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Theatergemeinde München

Kulturvielfalt zum ermäßigten Preis

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Oh, Priscilla ...

Erstarrt. Eingefroren unter einem schattierungslosen, bleigrauen Himmel. Als habe die Wintersonnenwende nicht stattgefunden. So dämmert die schöne, schwierige Stadt in den ersten Tagen des Jahres 2021 einer unklaren Zukunft entgegen. Theater- und Restaurantbesuche, Konzerte und Opernevents, und mit ihnen das Klirren von Sektgläsern, das eilige Ersteigen von Marmortreppen in hochhackigen Schuhen, das Lachen und sich Begrüßen, das Promenieren im Foyer, das Blättern in Programmheften, das Hinausblicken aus klassizistischen Fenstern auf die leuchtende, spektakuläre Kulisse der Stadt, all das scheint nur noch als ferner, unerfüllbarer Traum, als äonenweit zurückliegende Erinnerungsphantasie zu existieren. Gefühlt ist es Lichtjahre, Centennien und Aber-Centennien her, dass Du am Arm Deines Mannes oder eines Freunds auf der Freitreppe des Gärtnerplatztheaters standest und einen Blick auf das belebte Brunnen-Rondell zu seinen Füßen warfst, bevor Ihr hineinschrittet, um die Premiere von „My Fair Lady“ oder von „Priscilla“ zu erleben.

Die herrlich schrägen Drag-Queen-Outfits aus der stets frenetisch umjubelten Inszenierung des Schwulen-Musicals. Die neonfarbigen Federboas. Die glitzernden Pailletten-Suits. Die monströsen Perücken. Die Highheels. Die filigran bestickten Schmetterlingsflügel. Die sündigen, schwarz glänzenden Ballett-Tutus. Die Cup-Cake-und-Muffin-Kostüme. Oh ja, und auch die Country- und Western-Style-Kluft. Sie alle kämen jetzt wieder zum Einsatz, denkst Du. Sie würden an edlen Männerkörpern blinken und glitzern zum Anfang des Jahres, wenn es am Gärtnerplatz hieße: „Priscilla-Time!“ Wenn die Gay-Szene aus dem gleichnamigen Stadtviertel sich ein Stelldichein gäbe, um in dem pittoresken zweiten Staatsopernhaus der Stadt ihren Lifestyle zu feiern. Wenn, ja wenn es ein normaler Jahresbeginn wäre, an den Theatern der schönen, schwierigen Stadt. Und nicht eine Zeit, in der das morbid schillernde Diadem des Virus mit der Krone alles andere überstrahlt. Und die Gewänder von „Priscilla, Königin der Wüste“ in den Fundus verbannt.

Gärtnerplatztheater / Foto: Michael Heidinger

Die Bürgersteige im einst so quirligen, bunten Quartier der Regenbogen-Szene sind hochgeklappt, genau wie überall sonst in der schönen, schwierigen Stadt. Nach 21 Uhr darf keine Fummeltrine mehr über das Kopfsteinpflaster balancieren, keine coole Frau-die Frauen-liebt mehr um die Häuser ziehen, und schon gar kein Hetero-Pärchen sich bei einem Longdrink im „Faun“ oder in der „Bar Garçon“ in die Augen schauen. Die „Deutsche Eiche“, Mutter aller Schwulenlokale der Stadt, gewesene Heimstatt einer Generation von Paradiesvögeln und Freaks, hält ihre Türen verschlossen. Rund um die Uhr, Tag für Tag. Ganz nach Vorschrift. Niemand darf niemanden treffen. Niemand darf niemanden sehen. Auch nicht in einem der hübschen Schani-Gärten, die von vielen Lokalbetreibern mit Heizpilzen ausgestattet wurden, in der Hoffnung, dort im Winter gefahrlos Menschen bewirten zu können. Nirgendwo.

Majestätisch, scheinbar unberührt von den Unbilden der Zeit, ragt die architektonische Sensations-Silhouette von „The Seven“ aus dem verwaisten Feier-Quartier. Doch auch der Wohnturm-Solitär, der im Jahr 2013 aus dem entkernten Maschinen-Tower des ehemaligen Fernheizkraftwerks entstand, ist seiner martialischen Optik zum Trotz, nicht gegen die Anfechtungen des Virus mit der Krone gefeit. Im Penthouse-Apartment direkt unter dem Flugdach mit den fünf markanten Kaminen dürfen keine Gruppenbesuche beim Wohnungsinhaber und Chef der „Deutschen Eiche“ mehr stattfinden. So wie damals, im Herbst 2018, als die gesamte Belegschaft der traditionsreichen Kultureinrichtung, für die Du arbeitest und schreibst, dort zu Gast war. Und bei Prosecco und Salzgebäck der „Augenführung“  von Dietmar Holzapfel über die 56 Meter tief liegenden Sehenswürdigkeiten der schönen, schwierigen Stadt bis an den Rand des Alpenpanoramas folgten. Fasziniert. Begeistert. Nicht ahnend, einer Veranstaltung beizuwohnen, die dieser Tage verboten wäre ...

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