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Melancholia Herbst 2020

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| Tags: Theater, Kammerspiele

Einen der letzten intensiven, magischen Abende, bevor an den Theatern Deiner schönen, schwierigen Stadt alles anders wurde, verbrachtest Du am 26. Februar 2020 in den Kammerspielen. Gegeben wurde: „Melancholia“. In der Inszenierung von Felix Rothenhäusler, nach dem Endzeitepos des Dogma-Filmers Lars von Trier.

Mit etwa 700 Zuschauern, unter denen sich, wie Du erst später erfuhrst, auch der Geschäftsführer der traditionsreichen Kultureinrichtung befand, für die Du arbeitest und schreibst, teiltest Du den empathischen Moment, in dem die Schauspieler*innen Eva Löbau, Julia Riedler, Majid Feddah und Thomas Hauser mit kreuzweise ineinander verschlungenen Händen frontal zum Publikum an der Bühnenrampe saßen und dem Zusammenstoß der Erde mit dem aus seiner Umlaufbahn geratenen Planeten Melancholia entgegenharrten. Gelassen. Würdevoll. Vollkommen bei SICH. Trotz, oder gerade wegen der Schwere des Verlusts von allem. Die, dessen warst Du damals sicher, jede einzelne Person im Publikum streifte oder traf.

Kolleginnen von Dir waren zur gleichen Zeit in der Komödie im Bayerischen Hof gewesen, um die Premiere des Boulevard-Musicals „Wechselspiel der Liebe“ zu erleben. Und das damit verbundene Stelldichein der farbenfroh gekleideten Fernsehprominenz vergangenener Tage auf den marmornen Wandeltreppen und im Foyer. Um einen Blick aufs Premierenbuffet zu werfen, das an kaum einem anderen Theaterhaus Eurer schönen, schwierigen Stadt opulenter ausfällt als hier. Und wenn, dann nicht so. Mit dieser Grandezza alter Schule, diesem gebrochenen Charme einer versunken geglaubten Ära, die hier stets aufs Neue schillert und ihr eigenes Andenken, die Erinnerung an sich selbst dabei feiert. Als Partylocations noch „Night Club“ oder „Discotheque“ hießen, und die angemessene Kleidung Smoking oder Abendkleid.

Ganz einfach die große, die goldene, die leider schon etwas länger zurückliegende Zeit. Wie unmittelbar die aktuelle Zeit vor dem Versinken stand. Und wie golden sie war. Das ahnte niemand am Abend des 26.2.2020. Das kulturelle Leben Eurer Stadt, es blu?hte und gedieh. Voller Verheißung auf immer neue, faszinierende Events.

An der Staatsoper bereitete man sich auf das Performance-Highlight „Seven Deaths of Maria Callas“ vor. Marina Abramovic als Wiedergängerin der Diva Callas im siebenfachen Durchleben von gesungenem Liebesschmerz und Tod. Wow! Ballettfreund*innen im Teilnehmerkreis der Kultureinrichtung, für die Du arbeitest und schreibst, freuten sich indessen auf die Wiederaufnahme von „Schwanensee“.

Aber auch Karten für Wayne McGregors dreiteilige choreographische Auseinandersetzung mit Identität, Grenze und Raum waren an den Telefonen Eures Ticket-Büros heiß begehrt. „I'm on cloud nine in seventh heaven! Can you pick me up please!“ simste einer Eurer langjährigsten Teilnehmer am Tag, nachdem er „Kairos“, „Borderlands“ und „Sunyata“ auf einem von Dir empfohlenen Platz in Parkett, Reihe 17 nicht miterlebt, nein, regelrecht MIT-ERSCHWEBT hatte. Ihr konntet Menschen glücklich machen. Das Leben war schön.

Am 29.2.2020 ereignete sich dann noch, wiederum in den Kammerspielen, die Uraufführung des Stücks „Passing – It's so easy was schwer zu machen ist“ von Rene Pollesch. „Achtung, Tarantula“ flüsterte jemand in den Reihen vor Dir, als der floral bestickte Bühnenvorhang hochging und den Blick auf eine monstro?se, arachnoide Metalkonstruktion freigab, die die dargestellte Welt als dystopisches Herrschaftsgebiet mutierter Spinnen auswies. Und das Schauspielteam der Kammerspiele, angeführt von der aus Berlin angereisten, im Harlekinskleid auftrumpfenden Pollesch-Exegetin Kathrin Angerer als entpersönlichte Träger von Ideen und Diskursen. Mit nurmehr erratisch aufblitzenden Erinnerungen an ein fernes, heiles „Früher“.

Danach, auf der Straße, warst Du froh, Deine kleine Welt so vorzufinden, wie Du sie kanntest: angeregt plaudernde Personengrüppchen vorm Blauen Haus. Prachtmeilenatmosphäre schräg gegenüber. „Puh. No Passing“ dachtest Du, als Du mit dem Rad durch die kalte Nacht nach Haus fuhrst.

Du freutest Dich schon auf „Dionysos Stadt“ am 14. März. Zum dritten Mal wolltest Du dabei sein, wenn Jochen Noch als Schicksalsgöttin Moira über 45 Minuten hinweg den „Schiffskatalog“, die Aufstellung der gen Troia fahrenden griechischen Streitmächte aus der alten Ilias memoriert.Im Rhythmus von Matze Pröllochs Techno-Beats. Und wenn Benjamin Radajpur während der Orestie als weiss überkalkter Todesengel durch die Zuschauerreihen geht und pantomimisch Menschen niederschießt. Bei Deinem letzten Besuch am 5. Januar hatte er auf Dich gezielt. Dann aber in letzter Sekunde jemand anderen „ge-ext“.

Zu all dem kam es jedoch nicht mehr. Denn Moira hatte etwas anderes beschlossen. In der zweiten Märzwoche des Jahres 2020 erreichte das Virus mit der Krone im Namen die Tore Eurer schönen, schwierigen Stadt. Es klopfte an. Und die schöne, schwierige Stadt, sie öffnete ihre Tore und ließ das Virus ein. Und dann wurde es sehr bald sehr dunkel und sehr still an allen Theaterhäusern und Spielorten Eurer schönen, schwierigen Stadt.

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