TheaGe München Theater und Kultur in München - Anmelden und dabei sein
Theater und Kultur in München - Anmelden und dabei sein

Theatergemeinde München

Kulturvielfalt zum ermäßigten Preis

Theatergemeinde München

Kulturvielfalt zum ermäßigten Preis

I mog Di, Hellas!

Spätsommer. Das Kulturleben der schönen, schwierigen Stadt befindet sich im Ferienmodus. Es ist – und war immer – die Stunde der Freiluft-, der Open-Air-, der Outdoor-Events. An Kiesstränden. Unter Brücken. Auf Wiesen, Zeltplätzen, in temporären, provisorischen, vom Charme des Flüchtigen umwehten Arealen. Und natürlich der kleinen, der privaten, alternativen Theater, die ihre nischenhaften Programme zeigen, während Resi und Co. hinter verschlossenen Türen die Spielzeiteröffnung proben. Nachmittags-Jazz im Innenstadtgärtchen vom Hofspielhaus. Carmina Burana, Son Cubano oder, wie zuletzt 2016, die mitreissenden Freiheitskompositionen von Mikis Theodorakis im gefühlt stets vollmondbeschienenen Brunnenhof der Residenz. Kraftvolles, altbayerisches Traditionsschauspiel im Florianstadel vor den Toren der Stadt in Andechs. Und natürlich altgriechische Tragödien und Komödien bei Pita und Wein vor der Kulisse der Propyläen, wo der barberinische Faun träumt, im vital pochenden klassizistischen Herzen der Stadt.

Beles Adam im Innenhof der Glyptothek / Foto: Ludo Vici

Am 27.8. wäre in diesem Jahr der Tag gewesen, an dem Du vorhattest, genau dort zu sein. Dein Plan war, im Schein der spätsommerlichen Abendsonne auf Dein Rad zu steigen, zum Königsplatz zu fahren und im efeubewachsenen Innenhof der Glypthotek an einem der neuerdings, aus Gründen des Gesundheitsschutzes numerierten Tische Platz zu nehmen. Gerne hättest Du vom bereitgestellten Weißbrot und Rotwein genommen, um dann zusammen mit zahlreichen Philhelleninnen und -hellennen aus dem Teilnehmerkreis der traditionsreichen Kultureinrichtung, für die Du arbeitest und schreibst, zu erleben, wie die große, alte, wunderbare Gauklerin Beles Adam flamboyant kostümiert aufs Granitsteinpflaster tritt und drei der berühmtesten von Christine Brückners „Ungehaltenen Reden ungehaltener Frauen“ spricht und spielt. Vor allem das, was Beles in melodramatischem Schwarz mit zurück geworfenem Witwenschleier als fluchbeladene Atridengattin Klytemnästra zu Füßen ihres von ihr selbst ermordeten Gemahls vorzubringen gedachte, hätte Dich sehr interessiert.

Jedoch. Das Virus mit der Krone ist ganz offensichtlich ein Olympier, denkst Du, als Du am fraglichen Tag frühmorgens in den sintflutartigen Starkregen vor Deinen Fenstern starrst. Ein Abkömmling von Ur-Gott Chaos, dem Anemoi, Horen, Moiren und Nymphen, die kapriziösen Naturgottheiten der Antike unterstellt sind, um nach seinem Belieben den Un-Sommer 2021 zu erschaffen. Sonnenlose, einheitsgraue Tage. Dramatische Wechselspiele zwischen Gewitterdräuen, Orkanböen und beinahe alttestamentarischen Wolkenformationen am Abendhimmel. Jedenfalls keine Wetterlage für Straßenkünstler und Freilichtevents. Mit unverkennbar klarem Auftrag: das niedergerungene Kulturleben der schönen, schwierigen Stadt weiterhin am Boden zu halten. Um 15 Uhr wird Beles Adams geplanter Auftritt abgesagt. Von ihrem Mann und Spielpartner, dem Chef des Glypthotek-Theaters Gunnar Petersen persönlich. „Es ist zu kalt. Alles hat seine Grenzen“ sagt er am eigens eingerichteten „Regentelefon“ mit leiser, altersmilder Stimme.

Nicht ohne meine Fleecedecke im Kultursommer 2021

„Ja“ antwortest Du und wanderst danach ein wenig einsam durch die Zimmer in Deinem Haus. Gegen Abend hüllst Du Dich in eine Fleecedecke ein, ziehst die Taschenbuchausgabe von „Wenn Du geredet hättest, Desdemona“ aus dem Wohnzimmerregal, schlägst Seite 155 auf und beginnst zu lesen: „Die nicht überlieferte Rede der Klytemnästra an der Bahre des Königs von Mykene“. Ins Sofa gekauert. Langsam. Methodisch. Immer die rauhe, kehlige Stimme von Beles Adam im Ohr. Von Regengüssen, die Gärten zerstören werden, liest Du. Von Menschenopfern für günstigen Wind. Von Erdbeben und Kriegen. Von Mohn und Kamille, die auf Grabhügeln blühen. Von Blitzen, Flammen und Trümmern. Von brennender Heide, von Feuerstaffetten und Kriegen, die übers Meer getragen wurden. Von der Hybris unreifer, kriegslüsterner Männer und der Resignation sich selbst überlassener, vernachlässigter Frauen. Einfach von dem, wie es war, wie es ist und immer sein wird, solange machthungrige Jungs aus nichtigem Anlass ihr Arsenal gegen die Welt richten.

In den ersten Septembertagen von Jahr 2 der pandemischen Zeitrechnung lassen die Unsterblichen dann doch noch ein wenig Gnade walten und senden, kurz vor dem Ende des Theatersommers der Glypthotek Licht, Wärme und leuchtende Farben über die Gefilde der schönen, schwierigen Stadt. Gleichzeitig geruhen sie, den längst in die Reihen der Ihren gehörenden Volkshelden, Freiheitskämpfer und Musik-Erschaffer Mikis Theodorakis ins Eleisyon zu geleiten. Ein lokaler Klassik-Hörfunkanbieter Deiner Heimatstadt würdigt das Geschehen am Vormittag des 2.9.2021 mit der von Stanley Black und dem London Festival Orchestra besonders packend dargebotenen Version von Zorbas Tanz. „Danke, Mikis“ denkst Du, während Du mit tränenblinden Augen ein paar unbeholfene Sirtaki-Schritte in Deiner Küche probierst und Dich dabei an die wilden Kreis- und Reihentänze erinnerst, die Anfang der 80er Jahre bei Konzerten des Meisters vor der Bühne des Circus Krone Baus stets stattzufinden pflegten, wenn er im schwarzen Seidenhemd mit rabenflügelgleich ausgebreiteten Armen zum Dirigat der Zugabensession seiner größten Gassenhauer ansetzte.

Beles Adam / Foto: Ludo Vici

Einen Tag später, am Abend des 3.9.21 ist es schließlich soweit: die Strahlen der Abendsonne erwärmen das Garteidyll im Inneren der Antikensammlung und tauchen die bronzene Replikation der Athena-Statue des Kresilas aus Kydonia frontal zum Bühnenlaufsteg in güldenes Licht. Für zwei kurze Stunden ist alles gut und (fast) so, wie es seit mehr als 25 Jahren ist: Beles erscheint und füllt den Auftrittsort mühelos mit ihren raumgreifenden Gesten und ihrem dunkel timbrierten Organ. Sie faucht. Sie kichert. Sie kokettiert. Sie flirtet. Sie schimpft. Sie rafft die Röcke. Sie blickt ins Glas. Sie lässt den Witwenschleier wehen, sie paradiert durch die Sitzgruppen und ist bei und in allem was sie sagt und tut: ganz Frau, ganz Königin, ganz alte Löwin in der Steppe. Zusammen mit einem Ehepaar aus dem Teilnehmerkreis der traditionsreichen Kultureinrichtung, für die Du arbeitest und schreibst, sitzst Du an einem der vordersten Tischchen, teilst Begeisterung, Ergriffenheit und eine Flasche guten, wirklich sehr, sehr guten, im Kartenpreis inbegriffenen Cabernet Sauvignon. „Prost, Hellas! I mog Di!“ denkst Du, als Du gegen 23h leicht schwankend auf Deinem Rad nach Haus fährst.  

 

Kommentare (0)


Kommentar schreiben:




Erlaubte Tags: <b><i><br>Kommentar hinzufügen:



Facebookseite der TheaGe TheaGe bei Twitter Instagram - TheaGe München YouTube - TheaGe München Wikipedia-Artikel über die Theatergemeinde München RSS Feed der TheaGe München

Unser Angebot Veranstaltungen Kultur-Extras Spielstätten Ihre TheaGe
Ihre Vorteile Suche & Bestellung TheaGe-Extras Deutsches Theater Kontakt
Kulturaufruf Last-Minute Tickets Kulturreisen Gasteig Newsletter
Nachmittags-Abo Oper in München Tagesfahrten Kammerspiele Blog
Konzert-Abos Schauspiel in München Führungen Nationaltheater Formulare für Meldungen
Familien-Abos Konzerte in München TheaGe in der Residenz Prinzregententheater Außenstellen 
Geschenk-Abos Tipps & aktuelle Meldungen 's Münchner Jahr Residenztheater Geschichte
Kultur-Gutschein Monatsprogramm Kino Treff Rio Volkstheater Presse
Anmeldung Stückebeschreibungen Ihr Kultur-Bonus und viele mehr... Partner und Links
Werbeprämie       Bund der Theatergemeinden

 

Unsere Kulturpartner:

Deutsches Theater    I mog Di, Hellas!     I mog Di, Hellas!      I mog Di, Hellas!      Logo Münchner Kammerspiele     I mog Di, Hellas!       I mog Di, Hellas!    I mog Di, Hellas!     I mog Di, Hellas!     Logo In Muenchen     I mog Di, Hellas!

und viele mehr...


Impressum | AGB | Widerruf  | Datenschutz | Sitemap 

 

Newsletter abonnieren