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Kulturvielfalt zum ermäßigten Preis

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Kulturweihnacht 2020

Zusammen mit allen anderen Bewohnern der schönen, schwierigen Stadt, und vor allem mit den Künstlern, die in ihr leben, gehst Du dieser Tage durch eine Vorweihnachtszeit, wie keine zuvor jemals war. Kein-Nachten. Allein-Nachten. Das ist Euch allen aufgebürdet am Ende des Jahres 2020. Es gibt kein Winter-Tollwood, mit seinem Duft nach exotischen Gerichten aus aller Welt am Rande der Theresienwiese. Kein Glitzern. Kein Roncalli-Flair. Kein fröhliches Vorglühen mit Hot Caipis und Lumumbas. Es gibt zwar Live Streams aber kein Live-Erlebnis mit Nussknacker-Suite, garstiger Knusperhexe und umjubelter Koloratur-Sopranistin als Königin der Nacht an der Bayerischen Staatsoper. Und keinen Brandner Kasper, der im Volkstheater mit dem Boandlkramer beim Kerschgeist zockt. Denn, leider, das habt Ihr nun alle gelernt: das Virus mit der Krone lässt sich nicht beim Grasoberln austricksen. Das Virus mit der Krone kann man nicht unter den Tisch saufen. Kein Theaterzauber der Welt wird es bannen.

Weihnachtliches Notenmaterial eines Tölzer Knaben / Foto: Dr. Ursula Wiest-Kellner

Deshalb wird es in diesem Jahr auch kein traditionelles Weihnachtskonzert des Tölzer Knabenchors im Herkulessaal der Residenz geben.Weder Händels „Messiah“ noch das Weihnachtsoratorium von Bach werden erklingen. In der einzigartigen, frech-frischen Intonation der hochmotivierten 10- bis 15-jährigen, die zu normalen Zeiten stets in der dritten Adventswoche die Jubelgesänge eines dieser beiden Weltwerke anstimmten. Es werden keine stolzen Väter und keine bangenden Mütter im Publikum mitverfolgen, wie ihr Sohn im schwarzen Chordress nach vorne kommt, um seine erste große Solopartie zu meistern. Man wird kein Engels-Terzett hören. Keine Hirtenmelodie. Kein innig gesungenes Rezitativ. Kein junger Bassbariton wird vom Tönen der Posaune künden. Niemand wird ergriffen nach dem großen „Amen“-Schlusschor applaudieren. Niemand wird danach im Franziskaner feiern. Es wird einfach nur leer, kalt und still sein im Herkulessaal kurz vor dem vierten Advent. Die Tölzer Knaben, sie dürfen nicht singen. Sie sitzen daheim.

Still ist es dieser Tage natürlich auch in den Karten-Verkaufsräumen der traditonsreichen Kultureinrichtung, für die Du arbeitest und schreibst. Niemand drängt herein, um ein Last-Minute-Geschenk-Ticket abzuholen, einen Kulturgutschein fürs kommende Jahr zu buchen oder en passant von vergangenen Konzert-Erlebnissen zu schwärmen. In Zweier-Teams betreut Ihr die Kundentelefone, die meistens hartnäckig schweigen. Ohne zwischendurch mal in eine für alle bereitstehende Plätzchendose greifen zu können, so wie es im letzten Jahr noch der Fall war. Stattdessen erinnert Ihr Euch gegenseitig daran, das Handdesinfektionsspray zu benutzen, so oft es geht. Und umtanzt einander in possierlichen, mäandernden Bahnen auf Eurem Weg zum Kopierer oder zum Drucker-PC. Gelegentlich schaut der Geschäftsführer bei Euch vorbei, um mit seiner ruhigen, leisen Stimme ein paar aufmunternde Worte an Euch zu richten. Blasser als sonst, hinter der dunklen Gesichtsverhüllung. Akkustisch schwer zu verstehen. Aber Du bist froh, dass er da ist.

„Was man tief im Herzen trägt, kann man nicht verlieren“ heißt es. Und das Wissen um die Schönheit von Kunst, die heilende Kraft von Kultur, die tragt Ihr alle im Herzen, die Ihr in Verbindung steht zur traditionsreichen Kultureinrichtung, für die Du arbeitest und schreibst. Jeder einzelne Eurer mehr als 20.000 Teilnehmer und Teilnehmerinnen, trägt den einen großen, persönlichen Moment mit sich, der ihn irgendwann prädestinierte, zum Kulturfreund zu werden. Und der ihm oder ihr hinweghelfen wird über die Zeit der Einschränkungen und Verbote. Du selbst wirst an Heilig Abend 2020 allein zu Hause sein. Du wirst Dir im Schein des Kaminofenfeuers vor dem Wohnzimmerspiegel mit einem Glas Prosecco zuprosten und dabei an alles denken, was Dir im zurückliegenden Jahr verloren ging. Du wirst das Weihnachtsoratorium in der Version des Tölzer Knabenchors auf CD anhören. Du wirst versuchen, die Choreinsätze mitzudirigieren. Und bei der Alt-Arie „Schlafe mein Liebster, genieße der Ruh“ wirst Du weinen.     

Kommentare (3)

  1. F.U. R.-E.:
    27. Dezember 2020

    Ein beeindruckender Text der gut verdeutlicht, was für eine "stade" Zeit wir dieses Jahr hatten und haben - und wieviel mehr wir alle Kultur genießen werden, wenn sie wieder stattfinden darf.

    2020 war ein "Nicht-Jahr", ein Jahr des Nichts, ein Jahr, das aus der Zeit gefallen ist. Wir werden noch lange die Auswirkungen davon spüren, aber vielleicht lehrt es uns auch, das höher zu schätzen, was wir haben und haben dürfen, gerade wenn es immateriell ist.

    Herzlichen Dank, dass es euch, liebes Team der Theatergemeinde, gibt. Ihr seid ein Leuchtturm und Memorium in diesen Zeiten!

    Antworten

  2. Catull:
    29. Dezember 2020

    Wie schön, dass mitten im Herbst dieses eher schwierigen als schönen Jahres eine Theatersirene ihre Stimme erhob, um wortgewaltig, in unkonventionellem Stil, voller Wehmut und Zuversicht in uns wachzurufen, was zu entgleiten droht: Unvergessliche Kulturdarbietungen und Theaterabende, die im Zusammenspiel von Künstlern und Publikum die Kraft entfalten, die bei allem Getöse um künstliche Intelligenz und Online-Portale nur ein Ort vermitteln kann, der schon zu Sirenenzeiten der Schauplatz dafür war: die öffentliche Bühne.
    Hoffen wir, dass sie 2021 wieder auflebt und freuen uns auf die Begleitung durch die TheaGe und auf neue Eindrücke aus diesem Blog.

    Antworten

    1. Ursula Wiest-Kellner:
      31. Dezember 2020

      Chapeau, Catull!

      Antworten


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