „gehört zum Wundervollsten, was man auf dem Theater erleben kann“, schreibt die SZ. Berührend, faszinierend und erfrischend!  avs
 

„Einer gegen Alle“ am Residenztheater

Schauspiel frei nach dem Roman von Oskar Maria Graf
Inszenierung: Alexander Eisenach
Premiere am 9. Oktober 2020
Dauer: 1 Stunde 45 Minuten, keine Pause

Einer gegen alle / Foto: Birgit Hupfeld

Es sind die 20-er Jahre des vorigen Jahrhunderts, die Revolution ist blutig gescheitert. Der Bauernsohn Girgl, Deserteur und obdachloser Streuner, findet seine Identität auch im Frieden nicht wieder. Drei platinblonde Hünen in schwarzer Glitzerrobe zupfen eingangs die Harfe und singen von den Schäden und Brüchen, die der eben vergangene Erste Weltkrieg in Körper und Psyche, in Gesellschaft und Moral angerichtet hat. Sie sind im Rollentausch mal Radikale der linken Räterepublik, mal deren Gegner, reaktionäre Antikommunisten, die die Weimarer Republik bilden. Es herrschen Gewalt und Orientierungslosigkeit, zwischen Monarchie und Faschismus regiert der "Be-schissmus". Videosoaps und Kalauereffekte, wie die von fränkischen "Räubern" mit bemalten Coronamasken im Otto-Dix-Stil, setzen komische Akzente. Nach Bankraub und Mord bleibt Girgl, dem Alter Ego Oskar Maria Grafs, als "beste Lösung", sich an seinen bayerischen Hosenträgern zu erhängen.  Eine bittere, universelle Anklage gegen den Krieg, ideenreich und kraftvoll.   avs
 

„Touch“ in den Münchner Kammerspielen

Schauspiel von Falk Richter
Inszenierung: Falk Richter
Choreographie: Anouk van Dijk
Premiere am 8. Oktober 2020
Dauer: 2 Stunden, keine Pause

Touch / Foto: Sigrid Reinichs

Aktueller geht’s nicht: Ensemblemitglieder von Neu-Intendantin Barbara Mundel und Künstler aus der Compagnie der Niederländerin van Dijk spielen, tanzen und singen vom Corona-Lockdown, von depressiven Gefühlen und berührungsfreien Situationen. So gerät die Uraufführung „Touch“, für die Hausregisseur Falk Richter ein Pandemie-Tagebuch geführt hat, zu einem unterhaltsamen Potpourri, in dem auf Eisschollen und in Glashäusern die Unmöglichkeit der Nähe, die in der digitalen Welt schon vor der Seuche grassierte, Thema ist. Nicht viel Neues, aber doch Überlegenswertes – und Komisches, wie die Miniszene à la Yasmina Reza mit zwei schwulen Freunden und zwei Schwestern auf violetten Püschel-Hockern, die in der „besonderen Zeit“ gebastelt wurden. Die zweite Stunde zeigt eine Art Museum der Menschheit, in dem in rasantem Tempo die ganz großen Fragen zur Sprache kommen, von Armut bis Rassismus, von Ausbeutung bis zum Raubbau an der Natur, kommentiert von einer sich wundernden Marie Antoinette, deren ausladender Reifrock alles und alle auf Distanz hält.sis
 

„Eugen Onegin“ am Gärtnerplatztheater

Oper von Peter I. Tschaikowsky
Musikalische Inszenierung: Anthony Bramall
Inszenierung: Ben Baur
Premiere am 8. Oktober 2020
Dauer: 2 Stunden 45 Minuten, eine Pause

Eugen Onegin / Foto: Christian Pogo Zach

Große Oper und Corona – wie geht das zusammen? Ganz einfach, wie man in der Neuproduktion von Ben Baur und dem auf Kammerorchestergröße geschrumpften Orchester (Leitung: A. Bramall) erleben kann. Denn schließlich ist der Puschkinsche Roman um unerfüllte Liebe und Eifersucht ja eigentlich auch ein Kammerspiel um vier junge Leute, die aufgrund uneingestandener Sehnsüchte, Wankelmut, tödlichen Konventionen wie ein Duell und Entsagung nicht zueinander finden können. Auf der mit wenig, aber klug eingesetzten Requisiten ausgestatteten Bühne (auch Ben Baur) berühren sich zwar widerstreitende Gefühle, aber auch keine Körper – nicht einmal beim Ball im 3. Akt begegnen sich die Hände der Tanzenden, umso mehr aber die Blicke. Die brillanten Solisten haben Gelegenheit, nicht gegen ein übermächtiges Orchester anzusingen, sondern werden bei ihren Arien untermalend von den Solisten im Graben begleitet – „ ein neuer Klangrahmen nicht als Not, sondern als Chance“ (MM). Auch wenn schon 200 Besucher verdienten tosenden Schlussapplaus schafften, ist es doch zu hoffen, dass bald mehr Publikum die Chance hat, eine Aufführung dieser Produktion zu erleben.  sl
 

Premieren im September 2020

„Das Erdbeben in Chili“ am Residenztheater

Schauspiel nach der gleichnamigen Novelle von Heinrich von Kleist
Inszenierung: Ulrich Rasche
Premiere am 25. September 2020
Dauer: 2 Stunden 30 Minuten, keine Pause

Das Erdbeben in Chili / Foto: Sandra Then

Ulrich-Rasche-Time im Resi: Kraftvoll ausholend, die Knie gebeugt, bewegen sich acht schwarz gekleidete Menschen unaufhörlich auf einer leicht erhöhten Drehscheibe. Jedes Wort aus Kleists Novelle von 1807 dehnen sie im langsamen Rhythmus, mal spricht einer, mal der Chor. Der Regisseur des strengen Stils („Die Räuber“) beeindruckt wieder mit seiner „entschiedenen Ernsthaftigkeit“ (FAZ), mit der er sich dem schweren Stoff nähert, auch wenn die sonst bei ihm übliche Bühnenmaschinerie diesmal zurückhaltend ausfällt. Ein gewaltiges Erdbeben bewahrt das Liebespaar Josephe und Jerome und ihr Kind vor tödlicher Strafe. Vor der zerstörten Stadt treffen sie sich die beiden überraschend wieder – und kurz scheint die Möglichkeit einer besseren, versöhnten Gesellschaft auf. Doch als ein Priester die Liebenden für die Katastrophe verantwortlich macht, stürzt sich der Mob auf sie. Hier läuft die Inszenierung in Sprache und Musik zu großer Form auf, doch auch individuelle Charaktere und leisen Schmerz vermag Rasche anrührend zu zeigen. Ein begeisternder Start in die neue Saison!  sis
 

„7 Deaths of Maria Callas“ am Nationaltheater

Ein Opernprojekt von Marina Abramovic
Komposition: Marko Nikodijevic
Inszenierung: Marina Abramovic (Film: Nabil Elderkin)
Dirigent: Yoel Gamzou
Premiere: 1. September 2020
Dauer: 1 Stunde 10 Minuten, keine Pause 

7 Deaths of Maria Callas / Foto: © Wilfried Hösl

Das perfekte Corona-Stück und doch im April, als die Uraufführung geplant war, schon fast fertig: Maria Callas in ihren zentralen Partien als Traviata, Tosca, Desdemona, Butterfly, Carmen, Lucia und Norma. Zum Live-Orchester von sieben unterschiedlichen Sängerinnen im gleichen Kostüm gesungen, dahinter auf Großleinwand in Slow Motion von Marina Abramovic, die den ganzen Abend an der Seite im Bett liegt, als deren jeweiliges Sterben dargestellt: von Boa Constrictors erdrosselt (Desdemona), dem Strahlentod in Nagasaki ausgesetzt (Butterfly), vom Wolkenkratzer stürzend (Tosca) oder in den Flammen umkommend (Norma).
(Fast) immer verursacht ein Mann – hier Willem Dafoe – diesen Tod. Er ist Alter Ego der Ehemänner Meneghini und Onassis oder der Regisseure Pasolini und Visconti. Dann das reale Sterben 1977 in der Pariser Wohnung und die Auferstehung – nochmals mit „Casta Diva – Keusche Göttin“, jetzt in der Einspielung von 1954 – mit Live-Orchester. Ein Meta-Projekt über den Wahnsinn der Oper, über Eros und Thanatos! kk

 

Premieren im August 2020

„Probleme Probleme“ am Münchner Volkstheater

Schauspiel nach der Erzählung von Ingeborg Bachmann
Inszenierung: Abdullah Kenan Karaca
Premiere 26. August 2020
Dauer: 1 Stunde 20 Minuten, keine Pause 

Probleme Probleme / Foto: Arno Declair

Angesichts all der alltäglichen (Corona-) Probleme kann einem schon mal die Lebenslust vergehen. Insofern passt Beatrix, die Hauptfigur aus Ingeborg Bachmanns Erzählung „Probleme Probleme“ von 1972, sehr gut auch in unsere Zeit. Die 20-Jährige isoliert sich, will nur noch schlafen, ärgert sich über eine hyperaktive Freundin und pflegt genervt eine Affäre mit dem verheirateten Erich. Dieses sterile Dasein findet im Volkstheater in einem entsprechend kargen Biotop statt, das Bühnenbildner Vincent Mesnaritsch ganz mit Plastikhüllen bedeckt hat. Ein ganzheitlicher, mit sich zufriedener Mensch ist Beatrix nicht, weshalb Regisseur Abdullah Kenan Karaca sie in ein Trio aufgesplittet hat. So erzählen Henriette Nagel, Jakob Immervoll und Max Poerting aus Beatrix‘ Leben, fühlen sich in sie und ihre wenigen Mitmenschen hinein. Einzig im „Frisörsalon René“ findet Beatrix ein wenig Glück, aber auch das ist zerbrechlich. Karaca zeichnet mit seinem Ensemble das tragikomische Porträt einer Frau, die gerne aus ihrer Plastikhölle ausbrechen möchte. Ja, sind wir nicht alle ein bisschen Beatrix? mst
 

„Indien“ am Münchner Volkstheater

Schauspiel nach dem Stück von Alfred Dorfer und Josef Hader
Inszenierung: Simon Solberg
Premiere am 15. August 2020
Dauer: 1 Stunde 30 Minuten, keine Pause

Indien / Foto: Arno Declair 

Ein schrecklicheres, in seiner Schrecklichkeit aber auch noch anrührendes Männerpaar hat die Filmgeschichte nie wieder gesehen: Als die Wirtshausinspektoren Fellner und Bösel reisten Alfred Dorfer und Josef Hader in „Indien“ durch die österreichische Provinz und schufen damit einen Kult, der seit dem Kinostart 1993 kein Ende gefunden hat. Auf die Größe der Vorbilder pfeift Simon Solberg in seiner Adaption des Theaterstücks, das dem Film zugrunde liegt, und macht im Biergarten des Volkstheaters sein eigenes Ding. In einem anthropologischen Museum mit einigen Vitrinen stellt Solberg seltsame Menschenbilder der vergangenen Jahrhunderte bis ins Heute aus und lässt mittendrin Carolin Hartmann als Fellner und Jonathan Müller als Bösel all das überprüfen, was in Zeiten von Corona überprüft gehört: Schlachthöfe auf ihre Hygieneverhältnisse zum Beispiel. Statt hintersinnigem Ösi-Humor bietet das Duo in seiner Turboshow feine (Gesangs-)Nummern und herzhaften Klamauk, charmiert dabei mit dem Publikum, bis man gar an die indische Lehre der Inkarnation glaubt. Eine rasante Gaudi! mst
 

„Der Bau“ am Münchner Volkstheater

Schauspiel nach der Erzählung von Franz Kafka
Inszenierung: Miriam Loibl
Premiere am 7. August 2020
Dauer: 1 Stunde, keine Pause 

Der Bau / Foto: Arno Declair

Ja gerade in Zeiten von Corona entwickelte sich eine Tendenz zur Isolation, angetrieben von der Angst vor Eindringlingen, die vielleicht etwas Gefährliches einschleppen könnten. Kafkas Fragment gebliebene Erzählung „Der Bau“ aus den 1920er Jahren wirkt gerade jetzt aktuell, geht es doch darin um ein (tierisches) Ich, das sich einen Ort unter der Erde zusammengebastelt hat, um sich vor der unsicher scheinenden Außenwelt zu verschanzen. Miriam Loibl inszeniert diesen Text im Volkstheater geschickt als Mischung zwischen Theaterspiel und Installation. Das Bühnenbild von Thilo Ulrich – ein hochragender, labyrinthischer Holzbau mit einigen Treppchen und Kammern – ist dabei ein toller, expressiv beleuchteter Spielplatz für die Ensemble-Mitglieder Jan Meeno Jürgens, Steffen Link und Pola Jane O’Mara. Sie wuseln und rutschen durch die Gänge, verharren in den Kammern, bringen Kafkas Worte präzise zum Klingen und vermitteln eine Paranoia, die noch verstärkt wird, als ein seltsames Geräusch die Ruhe im Bau stört… Ein außergewöhnlicher Abend, atmosphärisch dicht und richtig kafkaesk. mst

Premieren im Juli 2020

„Das hässliche Universum“ am Münchner Volkstheater

Schauspiel von Laura Naumann
Inszenierung: Sapir Heller
Premiere am 29. Juli 2020
Dauer: 1 Stunde 30 Minuten, keine Pause 

Das hässliche Universum / Foto: Arno Declair

Wenn schon klar ist, dass die Menschheit bald untergehen wird, sollte man davor wenigstens noch mal tüchtig feiern. Ein bisschen was von Karneval hat es schon, wie vier der Ensemblemitglieder des Volkstheaters auf der großen Bühne auftreten. Denn Bühnen- und Kostümbildnerin Anna van Leen hat sie in Anlehnung an berühmte Vorbilder eingekleidet: Blond und glitzernd sieht Anne Stein aus wie Country-Star Dolly Parton, Nina Steils ist blümchengeschmückt eine Wiedergängerin von Frida Kahlo, Vincent Sauer hat Freddie Mercury intus und Silas Breiding erinnert in seiner Rüstung an Brad Pitt in „Troja“. Gemeinsam bilden die Vier eine Beerdigungs-Band anlässlich des nahenden Grabgangs dieser Welt und machen in 90 Minuten großartig Musik. So covern sie Songs von Tom Waits bis Bon Jovi aufs Feinste. Nina Steils fetzt ein Lied von Blur auf die Bühne, und Anne Stein legt ein furioses Diven-Solo hin. Dass die Handlung von Laura Naumanns Stück etwas wirr ist, spielt keine Rolle. Regisseurin Sapir Heller und ihr Ensemble machen aus „Das hässliche Universum“ eine höchst unterhaltsame Show! mst

„Die Goldberg-Variationen“ am Münchner Volkstheater

Komödie von George Tabori
Inszenierung: Christian Stückl
Premiere 24. Juli 2020
Dauer: 1 Stunde 45 Minuten, keine Pause 

Die Goldberg-Variationen / Foto: Arno Declair

In Zeiten von Corona sollte man flexibel sein, sonst geht alles, auch das Theater, vor die Hunde. Volkstheater-Intendant Christian Stückl ging mit seinem Team schon im Mai in die Sommerpause und eröffnet jetzt die neue Saison – mit Inszenierungen, die zum Teil im Biergarten vor dem Volkstheater stattfinden. Den Anfang macht nun George Taboris Stück „Die Goldberg-Variationen“, von Stückl „corona-tauglich“ inszeniert. Regisseur Mr. Jay (im Jogginganzug prollig und kettenrauchend wie Stückl: Pascal Fligg) will die Bibel für die Bühne adaptieren, erweist sich dabei als antisemitischer und sexistischer Despot. Sein Team gibt ihm jedoch gehörig Kontra, darunter eine Schauspiel-Diva (Luise Deborah Daberkow) und Regieassistent Goldberg (Mauricio Hölzemann), der zuletzt aber als Jesus ans Kreuz muss. Stückl holt ein bisschen die Oberammergauer Passionsspiele nach, die von 2020 auf 2022 verschoben werden mussten, und inszeniert ein witziges, mit treibender Live-Musik unterlegtes Spektakel über das Theater – und erneut, gegen den Antisemitismus. Ein toller Open-Air-Start! mst

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