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Theatergemeinde München

Kulturvielfalt zum ermäßigten Preis

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Kulturvielfalt zum ermäßigten Preis

Die TheaGe-Theaterkritiken der Spielzeit 2017/18

Premieren im Juli

„Jesus Christ Superstar“ im Gärtnerplatztheater

Rockoper von Andrew Lloyd Webber
Musikalische Leitung Jeff Frohner
Inszenierung: Josef E. Köpplinger
Spielzeitpremiere am 19. Juli 2018
Dauer: 2 Stunden, eine Pause

„Die rockige Bibelstunde aus der Hippie-Zeit“ – so titelte der BR zur Premiere 2014. J.E. Köpplinger hat das Jugendwerk von Andrew Lloyd Webber (1971) jedoch aller Hippie-Blumen-Seligkeit entblößt und eine sehr heutige Revue mit Aposteln als harte Burschen mit Tatoos und Fetischklamotten in grellem Design (A. Lichtenegger) auf die Bühne gestellt. Aggressiv und revoltierend gegen fraglichen Starkult und Fanatisierung jeglicher Art kämpft Judas, Freund und Gegenspieler von Jesus. Zart und fast verträumt wirkt dagegen Magdalena, deren Kampfgeist eher der Liebe gilt. Drüber stehen mit martialischem Machtgehabe Hohepriester, Pilatus und ein lustbetonter Herodes – wie gerade einer Flittershow entsprungen. Und dazwischen lässt sich Jesus als Messias strahlend feiern – um dann glaubhaft verklärt seine Todesangst und sein Leiden auszuleben. So laut und rasant das Stück über die Bühne donnert, so berührend sind viele Einzelszenen und Bilder. Dank der perfekt eingespielten Darbietung wirkt die Strahlkraft dieser stimmigen Aufführung auf das Publikum aller Altersklassen. s.l.

„La Strada“ im Gärtnerplatztheater

Ballett nach dem gleichnamigen Film von Federico Fellini
Musikalische Leitung: Michael Brandstätter
Choreografie: Marco Goecke
Uraufführung am 12. Juli 2018
Dauer 1 Stunde 20 Minuten, keine Pause

Bekannt und wohlklingend ist sie ja, die Ballettsuite nach der Filmmusik von Nino Rota, die die berührende Geschichte des kraftstrotzenden Gauklers Zampanò, der naiven Gelsomina und dem Seiltänzer Matto untermalt. Aber die Körpersprache, mit denen der Choreograph Marco Goecke Gewalt, Hörigkeit, liebende Hingabe mit tödlichem Ausgang und schließlich erbarmungslose Verlorenheit durch Bewegung auszudrücken vermag, geht weit über die Vorstellung eines durch Tanz erzählten "Liedes von der Straße" hinaus. Landstreicherleben und Zirkuswelt brauchen hier keine konkreten Bühnenbilder; die Lichtführung und vor allem die exakten, perfekt synchronen, raffinierten Bewegungsabläufe, die Körpern Sprache verleihen (manchmal auch mit geraunten, wiederholten Sprachfetzen und Ausrufen), erzählen die tragische Dreiecksgeschichte in extrem verdichteter Atmosphäre. Hier passieren starke Bilder, die sich einprägen und das Publikum zu Begeisterungsstürmen hinreißen. Ein Hoch der "perfekten Tänzerriege" (tz) , dem Choreographen und dem Orchester! s.l.

Premieren im Juni

"Don Juan" im Residenztheater

Schauspiel von Molière 
Inszenierung: Frank Castorf 
Premiere am 29. Juni 2018
Dauer: 4 Stunden 10 Minuten eine Pause

Castorf inszeniert. Das ist ein theatrales Großereignis, für die Schauspieler wie die Zuschauer. Stets wird es lang, wild und intellektuell anspruchsvoll. Denn der Ex-Chef der Berliner Volksbühne begnügt sich nie mit einem Stoff, er ergänzt ihn mit anderen Autoren; er lässt auf seinen berühmten, vollgestopften Drehbühnen oben, unten, draußen und drinnen spielen, was mit frappierender Live-Video-Technik möglich ist, und er schert sich nicht um Grenzen, oft politisch unkorrekt und, wie manche finden, jenseits des guten Geschmacks. Das passt zu Don Juan, dem Frauenheld und Verführer, hier gleich zweifach, als schamloser jugendlicher Lebemann und als älteres prolliges Double. Das funktioniert prima. Statt Erotik dominiert der Exzess, in dekadenten Gelagen bis zum Erbrechen, in schrägen Kostümen oder ganz nackt: Alles, nur keine Langeweile und keinen (Pest)-Tod. Die Frauen, Donna Elvira oder Charlotte, die in einer köstlichen Szene pantomimisch drei echte Ziegen melkt, sind nur Mittel der Zerstreuung. Castorf arbeitet mit den Besten: Franz Pätzold, Aurel Manthei, Bibiana Beglau, Nora Buzalka und – eine Entdeckung - Marcel Heuperman als ulkiger bäurischer Pierrot. sis

"Parsifal" im Nationaltheater

Oper von Richard Wagner
Musikalische Leitung: Kirill Petrenko
Inszenierung: Pierre Audi
Premiere am 28. Juni 2018
Dauer: 5 Stunden 10 Minuten, zwei Pausen

Wagners "Weltabschiedswerk" als bis hin zu den Kostümen schwarzes Endzeit-Spiel in den magisch silbern beleuchteten Bühnenbildern von Georg Baselitz! Die Bühne dominiert ein im dritten Aufzug dekorativ kopfstehender und zur Karfreitagsaue magisch violett beleuchteter verkohlter Wald, während Kirill Petrenko dieses "Bühnenweihfestspiel" musikalisch aufs Schönste illuminiert: mit dem Uraufführungs-Orchester wohlgemerkt, hat Ludwig II. doch 1882 sein Münchner Hofopernorchester nach Bayreuth ausgeliehen. So differenziert und weich, präsent im Pianissimo aber auch mächtig flutend im Fortissimo klingt es eigentlich nur dort aus dem verdeckten Orchestergraben. René Pape als Gurnemanz, Christian Gerhaher (Amfortas) sowie Jonas Kaufmann und Nina Stemme als Parsifal und Kundry sind eine Luxusbesetzung; und so ist am Ende vor allem das musikalische Glück schier grenzenlos. klk

"Semele" im Gärtnerplatztheater

Barockoper von Georg Friedrich Händel
Musikalische Leitung: Ruben Dubrovsky
Inszenierung: Karoline Gruber
Spielzeitpremiere am 24. Juni 2018
Dauer: 2 Stunde 50 Minuten, eine Pause

Eine Frau, die vermessen nach Höherem strebt, ein Mann, der, geschmeichelt von der Zuneigung einer Frau, völlig hilflos wird und eine Ehefrau, die sich bitter zu rächen weiß – das gab's schon in der Antike! Nur haben Götter andere Mittel, aber auch andere Zwänge als irdische Geschöpfe. Da kann man schon mal einen anderen Gott zur Hilfe nehmen, dass die Rache gelingt, aber selbst für Jupiter gelten unverrückbare Regeln. Dass solche Geschichten dann doch fröhlich enden, geht eben auch meist nur im Olymp. Und genau da fühlt man sich bei der Wiederaufnahme der "Semele"! Aus dem Graben klingt das perfekte Barockorchester, die Sänger aller Partien sind brillant, Jennifer O’Loughlin in der Titelpartie erntet verdient viel Szenenapplaus. Mit deutlichem Augenzwinkern und viel Witz – auch beim Bühnenbild (Roy Spahn) – spielt die Regisseurin Karoline Gruber auf allen Registern der Barockoper. Mit dieser schon bei der Premiere 2013 bejubelten Produktion führt das Gärtnerplatztheater die Tradition dieses Genres nun mit Bravour fort. Ein Genussabend! sl

"What they want to hear" in den Münchner Kammerspielen

Uraufführung von Lola Arias in Zusammenarbeit mit Raaed Al Kour und dem Open Border Ensemble
Inszenierung: Lola Arias
Premiere am 22. Juni 2018
Dauer: 1 Stunde 30 Minuten, keine Pause

Ein Bamf-Büro auf der Bühne: Schreibtisch, Computer, Topfpflanzen und eine Europakarte an der Wand. Die Mitarbeiterin scheint typisch, Michaela Steiger spielt sie im beigen Hosenanzug freundlich-korrekt und voll Pflichtgefühl, auch später als Rechtsanwältin und als ehrenamtliche Helferin will sie, sehr überzeugend, stets nur das Beste. Im Ausländeramt soll sich das Schicksal des Raaed Al Kour entscheiden, eines jungen, sympathischen Archäologen, der aus Syrien über eine erzwungene Zwischenstation in Bulgarien nach Deutschland geflohen ist. Seit 2013 hofft der Aslybewerber, dass er endlich den Flüchtlingsstatus zuerkannt bekommt. Der echte Raaed Al Kour übrigens, der für das Doku-Stück der argentinischen Regisseurin Lola Arias seine eigene Geschichte vom Weggehen aus der zerbombten Heimatstadt und vom Warten im Behördendschungel erzählt hat, spielt selber mit, gemeinsam mit syrischen Akteuren aus dem Open Border Ensemble und einem Kammerspiele-Mitglied, die auf einer zweiten Ebene mal andere Flüchtende, mal Polizisten oder syrische Soldaten mimen, in deutsch, englisch und arabisch (mit Übertiteln). Ein kurzer Kurs in Realismus für die Zuschauer! sis

"In den Straßen keine Blumen" (UA) im Münchner Volkstheater

Schauspiel von Charlotte Roos nach Texten von Federico García Lorca
Inszenierung: Pinar Karabulut
Uraufführung am 21. Juni 2018
Dauer: 2 Stunden 30 Minuten, eine Pause

Als Einzelkämpferinnen haben die Frauen im Werk des andalusischen Lyrikers und Dramatikers Federico García Lorca gegen das Patriarchat kaum eine Chance. Was aber, wenn mehrere Damen vereint gegen ihr Schicksal aufbegehren? Autorin Charlotte Roos hat in ihrem neuen Stück "In den Straßen keine Blumen" vier Klassiker Lorcas verschränkt. Bei der Uraufführung im Volkstheater fügt Regisseurin P?nar Karabulut einige wilde Ideen hinzu. So singen ihre sechs Darstellerinnen zu Beginn Rihannas "Desparado", um sich aus ihren Brautkleidern herauszuschälen, so, wie sie sich insgesamt aus dem Korsett der Geschlechterrollen befreien wollen. Während die Figuren, auch die männlichen, leiden, warten, verzweifeln, taucht auch mal Botticellis Venus im zentral gelegenen Swimmingpool auf. Karabulut und ihr Team spielen burlesk mit Frauenbildern. Nach der Pause verschwinden die drei Männer: Patriarchat adé. Die jungen Heldinnen bilden eine leidenschaftliche Gemeinschaft, aber auch sie können nicht jede Tragödie aufhalten. Frauenpower, geballt auf die Bühne gezaubert. mst

"Der tapfere Soldat" im Gärtnerplatztheater

Operette von Oscar Straus
Musikalische Leitung: Kiril Stankow
Inszenierung: Peter Konwitschny
Premiere am 14. Juni 2018
Dauer: 2 Stunden 30 Minuten, eine Pause

Könnte man die Melodien von Oscar Straus öfters hören, wären sie bald Ohrwürmer! Sanft fließen traumselige Arien, bestens begleitet vom wunderbar flexiblen Orchester unter der Leitung von Anthony Bramall und wunderbar interpretiert von Sophie Mitterhuber als romantische Nadina und ihrem Pralinésoldaten Bumerli alias Daniel Prohaska. Es schmettert mit zackigen Fanfaren und Trommeln, wenn das Militär auf den Plan tritt. Aber die Operette bietet in der Inszenierung von Peter Konwitschny weit mehr! Was als biedermeierliche Fast-Schnulze um drei sich sehnende, den Ideen eines ruhmreichen Militärs ergebene Damen beginnt, wird schnell zur Satire auf die "Helden" unsinniger Kriegshandlungen, als der Schweizer "Deserteur" Bummerli auf dem Balkon landet. Er träumt von Ruhe, Schokolade und Zuneigung, was die Damen nur zu gerne bieten. Doch die "siegreichen" Krieger kehren heim und die Konflikte beginnen – noch operettenhaft. Aber der Pessimist Konwitschny ist stets für eine krude Überraschung gut. Da bleiben keine tapferen Helden übrig! Das kann nicht mal mehr Bumerlis Toblerone-Packung versüßen! sl

 

Premieren im Mai

"Aus einem Totenhaus" im Nationaltheater

Oper von Leoš Janá?ek
Inszenierung: Frank Castorf
Musikalische Leitung: Simone Young
Premiere am 21. Mai 2018
Dauer: 1 Stunde 40 Minuten, keine Pause

In Leoš Janá?eks letzter und düsterster Oper treten (fast) nur Männer auf, die oftmals Mörder sind, sich gegenseitig quälen und gequält werden. Sie wird dominiert von vier immer längeren Erzählungen, deren letzte eine Oper in der Oper ist und in Frank Castorfs eher zerfasernder Regie auf vollgestellter Drehbühne von Alexandr Deni? noch mehr herausragt, weil Simone Young am Pult des Staatsorchesters sie mit Expression auflädt und Bo Skovhus die tragische Geschichte eines großen Missverständnisses um Jungfräulichkeit und Lüge grandios singt und spielt. Auch Charles Workman vermag mit seinem intensiven Monolog zu berühren und nicht zuletzt die wunderbare Evgeniya Sotnikova: Zu Beginn und am Ende geistert sie als paradiesischer Adler mit Pfauenfedern als Hoffnungsträger durch die Oper, dazwischen verwandelt sie sich in den Knaben Aleja und ist auch im stummen Spiel ungemein berührend die staunende, aus einer besseren Welt hereingewehte Unschuld. klk

"Don Giovanni" im Gärtnerplatztheater

Oper von Wolfgang Amadeus Mozart
Inszenierung: Herbert Föttinger
Musikalische Leitung: Anthony Bramall

Spielzeitpremiere am 19. Mai 2018
Dauer: 3 Stunden 15 Minuten, eine Pause

Don Juan, der Archetyp des Frauenhelden, ist heute ebenso aktuell wie vor 200 Jahren! Das unterstreicht die äußerst schlüssige Inszenierung von Herbert Föttinger, der die Figuren und das Umfeld absolut heutig darstellt. So beamt Leporello die Bilder der von Don Giovanni verführten Damen vom Computer auf die nahen Hauswände, und als Tatwaffe zur Ermordung des Komturs dient ein Revolver. Das sind keineswegs modische Regiegags, sondern das Ergebnis eines klaren und eindringlichen Psychogramms eines zeitlosen Egomanen, der schließlich seines Lebens überdrüssig ist. Auch die Damen, die sich nur zu gerne dem Abenteuer mit ihm hingäben und stets zwischen Hoffnung auf Zuneigung und Rache schwanken, sind ebenso wie die gehörnten Ehemänner und vor allem der von seinem mitunter brutalen Herrn geschundene Leporello überzeugend in dieses moderne Regiekonzept eingebunden. Gesungen und musiziert wird auf hohem Niveau, so dass die Wiederaufnahme in den Spielplan Bereicherung, ja großer Gewinn für die Münchner Opernszene ist. s.l.

"Don Karlos" im Residenztheater

Schauspiel von Friedrich Schiller
Inszenierung: Martin Kušej
Premiere am 17. Mai 2018
Dauer: 4 Stunden, eine Pause

Nacht liegt über Spanien. Nur das Licht kreisender Drohnen ist zu sehen und das Kettenrasseln der Gefangenen zu hören. Ein starker Anfang, der schnell klar macht: Im Überwachungsstaat herrscht Angst, im Dunkeln gedeihen Machtmissbrauch und üble Machenschaften. Schwarz wie die Kleidung bleibt meistens auch die Bühne, nur erhellt von wenigen Scheinwerfern. Das Publikum muss die Sinne scharf stellen, denn in Kušejs "Darkroom" zählt vor allem Schillers Sprache. Karlos, der Sohn von König Philipp, liebt seine Stiefmutter Elisabeth, die eigentlich ihm zur Frau versprochen war. Sein Freund Marquis von Posa rät ihm, für seine Interessen zu kämpfen, hat dabei aber nicht Karlos' privates Glück, sondern die Befreiung Flanderns im Sinn. Doch heimliche Briefe, aufgebrochene Schatullen, Intrigen und Posas berühmte Forderung an Philipp "Geben Sie Gedankenfreiheit" führen im Land der Inquisition, wo die Kirche das letzte Wort hat, ins Verderben. Exzellente Schauspiel-Sprecher, allen voran Franz Pätzold als Posa und Thomas Loibl als Philipp, und eine konzentrierte Inszenierung ohne Kinkerlitzchen erschaffen einen intensiven, fesselnden und dabei gegenwärtigen Klassiker-Abend. sis

"Schöne Neue Welt" im Münchner Volkstheater

Schauspiel nach dem Roman von Aldous Huxley
Inszenierung: Felix Hafner
Premiere am 13. Mai 2018
Dauer: 2 Stunden, keine Pause

Was waren das für Zeiten, als die Menschen, auch im Theater, noch ganz tief fühlten. Im Volkstheater zerrt Silas Breiding einen roten Vorhang herab und bewegt seine Lippen synchron zu alten Aufnahmen passionierter Shakespeare-Recken. Breiding spielt John, einen der "Wilden", die in Aldous Huxleys Roman "Schöne Neue Welt" von 1932 in Reservaten leben, fern des Weltstaats, den Huxley als dystopischen Ort der Konditionierung auf Konsum und promiskuitiven Sex imaginierte. Regisseur Felix Hafner lässt die Positionen der "wilden", alten und der sterilen, aber kriegsfreien Fortschrittswelt spannungsvoll aufeinanderprallen. Hinter einem schwarzen Spiegelboden ragt eine Wand von achtzig Scheinwerfern auf, vor der die Egomanen immer wieder wie in einem Pop-Clip zu träumerisch pulsierender Musik posieren. Hafner inszeniert Gruppenchoreografien, aus denen sich Einzelne, der wankelmütige Rebell Bernard Marx (Timocin Ziegler) etwa, herauslösen, um doch wieder eingesogen zu werden. Süchtig sind sie nach der Glücksdroge Soma, symbolisiert durch das Sonnenleuchten der Scheinwerfer. Starke Bilder schöpft Hafner aus der Vorlage und wirft die Frage auf, wie übel diese "Schöne Neue Welt" eigentlich ist. John versus das Regime – von wem lassen wir uns überzeugen? mst

"Im weißen Rössl" im Gärtnerplatztheater

Singspiel von Ralph Benatzky
Inszenierung: Josef E. Köpplinger

Musikalische Leitung: Michael Brandstätter
Spielzeitpremiere am 12. Mai 2018
Dauer: 2 Stunden 30 Minuten, eine Pause

"Im Salzkammergut, da kann man gut lustig sein…" – und das auch Dank der sprühenden Inszenierung von Josef E. Köpplinger im Gärtnerplatztheater! Schon vor Beginn begrüßen Blaskapelle und Kinderchor das Publikum – dann geht’s los mit dem Ausflug ins Salzkammergut, gespickt mit launigen Kalauern der Fremdenführerin. Und schon wirbelt die revuehafte Operette aus den dreißiger Jahren über die Bühne. Sie zielt hier weniger auf süßlichen Kitsch als auf Satire ab und nimmt mit witzigen Dialogen, einem Feuerwerk von Regieeinfällen und Tanzeinlagen den ewigen süddeutsch-berlinerischen Scheinkonflikt erfrischend locker auf den Arm, ohne dass die zarten und berührenden Passagen mit den großen Liebesschwüren zu kurz kommen. Die souveräne "Überperson" des Kaiser Franz Joseph verleiht dem Ganzen zusätzlich ein bisschen K&K-Glanz. Die Komödie um die Suche nach dem richtigen Partner macht Sängern und dem Dirigenten offensichtlich so großen Spaß, dass die süffigen Melodien nach dem letzten Vorhang nochmal aus dem Orchestergraben klingen! s.l.

 

Premieren im April

"Der Vater" in den Münchner Kammerspielen

Schauspiel von August Strindberg
Inszenierung: Nicolas Stemann
Premiere am 29. April 2018
Dauer: 2 Stunden, keine Pause

Auf giftgrüner Bühne, im Minenfeld des Geschlechter-Showdowns, spielt Nicolas Stemann in seiner Abschieds-Inszenierung den Rollendruck von Mann und Frau furios gegeneinander aus. Mit spielfreudigen Gender- und Rollenwechseln kämpfen Julia Riedler und Daniel Lommatzsch in Unisex-Anzügen um Kind, Geld und Macht. Doch es gibt keine Sieger in Strindbergs antifeministisch gemeintem Stück vom Bankrott des Patriarchats. Die Ehe endet als Scherbenhaufen, für die triumphierende Frau wie für den abgesetzten Mann, von Wiebke Puls in einem fulminanten Wut-Solo am Ende zugespitzt. August Strindberg, Analyst der psychologischen Vernichtungskriege in der Familie, fand die feministischen Bestrebungen um 1900 beängstigend. Doch wie hilflos ist ein Männerbild, das sich mit Übergriffen, Kampf und Gewalt behauptet? Genderwahn, MeToo und reaktionäre Trends - lassen Sie uns weiterdenken! Spaßig und traurig. "Wo ist die Liebe hin?" avs

"Don Pasquale" im Gärtnerplatztheater

Komische Oper von Gaetano Donizetti
Musikalische Leitung: Michael Brandstätter
Regie: Brigitte Fassbaender
Spielzeitpremiere am 29. April 2018 
Dauer: 2 Stunden 30 Minuten, eine Pause

Der alte Hagestolz Don Pasquale sucht eine Frau – mit dem Hintergedanken, dem Neffen das Erbe zu vereiteln, der seinerseits die verarmte Norina heiraten möchte. So begibt er sich zu Dr. Malatesta und die böse Intrige gegen ihn beginnt mit einer peniblen Behandlung auf dem Zahnarztstuhl. In schlichtem Bühnenbild mit wenigen, aber aussagekräftigen Requisiten lotet die Regisseurin Brigitte Fassbaender die vielen nur allzu menschlichen Schwächen, hintergründigen Lüste und damit verbundenen kleinen und größeren Gemeinheiten aus. Edelmut hat in diesem Stück mal Pause! Sie vergisst dabei keineswegs Ironie und Humor, die ja auch zu dieser komischen Oper gehören. Die bestens disponierte Sophie Mitterhuber als Norina glänzt mit koketter Biestigkeit und ihre männlichen Kollegen fügen sich mal schlau, mal wütend, mal schmachtend abwechselnd in ihre Opfer- oder Täter-Rollen. Mit der wunderschönen, eingängigen Musik Donizettis, vom Orchester sehr differenziert musiziert, ist nun ein sehenswertes, heiteres Gesamtkunstwerk wiederzusehen. s.l.

"Junk – Das goldene Zeitalter der Schulden" im Residenztheater

Schauspiel von Ayad Akhtar
Inszenierung: Tina Lanik
Premiere am 22. April 2018
Dauer: 2 Stunden, keine Pause

Im Haifischbecken des US-Finanzkapitalismus dreht sich kalt das Bühnenkarussell. Auf der Jagd nach dem Geld, getrieben von hektischer Gier nach Rendite, ist der Mensch nur noch Trickser oder Schuldner. Er hat sich und seine Zukunft verkauft, an den Konsum, den Kredit, die Wirtschaft. Der Autor Ayad Akhtar ("Geächtet") bringt DAS Stück zur Finanzkrise, die Börsen und Märkte im Goldrausch der Spekulation kollabieren ließ. Der Investment-Banker Robert Merkin (überzeugend aalglatt: Till Firit) ist ein perfekter Jongleur feindlicher Übernahmen. Mit faulen Junk-(Schrott-)Anleihen verschafft er maroden Firmen wackliges "rettendes" Kreditkapital. Unternehmer Tom Everson (Oliver Nägele als weinerlicher Nostalgiker) wehrt sich, um Tradition und Arbeitsplätze zu retten. Das System Hyperkapitalismus läuft immer weiter: Noch vom Gefängnis aus plant Merkin schon die Abzocke kleinverdienender Eigenheimer der Lehman-Krise ... Spannend, tempogeladen, unterhaltsam und äußerst realitätsnah! avs

"Pumuckl" im Gärtnerplatztheater

Musical von Franz Wittenbrink und Anne X. Weber nach Ellis Kaut
Musikalische Leitung: Andreas Kowalewitz
Inszenierung: Nicole Claudia Weber
Uraufführung am 19. April 2018
Dauer: ca. 2 Stunden, eine Pause

"Hurra, hurra, der Pumuckl ist wieder da!" - Frech und doch immer liebenswert dringt er in die Welt des Schreinermeisters Eder ein und krempelt dessen Leben tüchtig um. Auch als leibhaftige, singende und quirlig spielende Person ist er unverkennbar der "Kobold mit dem roten Haar", auch seine Stimme ist perfekt nach den Hörspielen und dem Film imitiert. Die Handlung ist eine bühnenwirksame Zusammenfassung mehrerer Episoden aus den Büchern von Ellis Kaut in einem liebevoll münchnerisch angedeuteten Dekor. Und es geschehen sogar auf der Bühne wunderliche Dinge: Weg ist der Hammer, die Ritterrüstung bewegt sich, eine Mütze macht sich selbstständig! Die eingängige Musical-Musik begleitet das Geschehen in Songs, bei Wirtshausblasmusik, mit dem vergnügt-bunten Kinderchor. Das mindestens drei Generationen überspannende Publikum ließ sich bei der Premiere begeistert in die Welt des geliebten Pumuckl mit seinem Meister Eder entführen! s.l.

"No Sex" in den Münchner Kammerspielen

Schauspiel von Toshiki Okada (Uraufführung) 
Inszenierung Toshiki Okada
Premiere am 14. April 2018
Dauer: 1 Stunde 40 Minuten, keine Pause

In der Zukunft ist Sex out. Das Ende der uralten Kulturpraxis kommt in den Kammerspielen wunderbar leicht und freundlich daher. Vier junge Männer, sehr artig, reinlich und unerfahren, treffen sich in einer japanischen Karaoke-Bar, um sich in Liedern über Lust und Liebe, die sie mit Erstaunen in der Stimme zum Besten geben, den unbekannten Begierden und Gefühlen anzunähern. Sie bewegen sich berührungsfrei wie seltsame Schlingpflanzen, nach denen sie benannt sind, und sprechen distanziert vom "Intertreatment". In der Vergangenheit freilich, verkörpert vom Barbesitzer und der Putzfrau, gehörten Liebe und Triebe zum Leben. Annette Paulmann erzählt mit Verve vom Liebeshotel, das sie sauber gehalten hat, und singt Donna Summers "I feel love", Stefan Merki schmettert "Can’t get enough of your love, baby", auf Deutsch übersetzt wie alle Lieder. Doch die Jungmänner reagieren befremdet: "Es gibt Leute, die tun’s, aber wir tun’s nicht". Auch wenn im Hintergrund die Realität der japanischen Gesellschaft mitschwingt, die, Studien zufolge, immer häufiger Sex meidet und bereits überaltert ist, lassen wir uns bezaubern von den charmanten Darstellern im amüsanten Singspiel. sis

 

Premieren im März

"Maria Stuarda" im Gärtnerplatztheater

Oper von Gaetano Donizetti
Musikalische Leitung: Anthony Bramall
Inszenierung: Michael Sturminger
Aufführung in italienisch mit deutschen Obertiteln
Premiere am 22. März 2018
Dauer 2 Stunden 30 Minuten 1 Pause

Ein Bühnenbild aus reflektierenden, auf der Drehbühne immer wieder neu verschobenen Glaswänden, die durch mehrere Lichtquellen wechselnde Facetten entstehen lassen, Lüster oder scharfes Licht, je nach Spielort der Szenen, dazu historische Kostüme mit Glanz und Pomp der elisabethanischen Zeit – genialer kann die Allgemeingültigkeit der großen Emotionen wie Stolz, Hass, Liebe, Demütigung und Demut auf der Basis eines historischen Stoffes nicht dargestellt werden! Das ist die äußere Hülle eines großartigen Belcanto-Festes mit hervorragenden Interpreten. Das Drama zwischen Elisabeth von England und ihrer Rivalin Maria Stuart, dem liebenden Graf Leicester, dem ausgleichenden Talbot und dem für die Staatsraison kämpfenden Cecil steigert sich durch alle Gemütslagen in brillanten Arien bis zum Gang zur Hinrichtung der Stuart. Der rauschende Beifall bei der Premiere galt den fünf herausragenden Sängern, dem Regieteam M. Sturminger /R. Ludigkeit , dem Chor, dem Dirigenten A. Bramall und dem hervorragenden Orchester gleichermaßen. Dieses spannende "Glühen im Höhenrausch" (AZ) sollte man nicht versäumen! s.l.

"Les Vêpres siciliennes" im Nationaltheater

Oper von Giuseppe Verdi
Musikalische Leitung: Omer Meir Wellber
Inszenierung: Antú Romero Nunes
Premiere am 11. März 2018
Dauer: 3 Stunden 30 Minuten, eine Pause

Es könnte einen schon gruseln in dieser ersten Produktion von Verdis Oper am Nationaltheater in der französischen Originalsprache – nachdem 1969 die Erstaufführung noch "Die sizilianische Vesper" hieß: Überall weiß geschminkte Untote, Totenköpfe, Skelette und Kostüme wie für "Pirates of the Caribbean". Alles ist grell, schmutzig, und die raffiniert beleuchtete Bühne besteht nur aus einer riesigen, schwarzen Plastikplane, die unterschiedlichste Räume ergeben kann. Da lärmt es schön laut aus dem Orchestergraben, und die Handlung – sie spielt während der Besatzung Siziliens durch die Franzosen – gerät vor lauter Schauwerten fast aus den Augen: Der französische Gouverneur Monfort (George Petean) muss sich der Situation stellen, dass das gemeinsame Kind aus der Verführung einer Sizilianerin heute sein Feind ist. Henri (Bryan Hymel) wird zwischen Vater-Bindung, Rebellentum und der Liebe zu Hélène (Rachel Willis-Sørensen) zerrieben, während Procida, Arzt und ebenfalls Freiheitskämpfer (Erwin Schrott), im prächtigen Kostüm zur Karikatur wird, wie so manches in dieser Produktion. klk

"Die Attentäterin" in den Kammerspielen

Schauspiel nach dem Roman von Yasmina Khadra
Inszenierung: Amir Reza Koohestani
Premiere am 9. März 2018

Dauer: 2 Stunden, keine Pause

Ein erfolgreicher Chirurg in Tel Aviv. Weil der arabischstämmige Jaafari nicht aussieht wie ein Israeli, wird er tagein, tagaus als Terrorverdächtiger kontrolliert. Eines Tages soll er die Leiche einer jungen Frau identifizieren. Als Schwangere verkleidet, hat sie sich und ein ganzes Café in die Luft gesprengt. Die Selbstmordattentäterin ist seine Frau Sihem. Jaafari stürzt aus seinem Leben. Was ist los mit diesem Israel? Ist das noch sein Land? Jaafari geht auf Spurensuche. Was hat Sihem, eine scheinbar moderne, säkulare Frau, angetrieben? Wut? Verzweiflung? Glaube? Was geht vor in der Psyche eines Terroristen? Der junge Teheraner Regisseur Amir Reza Koohestani („Der Fall Meursault“) inszeniert den Sensationserfolg des algerischen Schriftstellers Yasmina Khadra. Nahaufnahmen der Gesichter, auf die Videoleinwand projiziert, geben der schlichten und klaren Inszenierung eine packende, sinnliche Dringlichkeit. Beeindruckend. avs

"Jean und Antonín" im Gärtnerplatztheater

Ballett von Michael Keegan-Dolan ("Antonín") und Karl Alfred Schreiner ("Jean") 
Musikalische Leitung: Michael Brandstätter
Spielzeitpremiere am 6. März 2018
Dauer: 1 Stunde 30 Minuten mit Pause

Werden und Vergehen – das ist die thematische Klammer des Abends mit zwei "Sinfonischen Balletten". Die Unterschiede, mit der sowohl Komponisten als auch Choreographen mit dieser Problematik umgehen, erzeugt eine durchgehende Spannung – und zwei völlig unterschiedliche Schlussfolgerungen: In "Jean" mit der Musik von Jean Sibelius‘ 5. Symphonie in der Choreographie von Karl Alfred Schreiner entsteht das Leben wie aus einem starren Kokon, formiert sich mit höchster körperlicher Expressivität zu immer wieder neuen Gebilden, um schließlich wieder unterzugehen wie die erlöschende Kerze. Ganz anders sieht Michael Keegan-Dolan den Tod. Bei einer Totenfeier mit Sarg und Stühlen für die Trauernden wechseln laute Totenklage, bacchantische Feier, fröhliche Party, Ekstase und Ruhe ab, bis schließlich das Leben den Sieg davonträgt. Sowohl bei dem perfekt in rhythmischen Einklang mit "Antonín" Dvo?áks 8. Symphonie choreographierten Ballett als auch bei "Jean" bestechen Präzision und Ausdruckskraft der jeweils 17 jungen Tänzer. Außergewöhnlich! sl

"Am Kältepol - Erzählungen aus dem Gulag" im Cuvilliéstheater

Schauspiel von Warlam Schalamow
Inszenierung: Timofej Kuljabin 
Premiere am 3. März 2018
Dauer: 1 Stunde 15 Minuten, keine Pause

Wie lässt sich das Schreckliche, das Unfassbare überhaupt darstellbar machen? Der 33-jährige Regisseur Kuljabin, der von Russlands Theaterszene gefeiert wird und erstmals in Deutschland inszeniert, findet für Schalamows 1989 posthum erschienene Erzählungen aus dem Gulag zwei überzeugende Formen: Er lässt auf halbdunkler Bühne die Geschichten des Grauens vorlesen, während in einem geschlossenen Container sechs Schauspielerinnen die Szenen in ein Spiel ohne Worte "übersetzen", die live gefilmt und auf eine Videoleinwand übertragen werden. Schalamows karge, bezwingend klare und kluge Prosa aus dem Gefangenenlager im Permafrost von Kolyma, wo der Dichter selber 18 Jahre inhaftiert war, erzählt von Menschen, die frieren, hungern, Leichen fleddern, Hundefleisch kochen, den Grausamkeiten der Kommandanten und der Mithäftlinge ausgesetzt sind, von Jungen und Alten, die, dem Tod näher als dem Leben, in dieser Hölle ihre Werte und ihre Würde verlieren. Warum sollte man sich solchem Elend aussetzen? Vielleicht weil das Böse nicht verschwindet, sondern sich wiederholt, wie Schalamow geschrieben hat. Im Gulag genauso wie in Ost-Ghouta. sis

"Das ferne Land" im Münchner Volkstheater

Schauspiel von Jean-Luc Lagarce
Inszenierung: Nicolas Charaux
Premiere am 1. März 2018
Dauer: 2 Stunden 40 Minuten, eine Pause

Die Erinnerungen sind verblasst, die Harmonie ist hin. Auf den grau-verwaschenen Planen, mit denen Bühnenbildnerin Pia Greven den mit Kunstrasen grundierten Spielraum im Volkstheater begrenzt, zeichnet sich ein Familienhaus ab, als ob da mal ein Bild hing. Aber Spuren sind noch da, auch von den Menschen. Der 34-jährige Louis kommt nach Hause in die französische Provinz zurück, möchte noch mal vorbeischauen, bevor er, der Todkranke, aus dem Leben scheidet. Jean-Luc Lagarce hat sich mit dieser Figur verewigt – er selbst hatte Aids und starb 1995 in Paris, zwei Wochen, nachdem er "Das ferne Land" vollendete. Im Volkstheater ist nun Gregor Knop dieser Louis, ein blasser Kerl, der zurückhaltend auf all jene Familienmitglieder trifft, die er mit seinem Weggehen einst verletzt hat. Regisseur Nicolas Charaux macht aus der Vorlage einen feinsinnigen Reigen, bei dem die Lebenden und die Toten die verpassten Chancen ihres (Ex-)Daseins beklagen, aber auch noch mal ihre Vitalität feiern. In der Erinnerung bleibt man lebendig, auch wenn es oft nur Projektionen sind, wie die Live-Videos, die auf das Haus-Viereck übertragen werden. Ein toll gespieltes Stück, wehmütig, schön. mst

 

Premieren im Februar

"Ein Volksfeind" im Residenztheater

Schauspiel von Henrik Ibsen
Inszenierung: Mateja Koležnik
Premiere am 24. Februar 2018
Dauer: 1 Stunde 30 Minuten, keine Pause

Was nützt das Recht ohne die Macht? Ein enger Kasten aus Glasgängen und Beton dreht sich auf der Bühne. Man zwängt sich durch, keiner kommt heil davon. Der Kurarzt Stockmann (grandios: Thomas Schmauser) wird zum Oko-Wutbürger, als man Gift aus den Gerbereien im Kurwasser findet. Er mobilisiert Presse, Politik und Bürger. Sein Bürgermeister-Bruder (Thomas Huber) befürchtet den Sturz der Badeaktien und den Bankrott der Stadt durch teuren Umweltschutz. Es beginnt ein Kampf um kapitalistisches Kalkül gegen Verantwortung, um Engagement und Eigennutz. Es geht um Lügen, Mitläuferschaft und die Manipulation von Öffentlichkeit. Die Demokratie ist die Herrschaft der Dummen, sagt Stockmann, und driftet als Einzelkämpfer gefährlich ab in die Radikalität. Ibsen differenziert in seiner Parabel von Macht und Gesellschaft scharfsinnig die widersprüchlichen Verantwortlichkeiten, die keine einfache Konfliktlösung erlauben. Stark! Willkommen in der postdemokratischen Gegenwart. Jubel für Koležniks kluge und packende Inszenierung. avs

"Die Zauberflöte" im Gärtnerplatztheater

Oper von Wolfgang Amadeus Mozart
Musikalische Leitung: Michael Brandstätter
Inszenierung nach Rosamund Gilmore
Spielzeitpremiere 24. Februar 2018 
Dauer: ca. 3 Stunden, eine Pause

Wie schön, dass Rosamund Gilmores Inszenierung von 2010 ihren Zauber trotz der langen Spielpause keineswegs eingebüßt hat! Das Spiel von Liebe, Menschlichkeit, überwältigter Hinterlist und humanistischem Ideengut ist zur großen Freude des begeisterten Publikums mit jungen, frischen und spielfreudigen Sängern wieder zu erleben. In einem schlichten, wandlungsfähigen Bühnenbild erlebt man die Geschichte von Tamino, Pamina, und, als heitere Ergänzung in Sachen naiver Vitalität und Liebessehnsucht, die des Paares Papageno und Papagena. Die höhere Ebene verkörpern die (in der Premiere brillante) rachsüchtige Königin der Nacht und der Herrscher der Vernunft und Güte Sarastro. Die klar erzählte Geschichte wird gewürzt mit der "Eingreiftruppe" der drei Knaben (tolle Stimmen!) und durch die durchwegs präsenten sechs Fabelwesen, die mit ihrer Bewegungssprache das Geschehen kommentieren. Das bestens disponierte Orchester unter Michael Brandstätter verleiht der Musik Mozarts viel zarten Schwung, der diese Aufführung für die ganze Familie in jeder Hinsicht auszeichnet. s.l.

"My Fair Lady" im Gärtnerplatztheater

Musical nach Bernard Shaws "Pygmalion" und dem Film von Gabriel Pascal
Musik von Frederick Loewe
Musikalische Leitung: Andreas Kowalewitz
Inszenierung: Josef E. Köpplinger
Premiere am 13. Februar 2018
Dauer, 2 Sunden 45 Minuten, eine Pause

Das Experiment ist gelungen! Professor Higgins hat seine Wette gegen Oberst Pickering gewonnen, das Blumenmädchen Eliza ist eine hoffähige Dame geworden, jeder hat seine Lektion in diesem sprühenden Musical gelernt! In der Neuinszenierung von Intendant Josef Köpplinger wird dies zum großen Bühnenzauber: Bildhübsche Kostüme aus dem London um 1900 auf einer raffiniert wandelbaren Bühne, eine herrlich tanzende und singende Staffage aus den verschiedenen Gesellschaftsschichten, ein Vollblutkomödiant als Vater Doolittle (Robert Meyer), eine weise Grande Dame des Theaters als Mrs. Higgins (Cornelia Froboess), ein verschmitzt-charmanter Oberst Pickering (Friedrich von Thun) – das alles umgibt die zunächst bockig-grobe und schließlich in Gefühlen aufblühende Eliza und ihren Lehrer Professor Higgins, der neben der Sprachschulung an seinem „Opfer“ auch noch die Schule der Menschlichkeit durchlebt. Sowohl in Hochdeutsch als auch in der bayerisch-österreichischen Dialektmischung sprühen die Pointen und wechseln sich rasant ab mit den hinreißenden Melodien von Frederick Loewe. Standing Ovations! s.l.

 

Premieren im Januar

"Viktoria und ihr Husar" im Gärtnerplatztheater

Operette von Paul Abraham
Musikalische Leitung: Oleg Ptashnikov/ Andreas Partilla
Inszenierung: Josef E. Köpplinger
Spielzeitpremiere am 27. Januar 2018
Dauer: 1 Stunde 45 Minuten, keine Pause

Wohl selten in der Operettengeschichte spielt ein Stück so ausgefeilt auf zwei Ebenen: Die harte Realität eines russischen Straflagers wechselt mit einer bunten Traumwelt, die Raum und Zeit überwindet und sich große Emotionen gönnt. Beide verbindet die Sehnsucht nach Liebe, Glück, nach einer heilen Welt mit versöhnlicher Menschlichkeit. Die wunderbar vielfältige Musik von Paul Abraham, die hier von den hochmotivierten Mitgliedern des Ensembles mit allen stimmlichen Nuancen und mit ausgefeilter Körpersprache interpretiert wird und die raffiniert vielschichtige Inszenierung von Josef Köpplinger arbeiten genau diese Gegenwelten subtil heraus. So wechseln graue Gulagbilder mit der ausgelassensten Showbühne in imaginärer Japan-, Russland- oder Ungarnszenerie, rührende Sehnsuchts- und Liebessszenen mit heiterstem Geplänkel, grobe Realität mit höchst amüsantem Slapstick. Viele vergnügliche Momente sind der einfallsreichen Choreographie und deren perfekten Umsetzung durch Sänger und Tänzer zu verdanken. Mit "Reich mir zum Abschied noch einmal die Hände" noch im Ohr bedankt sich das Publikum berührt und begeistert. s.l.

"Heilig Abend" im Residenztheater

Schauspiel von Daniel Kehlmann
Inszenierung: Thomas Birkmeir
Premiere am 26. Januar 2018
Dauer: 1 Stunde 30 Minuten, keine Pause

Die Bombe tickt. 90 Minuten läuft die Bühnenuhr auf der plastikverhangenen Verhörbaracke, dann könnte eine Bombe hochgehen. Ein Gänsehaut-Psychoduell mit High-Noon-Effekt liefern sich der Verhörspezialist (Michele Cuciuffo ) und die terrorverdächtige Professorin (Sophie von Kessel), die am Heiligabend verhaftet worden ist. Ideen mit Sprengkraft knallen aufeinander. Der Protest gegen die soziale Ungerechtigkeit. Dagegen steht der Schutz vor dem Terror radikaler Killer. Freiheit gegen Sicherheit. Theorie und Praxis. Wann ist Gewalt als Mittel legitim? Wann totale Überwachung, Freiheitsberaubung, Todesopfer? Ein geschliffener, brennend aktueller Schlagabtausch zwischen System und Systemkritik vom Erfolgsautor Daniel Kehlmann. Begeisterter Beifall. avs

"Mein Kampf" im Münchner Volkstheater

Schauspiel von George Tabori
Inszenierung: Christian Stückl
Premiere am 25. Januar 2018
Dauer: 2 Stunden 40 Minuten, eine Pause

In einer schlichten Wiener Unterkunft, gebaut aus grobem Holz und aufgeheizt durch einen zentral liegenden Ofen (Bühnenbild: Stefan Hageneier), leben der Buchhändler Schlomo Herzl und der Koch Lobkowitz. Ihre Harmonie wird bald gestört: Denn von oben kommt über eine Treppe ein junger Kunststudent herab, der sich mit dem Namen Hitler vorstellt und sich bei ihnen einmietet. Der junge Hitler in einer WG mit zwei Juden – das ist die Prämisse von George Taboris „Mein Kampf“ von 1987. Christian Stückl inszeniert das Stück nun mit kraftvoll aufspielenden Darstellern: Jakob Immervoll gibt Hitler als cholerischen Lackl, dessen Boshaftigkeit immer mehr zu Tage tritt. Dem Koch Lobkowitz verleiht Timocin Ziegler heitere Unbeschwertheit. Und Pascal Fligg ist als Herzl das Herzstück des Abends: einer, der dem größtmöglichen Feind mit Humor und Nachsicht, gar Liebe zu begegnen versucht. Was immer schwerer fällt, bis gar die Frau Tod (Carolin Hartmann) erscheint. Stückl hält die Balance zwischen Farce und abgrundtiefer Tragödie, bis das Lachen im Halse stecken bleibt. mst

"Der Wildschütz" im Gärtnerplatztheater

Spieloper von Albert Lortzing
Musikalische Leitung: Michael Brandstätter
Inszenierung: Georg Schmiedleitner
Premiere am 20. Januar 2018
Dauer: 3 Stunden, eine Pause

Was kann man nicht alles mit der "Stimme der Natur" entschuldigen! Um der Braut zu imponieren, wildert der Schulmeister Baculus im gräflichen Tiergarten, ist andererseits durchaus bereit, eben diese Braut für 5000 Taler zu verkaufen. Um als junge Witwe einen möglichen neuen Ehemann zu testen, verkleidet sich die Schwester des Grafen als Bauernmädchen. Der notorische gräfliche Schürzenjäger buhlt zusammen mit seinem Schwager um seine unerkannte Schwester. Um der Langeweile zu entgehen, beschäftigt sich die Gräfin mit antiker Philosophie und der Eroberung ihres als "Stallmeister" auftretenden Bruders. Dieses heiter-erotische Tohuwabohu der biedermeierlichen Komödie entstaubt Regisseur Georg Schmiedleitner mit Hilfe einer geschickt, sehr variabel einsetzbaren Schießscheibe von Bühnenbildner Harald Thor - mit so manchem pikanten Hinweis auf das Brunftgehabe der Männer. Viele witzige Regiedetails würzen diese Geschichte der Wirrungen, die durch die Spielfreude und die kraftvolle musikalische Gestaltung des Ensembles noch zusätzlich gewinnt. Das Publikum schmunzelt und dankt mit viel Applaus. sl

"Der Streit" im Residenztheater/Cuvilliéstheater

Schauspiel von Pierre Charlet de Marivaux
Inszenierung: Nikolaus Habjan
Premiere am 13. Januar 2018
Dauer: 1 Stunde 30 Minuten, keine Pause

Wenn lebensgroße Puppen sich mit Leuchtaugen, wenn auch ohne Unterleib, in Liebesglut übereinander stürzen, motorisch und stimmlich von Schauspielern komplettiert, ist das erhöhtes Theatervergnügen, originell und grotesk. Eine komische Versuchsanordnung zwischen Labor und Märchenwald kreist um die Frage: Wer ist schuld, dass es zwischen Mann und Frau zu Liebe und Lust auch Untreue und Geschlechterkampf gibt? Marivaux spult in seiner Komödie von 1744 die Menschheitsgeschichte zurück auf den Anfang. Sechs Findelkinder werden zur Wahrheitsfindung in Isolation im Wald aufgezogen. Nur leider sind Eitelkeit, Verblendung und Betrug damit nicht aus der Welt. Der Puppenspieler-Shootingstar Nikolaus Habjan, der im November mit "F. Zavrel" wiederkehrt, spiegelt unsere Wahrnehmung auf mehreren Projektionsebenen zwischen lebenden Figuren und Puppen, unterstützt vom wunderbar ambivalenten Sänger-Musiker Kyrre Kvam. Es spielen Oliver Nägele und Mathilde Bundschuh. Ein "Theaterereignis" (SZ). Heftiger, anhaltender Applaus. avs

 

Premieren im Dezember

"Die Zirkusprinzessin" im Gärtnerplatztheater

Operette von Emmerich Kálmán
Textfassung für das Gärtnerplatztheater und Inszenierung: Josef E. Köpplinger
Wiederaufnahme im Stammhaus am 29. Dezember
Dauer: 2 Stunden 45 Minuten, eine Pause

Eine verwitwete russische Fürstin liebt einen Mann, den ein geheimnisvolles Schicksal aus der Bahn geworfen hat. Ein Wiener Hotelierssohn liebt eine Wiener Majorstochter. Wie macht man daraus eine witzige Operette? – Das Leben ist halt ein Zirkus! Also treffen alle in St. Petersburg zusammen, im Zirkus Stanislawski, wo die Angebeteten als tollkühner Kunstreiter "Mister X" und die recht selbstbewusste "Mabel Gibson" als Hundedresseurin ihren Lebensunterhalt verdienen. Der Intrigant Prinz Wladimir bringt alle zusammen und schafft es doch nicht, seine eigenen Heiratspläne zu verwirklichen. Erst beim Zirkus-Gastspiel in Wien lösen sich alle Rätsel und Missverständnisse. Intendant Josef E. Köpplinger macht aus dieser Geschichte mit seiner witzigen Regie einen besonderen Abend: Zehn zauberhafte Clowns begleiten als Spaßmacher, Akrobaten und Leitfiguren die heiteren Verwicklungen, so dass das Publikum Zirkusflair mit tiefen Gefühlen erlebt. Großer Premierenapplaus belohnte die Sänger und das bunte Zirkus-Spektakel. sl

"Il trittico" im Nationaltheater

Oper von Giacomo Puccini
Inszenierung: Lotte de Beer
Dirigent: Kirill Petrenko
Premiere am 17. Dezember 2017
Dauer: 3 Stunden 20 Minuten, eine Pause

Drei Einakter: Im suggestiv wechselnd beleuchteten Einheitsbühnenbild eines Trichters erzählt Lotte de Beer in "Il Tabarro – der Mantel" vom bedrückenden Leben Giorgettas und Micheles (Eva-Maria Westbroeck und Wolfgang Koch als verhärmtes Paar), das der frühe Tod des gemeinsamen Kindes belastet und im Mord am Liebhaber der Frau (ein Prachttenor: Yonghoon Lee) kulminiert. 
Schwester Angelica (mit größter Leidenschaft spielend und singend: Ermonela Jaho) verzehrt sich nach ihrem achtjährigen Sohn, den sie seit der Geburt nicht mehr gesehen hat. Ihr heftig bereuter Suizid wird durch eine himmlische Erscheinung vergeben. 
In der prallen Renaissance-Komödie "Gianni Schicchi" sichert sich das dreiste Schlitzohr des Titels (Ambrogio Maestri) in einem kühnen Erbbetrug die Sahnestücke eines bereits Toten und speist die gierige Verwandtschaft (ein exzellentes Ensemble in kleineren Partien) mit Kleinigkeiten ab. 
Kirill Petrenko findet für jeden Einakter bestechend klare, feine Farben und reizt die Dynamik zwischen brütendem Pianissimo und frei flutendem Fortissimo bis zum Anschlag aus. klk

"Priscilla - Königin der Wüste" im Gärtnerplatztheater

Musical, basierend auf dem gleichnamigen, fulminanten Kinoerfolg
Regie: Gil Mehnert
Musikalische Leitung: Jeff Frohner
Premiere am 14. Dezember 2017
Dauer: 2 Stunden 30 Min., eine Pause

Ein eher nachdenkliches Road-Movie aus den 70er Jahren, das in den 90ern als Musical mit allen erdenklichen Jukebox-Hits in Sydney, London und New York Furore machte, ist nun auch in München als deutschsprachige Erstaufführung angekommen und hat sich zu einer rasanten Show gemausert. Mit schmissigen Tanznummern (Choreografie Melissa King), einem effektvollen Bühnenbild (Jens Kilian), schriller Kostümausstattung (Alfred Mayerhofer), Diskoklängen wie „It’s Raining Men“ oder „I Will Survive“ und teilweise gepfeffert-witzigen Dialogen wird die Geschichte dreier Drag-Queens erzählt und weiterentwickelt: Tick, Bernadette und Adams haben alle ihre zutiefst menschlichen Gründe, warum sie sich mit ihrem klapprigen rosa Salonbus "Priscilla" auf den Weg durch Australiens Outback machen. Neben der Riesenshow zeigt Regisseur Gil Mehnert in subtiler Personenzeichnung, dass "die Seele weder männlich noch weiblich ist". 
Die Standing Ovations am Schluss der Premiere lassen erahnen, dass diese Produktion schnell Kultstatus erreichen wird. sl

"Trommeln in der Nacht" in den Kammerspielen

Schauspiel von/nach Bertolt Brecht 
Inszenierung: Christopher Rüping
Premiere am 14. Dezember

"Glotzt nicht so romantisch" bellen ringsum Transparente. Antiillusionistisch hängen hinterm Kleinbürgerinterieur die Sperrholzfassaden. Ein süffisanter Bänkelsänger säuselt Hits von gestern. Der Kriegsheimkehrer Kragler kommt 1922 in das aufständische Berlin zurück. Seine Verlobte ist schwanger von einem Kriegsgewinnler, die Familie schert sich nicht um Kraglers Dienst am Vaterland. Er wird sozialistischer Straßenkämpfer. Als seine Braut zu ihm zurückkehren will, drängt die Entscheidung: Für die linke Revolution weiterkämpfen? Oder lieber das private Glück? 
Aufgepasst: Hausregisseur Christopher Rüping ("Hamlet") serviert abwechselnd zwei Schluss-Pointen: die politische "nach" Brecht und die romantische "von" Brecht. In der erfrischend ironischen Inszenierung mit Lust am komischen Pathos und Gefühl sowie finaler Publikumsbeschimpfung glänzt das Ensemble, mit Wiebke Puls als krampfiger Mutter. Weiter so, Kammerspiele! Großer Beifall. avs

"Richard III" im Residenztheater

Tragödie von William Shakespeare
Inszenierung: Michael Thalheimer
Dauer: 2 Stunden 35 Min., eine Pause

Aus einer aschigen Geröllhalde kriechen sie von hinten auf die turmhoch düstere Bühne, die Finsterlinge dieses Horror-Staatsgebildes aus Angst, Verstellung, Wut und Misstrauen. Richard, Shakespeares übelstes Monster (grandios: Norman Hacker), ist als Herrscher ein GAU. Er ist Narzist und Heuchler, hemmungslos machtgeil und psychisch gestört, ohne Skrupel und Inhalte. Und doch fasziniert er, findet Verbündete. Er charmiert sogar Todfeindinnen bis ins Bett. Putscht sich Mord um Mord nach oben auf den Thron, steigt im Rosenkrieg-Intrigenstadel der Yorks und Lancasters an die Spitze. Sogar das Buckel-Handicap schwindet in einem Höllenritt egomanischer Gewalt, die um die kalte Erkenntnis kreist: „I am myself alone“. Michael Thalheimer vom Berliner Ensemble inszeniert das bestürzend heutig anmutende Gruseldrama hochexpressiv. 
Mit Sibylle Canonica, Anna Drexler u.a. Viel Beifall. avs

"Hänsel und Gretel" im Gärtnerplatztheater

Märchenoper von Engelbert Humperdinck
Kinderchor und Orchester des Staatstheaters am Gärtnerplatz
Inszenierung nach Peter Kertz; Wiederaufnahme
Musikalische Leitung: Anthony Bramall

Premiere am 2. Dezember
Dauer: 2 Stunden 10 Minuten, eine Pause

So frisch, wie das wiedereröffnete Haus am Gärtnerplatz strahlt, so erklingt schon die Ouvertüre aus dem Orchestergraben. Und wenn auch im Programmzettel bemerkt wird, dass es sich um die 487. Vorstellung seit der Premiere 1974 handelt, so hat die Inszenierung nach Peter Kertz nichts an Ausstrahlung verloren. Anthony Bramall leitet das Orchester mit weichem Klang, die junge Sängerbesetzung lässt stimmlich und darstellerisch keine Wünsche offen und das naturalistische, aber keineswegs kitschige Bühnenbild (Hermann Soher) bezaubert – vor allem im Wald und beim knorrigen Hexenhaus. Lebendige Gemälde, wie sie zur Entstehungszeit des Werks geschaffen sein könnten, lassen auch bei längeren Musiksequenzen keinen Moment der Langeweile aufkommen. Kleine und große Opernbesucher hält diese Aufführung voller Abwechslungen und kleiner Überraschungen im Bann, was sich im lang anhaltenden, begeisterten Beifall äußert. sl

 

 

Premieren im November

Wartesaal

Schauspiel nach dem Roman "Exil" von Lion Feuchtwanger
Inszenierung: Stefan Pucher
Premiere am 25. November 2017
Dauer: 3 Stunden 30 Minuten, eine Pause

Paris 1935: Künstler, Journalisten, Juden sind vor den Nazis in die französische Hauptstadt geflohen, versuchen eine neue Existenz. "Exil", geschrieben 1940, der letzte Teil von Feuchtwangers Roman-Trilogie "Wartesaal", entfaltet ein gewaltiges Tableau an Personen und Situationen, das in der Inszenierung von Stefan Pucher eine ebenso einleuchtende wie eindringliche Bühnenfassung bekommt. Als ein Redakteur der Exilantenzeitung "Pariser Nachrichten" nach Deutschland entführt wird, kämpft sein Nachfolger, Sepp Trautwein, mit kritischen Artikeln für dessen Freilassung. Trautwein ist eigentlich Komponist und gegen den Willen seiner Frau Anna zur Zeitung gegangen. Nazibonzen wollen auf das Blatt, das von einem deutschen Juden finanziert wird, bald erpresserisch Einfluss nehmen. Mittelpunkt der multifunktionalen Bühne mit Wartesaal wie im Bahnhof ist eine riesige Leinwand, auf die einzelne Szenen als live gedrehte Videos in schwarz-weiß projiziert werden – großartig anzuschauen. Wie der Zuschauer überhaupt der packenden Handlung und den beeindruckenden Akteuren wie gefesselt folgt. Eine überaus gelungene Regie für ein richtig gutes Schauspieler-Theater! Hingehen! sis

"Volpone" im Volkstheater

Komödie von Stefan Zweig nach dem Stück von Ben Jonson
Inszenierung: Abdullah Kenan Karaca
Premiere am 30. November 2017
Dauer: 2 Stunden 45 Minuten, eine Pause

Wie unschön, wenn allein die Gier nach dem Geld die Menschen umtreibt. Aber es ist so im Umfeld des reichen Venezianers Volpone, der selbst den Hals nicht voll genug bekommen kann. Mit Hilfe seines Dieners Mosca täuscht er vor, sterbenskrank zu sein, um die Erbschleicher, die ihn umgarnen, abzuzocken. Irgendwelche Bezüge zu den Auswüchsen des heutigen Kapitalismus muss Abdullah Kenan Karaca in seiner Inszenierung der Komödie von Stefan Zweig, der sich wiederum bei dem Shakespeare-Zeitgenossen Ben Jonson bediente, nicht herstellen. Gier ist zeitlos. Und es macht riesigen Spaß, dem Ensemble beim Ausspielen der Farce zuzuschauen. Ihre Figuren sind auch optisch angelehnt an die Commedia dell’arte, die Bühne verströmt den morbiden Charme eines Begräbnisinstituts. Als der wahre (Anti-)Held des Abends entpuppt sich Jakob Immervoll, der als hellwacher, ausgefuchster, tänzelnder Diener Mosca virtuos die Fäden in der Hand hält. Silas Breiding ist ein Volpone unter Dampf – ein Misanthrop, der irgendwann den Bogen überspannt, so dass selbst Mosca sich gegen ihn wendet. Ein Kampf der Betrüger – saukomisch, aber im Grunde tragisch. mst

"Martha" im Gärtnerplatztheater

Romantisch-komische Oper von Friedrich von Flotow
Inszenierung: Loriot †
Dauer: 2 Stunden 45 Minuten, eine Pause

Wohl keinem anderen als Loriot mit seinem subtilen Humor konnte es gelingen, eine so nahe an der Schnulze gelegene Opernhandlung mit so viel Ironie und erzählerischer Wahrhaftigkeit auf die Bühne zu stellen. Mit augenzwinkernden Regie-Details lockerte er die Geschichte zweier Damen aus bestem Hause im viktorianischen England auf, welche sich aus Langeweile als Hausmägde auf dem Markt von Richmond verdingen und dann nach Verstellung, Missverständnissen und menschlichen Verletzungen schließlich ihre Partner finden. Die Sänger – bestens besetzt, so dass all die beliebten Melodien nur so sprühen – bewegen sich gekonnt auf diesem doppelten Boden – sehr zur Freude des Publikums, das nicht mit Szenenapplaus spart. So spaßig die Szenerie ist, so ernsthaft zeigt sich die Hilflosigkeit der Figuren bei der echten Liebe: Da werden sie zu Marionetten einer höheren Macht, die sie aber dann doch zum guten Ende führt. Nur: Was ist das gute Ende? Die Frauen amüsieren sich, haben Spaß an ihrem Erfolg. Und die Männer? Sie sind hilflose Pantoffelhelden. sl

"Der Nussknacker" im Gärtnerplatztheater

Ballett, Musik von Peter I. Tschaikowsky
Choreografie: Karl Alfred Schreiner
Dauer: 2 Stunden, eine Pause

Ein Nussknacker ohne hölzernen grimmigen Nusszerbeißer als Requisit, ein Blumenwalzer ohne flirrende Tütüs und Spitzentanz, drei Liebespaare - die harte Mutter Frau Stahlbaum mit Patenonkel Droßelmeier, Stahlbaums Zofe mit dem Butler und eine erwachsene Klara mit ihrem Prinzen – kann das gehen? Ja, mit der hier uraufgeführten Choreographie von Karl Alfred Schreiner. Die Geschichte des Weihnachtsabends, der in Traumwelten mündet, ist tänzerisch gestaltet mit biegsamen Körpern, weit schwingenden Armen, geschmeidigen Verschränkungen und quirligen Hebungen. Die leicht verkitscht-anmutende Bühne (R. Adarpasic) und die phantasievollen Kostüme (A. I. Unfried) rücken - ebenso wie die überraschenden clownesken Einschübe - die Aufführung in die Nähe einer subtilen, liebevollen Parodie des klassischen Balletts. Allein die Musik bleibt rauschhaft dem Alten treu und schließt so den Kreis zu Bekanntem: frisch und kurzweilig für ein Publikum von 8 bis 80 Jahren! sl

 

Premieren im Oktober

"La Cenerentola" im Gärtnerplatztheater

Komische Oper von Gioachino Rossini
Inszenierung: Brigitte Fassbaender
Dauer: 3 Stunden, eine Pause

"Die Welt ist ein großes Theater – und wir sind alle Komödianten", singt Alidoro, der Mentor des Prinzen Ramiro im ersten Akt. Dieses Motto ist auch das Leitmotiv in Brigitte Fassbaenders Inszenierung von Rossinis "Aschenputtel"-Version. Schon im Libretto bleibt das Märchenhafte im Hintergrund, vielmehr stehen sich Gefallsucht und Bescheidenheit als Quelle wahrer Liebe gegenüber. Don Magnifico als Stiefvater und seine Töchter Tisbe und Clorinda geben köstliche Karikaturen ab, wie sie um die Gunst des Prinzen buhlen, nicht ahnend, dass dieser mit seinem Diener Dandini die Rollen getauscht hat. Aschenputtel Angelina bleibt trotz der Versuchung des Prunks, mit dem sie für das Fest beim Prinzen ausgestattet wird, das feinfühlende Mädchen, das am Ende sogar die Bosheiten ihrer Familie verzeiht. In quirligem, oft urkomischem Spiel gestalten die Sänger die komödiantischen Feinheiten der Regie, die durch genial treffende Kostüme und überraschende und erheiternde Bühnenbilder zusätzlich getragen werden. Sänger und Orchester meistern mit Brillanz alle irrwitzigen Tempi und musikalischen Verzierungen, was diese "opera buffa" zu einem begeistert beklatschten Genuss für Auge und Ohr macht. sl

"Le nozze di Figaro" im Nationaltheater

Oper von W. A. Mozart
Inszenierung: Christof Loy
Dirigent: Constantinos Carydis
Dauer: 3 Stunden 40 Minuten, eine Pause

Am Tag von "Figaros Hochzeit" werden die Karten immer wieder neu gemischt. Der auch auf den blutjungen Cherubino (Solenn‘ Lavanant-Linke) rasend eifersüchtige Graf (wunderbar bärbeißig: Christian Gerhaher) wird am Ende eines nächtlichen Versteckspiels selbst als Schürzenjäger enttarnt und bittet in den allerletzten Minuten seine Frau (sehr nobel: Federica Lombardi) um Verzeihung. Figaro (der quirlige Alex Esposito) bekommt seine Susanne (Olga Kulchynska) als Jungfrau zur Vermählung, denn der Graf muss notgedrungen auf sein einst verbrieftes "Recht der ersten Nacht" verzichten. Regisseur Christof Loy und Dirigent Constantinos Carydis haben Szene und Graben zu einem hintergründig komischen Geschehen eng verzahnt und wagen mit durchweg hervorragenden Sängern (darunter Anne Sofie von Otter) oft leise verhaltende Töne. Dem subtil, trocken und oft rasant aufspielenden Staatsorchester sind zwei differenziert mitagierende Tastenspieler an Hammerklavier und Cembalo beigesellt. klk

"Die Möwe" im Volkstheater

Drama von Anton Tschechow
Inszenierung: Christian Stückl
Dauer: 2 Stunden 45 Minuten, eine Pause

Nach neuen Theaterformen sucht der Jungdramaturg Treplow und hat ein Stück geschrieben, in dem die von ihm begehrte Nina die Hauptrolle spielt. Der Gesellschaft ringt sein Werk jedoch nur müden Applaus ab – und so scheitert Treplow (Oleg Tikhomirov) in Anton Tschechows „Die Möwe“, wie alle anderen nicht nur, was das Theater, sondern auch die Liebe angeht. In Christian Stückls Inszenierung zieht Julia Richter als Nina eine bizarre Strumpfhosen-Performance vor einem Publikum der Künstler ab, die Stefan Hageneier allein schon optisch per Kostüm und Perücke zu markanten Typen macht. Hageneiers Bühne hingegen erzählt mit seinen aufragenden Türrahmen plus Pfütze auf dem Boden von einer Melancholie, die in den Herzen lauert. Julie Ronstedt gibt spiellustig eine Diva alter Schule, Julia Richter ist eine Nina von leuchtender Präsenz, und selbst das Hausmädchen (Luise Deborah Daberkow) holt sich mit ihren Ticks viele Lacher ab. Deftige Komik, darunter liegt die Sehnsucht nach Anerkennung – mit der "Möwe" finden Stückl und sein Ensemble zu großer tragikomischer Form. mst

"Gloria" im Residenztheater

Schauspiel von Branden Jacobs-Jenkins
Inszenierung: Amélie Niermeyer
Dauer: 1 Stunde 45 Minuten, keine Pause

Sie sind jung, gut ausgebildet und desillusioniert. Als Assistent in der Kulturredaktion eines New Yorker Magazins hat man keine Festanstellung, der Weg nach oben ist von "alten Säcken" blockiert und den Nachruf auf die berühmte Sängerin darf eine noch jüngere Bloggerin schreiben. Der Frust, den die Endzwanziger Dean, Ani und Kendra im schicken Großraumbüro pflegen, entlädt sich in Zoff, Gezicke und Zynismus vor allem gegen die stille Gloria, die seit acht Jahren "Kommata verschiebt" und zu deren Party nur ein einziger Kollege gekommen ist. Nach Glorias Amoklauf tauschen sich die Überlebenden im Starbucks über ihre Buch- und Filmprojekte aus – ihre Chance, das Massaker medial auszuschlachten. Der 33-jährige Amerikaner Jacobs-Jenkins verpackt seine Kritik an der modernen Medien- und Arbeitswelt in ein flottes, pointenreiches Stück – mit einem besonderen Gag: Jeder ist austauschbar und kehrt, toll verändert, in einer anderen Rolle wieder: Gloria als Kulturchefin Nan oder Dean als IT-Nerd einer Filmfirma. Regisseurin Amélie Niermeyer lässt den Nachwuchs des Resi großartig aufspielen. Und trifft genau den richtigen Nerv, lobt die junge Theaterbegleitung begeistert. sis

"Die lustige Witwe" im Gärtnerplatztheater

Operette von Franz Lehar
Inszenierung: Joseph E. Köpplinger                                                                                                                           
Dauer: 2 Stunden 40 Minuten, eine Pause

Was muss eine gute Operettenaufführung heute bieten? Es soll nicht nur heiter und schwungvoll zugehen, auch psychologischer Tiefgang mit ein bisschen Schaudern und etwas Erotik dürfen nicht fehlen – und natürlich steht die Liebe im Vordergrund. All das bietet die Neuinszenierung von Josef E. Köpplinger mit seinem Team: Die reiche, von der Männerwelt umschwärmte Witwe Hanna Glawari sehnt sich nach wahrer Liebe und findet sie endlich beim Grafen Danilo, und auch die "anständige verheiratete Frau" des Gesandten genießt es, abseits der langweiligen Ehe angebetet zu werden. Das Schaudern bleibt dabei nicht aus, denn der Tänzer und Choreograph Alan Cooper lenkt als allgegenwärtiger Tod das quirlige Geschehen vor dem drohenden Unheil des 1. Weltkriegs. Dabei ist Raum genug für großen Spielwitz der hervorragenden Solisten, für komische Tanzeinlagen, für das Spiel mit zum Teil doppelter Travestie (der Diener Njegus wird von einer Frau gespielt, die wiederum als Mann einen grotesken Cancan tanzt!), für geistreiche Regie- und Bühnenbilddetails. Dazu klingen zart und doch schwungvoll aus dem Orchestergraben die zauberhaften Lehar-Ohrwürmer. Ein gelungener Operetten-Einstand im wieder eröffneten Gärtnerplatztheater. sl

"Mittelreich" in den Kammerspielen

Schauspiel nach dem Roman von Josef Bierbichler
Inszenierung: Anta Helena Recke
Dauer: 2 Stunden 25 Minuten, eine Pause

Frenetisch bejubelt wurde Anta Helena Reckes Neubesetzung des Epos um Erbe und Bigotterie, Nazis und Fremdheit mit farbigen Schauspielern, Sängern und Musikern. Leider soll diese Fassung nur wenige Male aufgeführt werden. Anschauen! Die frische Neuversion von Sepp Bierbichlers wuchtiger, autobiographisch geprägter bayerischer Dorf- und Wirtsleutesaga, die den Bogen vom 1. Weltkrieg bis zum Wirtschaftswunder spannt, will zu Recht auf die einseitige Besetzung deutscher Theaterensembles mit weißen Schauspielern hinweisen. Ein wirklich multikulturelles Anti-Heimat-Stück vor abblätternder käsegelber Wand mit viel Brahms-Musik, in dem Sinnsuche, Aufbegehren und Sehnsucht drei Generationen antreiben und immer wieder scheitern. Wow! avs

Premieren im September

"Das Schlangenei" im Cuvilliéstheater

Schauspiel von Henrik Ibsen
Inszenierung: Anne Lenk
Dauer: 2 Stunden, keine Pause

„Vielleicht ist die auch gut, diese neue Bewegung, über die alle reden.“ Kein Satz von voriger Woche, sondern vom November 1923, als eine Packung Zigaretten Millionen kostet, Hitlers Putsch scheitert und die jüdischen Zirkusartisten Abel und Max Rosenberg mit dessen Frau Manuela in Berlin stranden. Anne Lenk hat aus Bergmans Film „Das Schlangenei“, den der berühmte Regisseur 1977 während seiner Münchner Jahre drehte, ein hellsichtiges Drama über den aufkommenden Faschismus und eine Gesellschaft in Angst und Auflösung inszeniert, nie plump, immer klug, dazu spannend wie ein Krimi und glänzend gespielt. Allen voran Franz Pätzold als Abel und als Erzähler, dauerrauchend und dauerpräsent, mit flackerndem Blick und herausragender Sprechkunst. Bruder Max hat sich erschossen, Manuela (Nora Buzalka mit Pagenschnitt wie Liza Minelli) hält sich in einem billigen Varieté über Wasser. Schließlich landen beide in der Klinik des zwielichtigen Jugendfreunds Vergérus, wo Schreckliches geschieht. Lenk erfindet surreale Bilder und schöne Zirkusmomente, und unter fragiler Oberfläche zeichnet sich schon die Katastrophe ab. Schlimme Zeiten und sehr gutes Theater. sis

"On the Road" in den Kammerspielen

Schauspiel nach dem Roman von Jack Kerouac
Inszenierung: David Marton
Dauer: 2 Stunden, keine Pause

Freiheitsdurst und Sehnsucht nach dem Unbekannten trieb sie an, die wilde Nachkriegsgeneration der 50-er Jahre. Kerouacs Kult-Reiseroman wurde zur Fanfare im Kampf gegen politischen Mief und Konformismus, gegen Weltkrieg und Atomwaffen. Die Jugendbewegung der Beat Generation (Burroughs, Ginsberg, Cassidy) war geboren und machte sich mit Sex, Drogen und Jazz quer durch Amerika auf die Suche nach dem wahren Leben, nach Rausch, Freiheit und Erleuchtung. Mit virtuosen Bebop- und Jazzeinlagen verwandelt Regisseur David Marton ("La Sonnambula") Kerouacs musikalisch schwingende Prosa in ein locker gefügtes improvisatorisches Musikdrama zwischen hohen Backsteinwänden. Mündet die zukunftssichere Utopie in Katerstimmung, in ein neues Establishment mit religiösen Akzenten? "Auf den Weg" nach der verlorenen Zeit des Aufbruchs machen sich zum Saisonauftakt der Kammerspiele Thomas Schmauser („Kaufmann von Venedig“, „Der Spieler“), Hassan Akkouch, Jelena Kulji? und Julia Riedler. Wir fahren mit. avs

"Romeo und Julia" im Volkstheater

Schauspiel von William Shakespeare
Inszenierung: Kieran Joel
Dauer: 2 Stunden

Was ist heute bloß los mit der Romantik, mit dem Gedanken an die eine große Liebe, von der Shakespeare in „Romeo und Julia“ erzählt? Auf der Bühne des Volkstheaters, von der Treppen nach außen führen, eine auch in den Zuschauerraum hinein, quält sich Romeo noch damit, dass er sich in Rosalinde verguckt hat, während sein Kumpel Mercutio (die famos witzige Luise Kinner), ihm schon mal Horrorszenarien entwirft, wie eine Beziehung unweigerlich ausgeht: Scheidung, Sorgerechtsstreit, Tod. Und Graf Paris, den Max Wagner schön schnöselig spielt, hat Julia auf einem Dating-Portal gefunden. Aber wo ist die Liebe? Der junge Regisseur Kieran Joel nimmt sich frisch und ideenreich des Klassikers an, wechselt mit seinem Ensemble zwischen verspielter Ironie und recht traditioneller Darstellung im Geiste Shakespeares. Silas Breiding wirft sich als Romeo mit voller Wucht in die Leidenschaft (und in den Witz), während Carolin Hartmann eine wunderbar bodenständige Julia gibt. Auch wenn der Abend etwas abrupt in der Tragödie endet: Ein großer, liebevoller, lustvoll gespielter Spaß. mst

"Kinder der Sonne" im Residenztheater

Schauspiel von Maxim Gorki
Inszenierung: David Bösch
Dauer: 2 Stunden

Draußen grassiert die Cholera, drinnen kreisen die Gebildeten um ihre eigenen Befindlichkeiten. Der Chemiker Protassow, den Norman Hacker mit freundlicher Zerstreutheit an seinen Experimenten und am Leben scheitern lässt, will die Menschen, diese „Eiweiß-Klümpchen“, zu „Kindern der Sonne“ wachsen lassen, während sich seine Frau Jelena (Hanna Scheibe) von ihm vernachlässigt und zum expressiven Kunstmaler Wagin (Aurel Manthei) hingezogen fühlt. Regisseur David Bösch ließ eine vor sich hinbröckelnde Halle bauen mit wissenschaftlichen Darstellungen an den Wänden und einem Flügel, der nie gespielt wird. Ein unwirtlicher Ort für ein moderates Unglück, an dem alle, die hier ständig kommen und gehen und mit den Türen klappern, ein wenig leiden und gern darüber reden. Einzig Protassows nervenkranke Schwester Lisa, die von der jungen Mathilde Bundschuh mit der Klarsicht einer Kassandra ausgestattet ist, warnt vor einem gewaltbereiten Mob, weil niemand die Nöte der Menschen draußen wahrnimmt. Viel Applaus für eine Inszenierung, die fast wie eine Boulevardkomödie daherkommt und doch das Sozialdrama nicht aus den Augen verliert. sis

 

 

Die TheaGe-Kritiken zu den Premieren der vergangenen Spielzeit 2016/17

 

Jesus Christ Superstar im Gärtnerplatztheater München / Foto: Marie-Laure Briane

 

"La Strada" im Gärtnerplatztheater / Foto: Marie-Laure Briane

 

 

"Don Juan" von Frank Castorf im Residenztheater München / Foto: Matthias Horn

 

  

 

"Parsifal" mit Jonas Kaufmann in der Bayerischen Staatsoper / Foto: Wilfried Hösl

 

Semele im Gärtnerplatztheater München / Foto: Thomas Dashuber

  

 

 

"What they want to hear" in den Münchner Kammerspielen / Foto: Thomas Aurin

  

  

 

"In den Straßen keine Blumen" am Münchner Volkstheater / Foto: Gabriela Neeb

  

 

"Der tapfere Soldat" im Gärtnerplatztheater München / Foto: Christian Pogo Zach

 

 

 

"Aus einem Totenhaus" an der Bayerischen Staatsoper im Nationaltheater / Foto: Wilfried Hösl

  

 

 

 

"Don Giovanni" im Gärtnerplatztheater / Foto: Thomas Dashuber

 

Don Karlos im Residenztheater München / Foto: Matthias Horn

Don Karlos im Residenztheater München / Foto: Matthias Horn

  

"Schöne neue Welt" im Volkstheater München / Foto: Arno Declair

 

  

"Im Weißen Rössl" im Gärtnerplatztheater München / Foto: Christian Pogo

 

 

 

 

 

 

"Der Vater" in den Münchner Kammerspielen / Foto: Thomas Aurin

 

 

"Don Pasquale" im Gärtnerplatztheater / Foto: Christian Pogo Zach

  

 

Junk im Residenztheater München / Foto: Thomas Aurin

  

  

 

 

Pumuckl am Gärtnerplatztheater München / Foto: Christian Pogo Zach

  

 

 

"No Sex" in den Münchner Kammerspielen / Foto: Julian Baumann

 

 

 

 

Maria Stuarda im Gärtnerplatztheater / Foto: Christian Pogo Zach

 

 

Les Vêpres siciliennes / Foto: Wilfried Hösl

Les Vêpres siciliennes / Foto: Wilfried Hösl




 

Kammerspiele München: Die Attentäterin /© Judith Buss



 

"Jean" im Gä#rtnerplatztheater München / Foto: Marie-Laure Briane

"Antonín" im Gärtnerplatztheater München / Foto: Marie-Laure Briane

 

 

Am Kältepol - Erzählungen aus dem Gulag im Cuvilliéstheater München/ Foto: Matthias Horn

 

 

Das ferne Land im Münchner Volkstheater / Foto: Gabriela Neeb

 

 

 

 

 

 

Ein Volksfeind im Residenztheater / Foto: Mathias Horn

 

Die Zauberflöte im Gärtnerplatztheater / Foto: Marie-Laure Briane

 

Die Zauberflöte im Gärtnerplatztheater / Foto: Marie-Laure Briane

 

 

My Fair Lady im Gärtnerplatztheater / Foto: Marie-Laure Briane

 


 

 

 

 

Viktoria und ihr Husar im Gärtnerplatztheater München / Foto: Christian Pogo Zach

Viktoria und ihr HUsar im Gärtnerplatztheater München / Foto: Christian Pogo Zach

 

Heilig Abend im Residenztheater München / Foto: Thomas Aurin

 

 

Mein Kampf im Münchner Volkstheater / Foto: Arno Declair

 

Der Wildschütz im Gärtnerplatztheater München / Foto: Christian Pogo Zach

 

Der Wildschütz im Gärtnerplatztheater München / Foto: Christian Pogo Zach

 

 

Der Streit / Foto: Thomas Dashuber

 

 

 

 


Die Zirkusprinzessin / Foto: Christian Pogo Zach
 

 

 

 

 

 

 

Nationaltheater: Il trittico / © Wilfried Hösl















Gärtnerplatztheater: Priscilla - Königin der Wüste / © Marie-Laure Briane











Münchner Kammerspiele: Trommeln in der Nacht / © Julian Baumann












Residenztheater: Richard III / © Matthias Horn











Gärtnerplatztheater: Hänsel und Gretel / Foto: Christian POGO Zach


 

 

 

 

 


"Wartesaal" in den Münchner Kammerspielen / Foto: Arno Declair


 

 

 




Volkstheater: Volpone /© Gabriela Neeb











 

Gärtnerplatztheater: Martha/ © Christian POGo Zach










 

Gärtnerplatztheater: Der Nussknacker / © Marie-Laure Briane












Gärtnerplatztheater: La Cenerentola / © Christian POGO Zach














Nationaltheater: Le nozze di Figaro / © Wilfried Hösl












Volkstheater: Die Möwe / © Arno Declair










 

Residenztheater: Gloria / © Adrienne Meister












 Gärtnerplatztheater: Die lustige Witwe / © Marie-Laure Briane

 


 

 

 

 

 Mittelreich / Foto: Judith Buss

 

 

 

 

 Das Schlangenei / Foto: Aurin

 
 

 

 

 

 On the Road / Foto: David Baltzer

 

 
 

 

 

 Romeo und Julia / Foto: Volkstheater

 

 

 
 

 

 Kinder der Sonne / Foto: Thomas Dashuber

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