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Theatergemeinde München

Kulturvielfalt zum ermäßigten Preis

Theatergemeinde München

Kulturvielfalt zum ermäßigten Preis

Premieren im Juni 2018

Münchner Kammerspiele

What the want to hear
Schauspielprojekt von Lola Arias mit dem Open Border Ensemble
Inszenierung: Lola Arias
Uraufführung am 22. Juni 2018

Du fliehst aus dem einen Land und landest in einem anderen. Wenn Du dort ankommst, hast Du keinen Pass, keine Fotos, keine Papiere, keine wie auch immer gearteten Dokumente, die beweisen würden, wer Du bist und wieso Du geflohen bist. Du hast nur Deinen Körper und eine Geschichte. Die Genfer Flüchtlingskonvention von 1951 stellt fest, dass jede Person, die in ihrem Land verfolgt wird, das Recht auf Asyl hat. Der wichtigste Teil des Asylverfahrens ist ein Interview, das ein/e Staatsbedienstete/r, ein/e ÜbersetzerIn und der / die AntragstellerIn hinter verschlossenen Türen führen. Die Glaubwürdigkeit des/r AntragsstellerIn wird anhand seiner / ihrer Worte und Gesten beurteilt und jedes Wort wird schriftlich festgehalten, wie ein kleines Kammerspiel. Wie sagst Du, was sie hören wollen? Welche Gesten, Stillen oder Gefühle werden Dein Schicksal bestimmen? Wie erzählst Du jemandem eine glaubwürdige Geschichte, der / die Dein Land nur von Goolge Maps her kennt? "What They Want to Hear" basiert auf der Geschichte eines syrischen Mannes, der seit vier Jahren ohne irgendeinen Status in den Fängen der Bürokratie feststeckt. Es ist ein Projekt, das in einer Zeit sich schließender Grenzen aus der Zusammenarbeit von syrischen und deutschen SchauspielerInnen, AktivistInnen und Geflüchteten entsteht. In deutscher, arabischer und englischer Sprache, mit Übertitelung.

Münchner Volkstheater

In den Straßen keine Blumen
Schauspiel von Charlotte Roos nach Texten von Federico García Lorca
Inszenierung: Pınar Karabulut
Uraufführung am 21. Juni 2018

Im Werk des andalusischen Dramatikers und Lyrikers Federico Garcia Lorca haben die Frauen immer eine zentrale Rolle gespielt: als Kämpfende inmitten einer Männergesellschaft, die ihnen den Atem raubt, gegen die sie revoltieren, mit meist tragischem Ausgang. Lorcas Heldinnen sind in einzelnen Stücken verstreut, aber vielleicht hätten sie ja gemeinsam als solidarische Frauengruppe noch effektiver Widerstandskraft? Die Theaterautorin Charlotte Roos hat sich jedenfalls einzelne Damen aus dem Lorca-Kosmos herausgepickt, um sie in ihrem neuen Stück "In den Straßen keine Blumen" zusammenzuführen, darunter die Braut aus "Blutshochzeit", die in ihrer Hochzeitsnacht alles riskiert, um mit ihrem Ex-Lover abzuhauen. Ebenso verwegen ist die junge Regisseurin Pinar Karabulut, die das Stück mit neun DarstellerInnen im Volkstheater zur Uraufführung bringen wird. Karabulut hat zuletzt in "Dogtown" einige Figuren von Herbert Achternbusch witzig aufeinandertreffen lassen. Nun darf man eine Show der Lorca-Frauen erwarten, ideenreich und mit emanzipatorischem Drive. mst

Münchner Volkstheater, Kleine Bühne

Das blaue blaue Meer
Schauspiel von Nis-Momme Stockmann
Inszenierung: Philip Klose
Premiere am 14. Juni 2018

Darko ist gefangen. Gefangen in der Sozialbausiedlung, in der er aufgewachsen ist. Gefangen in der Alkoholsucht, die ihn zerfrisst. Gefangen in äußeren und inneren Zwängen. Er sehnt sich danach zu fliehen – blickt in die Ferne zu den Sternen, um Hoffnung zu schöpfen – allerdings vergeblich. Er bleibt ein Verlierer und Außenseiter aus einem Problem-Viertel. Jemand ohne intakte Familienverhältnisse und ohne Halt im Leben. Gebunden an die kalten Strukturen der Siedlung erscheint ihm nur der Suizid als einziger Ausweg. Doch genau in dem Moment als er versucht, sich das Leben zu nehmen, taucht plötzlich Motte auf. Es gelingt ihr, ihn davon abzuhalten. Sogar noch mehr: Mit Motte kehrt die verloren geglaubte Hoffnung in Darkos Leben zurück.
Nis-Momme Stockmann wurde im Jahre 2010 von "Theater heute" zum Nachwuchsdramatiker des Jahres gewählt. "Das blaue blaue Meer" ist sein zweites Stück, ein dramatisches Werk voll poetischer Kraft, verstörend und berauschend.

Residenztheater

Don Juan
Schauspiel von Molière
Inszenierung: Frank Castorf
Premiere am 29. Juni 2018

Castorf-Wochen in München: Nach der Janáček-Premiere an der Staatsoper Ende Mai inszeniert der Regie-Titan aus Berlin auch gleich noch am Residenztheater. Und wie schon bei seinem "Soldat Svejk" dürfte es wieder ein langer und komplexer Abend werden, denn Castorf verwendet ein Stück quasi als Grundlage, um weitere, ganz unterschiedliche Texte und Regieeinfälle hinzuzufügen. Auf diese Weise erzählt er uns immer auch von unserer Zeit. Don Juan, ein spanischer Adeliger, stromert mit seinem Diener durch Sizilien, um Frauen aufzureißen. Er ist einer, der gegen alle geltenden Normen verstößt und gesellschaftliche und religiöse Wertvorstellungen verachtet, einer, dem Gott, König und alle Vaterfiguren gleichgültig sind, einer von rücksichtsloser sexueller Gier. "Ich habe einen natürlichen Hang, mir bei allem, was mich anzieht, keine Schranken zu setzen", sagt Don Juan. Und man versteht sofort, dass eine solche Figur ohne Grenzen einen großen Regisseur braucht, der auch im Theater gern Grenzen sprengt – und stets mit herausragenden Darstellern wie hier mit Bibiana Beglau arbeitet. Gegenwartstheater vom Besten, vielleicht auch zum kontrovers Diskutieren. sis

Gärtnerplatztheater

Der tapfere Soldat
Operette von Oscar Straus
Inszenierung: Peter Konwitschny
Musikalische Leitung: Anthony Bramall
Premiere am 14. Juni 2018

Der Komponist Oscar Straus, der um die Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert etliche Operetten schrieb und nicht zur Walzer-Dynastie der "Sträuße" gehört, hat als Vorlage für den "Tapferen Soldaten" George Bernard Shaws Komödie "Helden" gewählt. Die ältere Generation wird sich noch an O.W. Fischer und Liselotte Pulver in dem gleichnamigen Film erinnern, mit dem Zweit-Titel "Der Pralinésoldat". In einer bulgarischen Kleinstadt um 1866 langweilen sich die Damen, bis ein "geflohener Soldat", der Schweizer Geschäftsmann Bumerli, die Herzen zweier junger Frauen mit Charme und seiner Liebe zu Pralinés erobert. Als Vater und Verlobter siegreich heimkehren, bleiben Missverständnisse und Eifersüchteleien nicht aus; sie münden in einer Forderung zum Duell. Doch das Familienoberhaupt wird das Schlimmste abwenden und Bumerli als Schwiegersohn freudig aufnehmen. Für die Neuproduktion der Operette konnte erstmals der europaweit erfolgreiche Regisseur Peter Konwitschny gewonnen werden, die "köstliche" Musik wird Anthony Bramall dirigieren. sl

Nationaltheater

Parsifal
Oper von Richard Wagner
Inszenierung: Pierre Audi
Musikalische Leitung: Kirill Petrenko
Premiere am 28. Juni 2018

Wagners Bühnenweihfestspiel und "Weltabschiedswerk" wurde einzig für das Bayreuther Festspielhaus und seine durch den verdeckten Orchestergraben besondere Akustik komponiert und sollte auch nur dort aufgeführt werden. Aber seit Ablauf der Schutzfrist ist "Parsifal" von den Opernhäusern der Welt nicht wegzudenken, obwohl er in seinem vieldeutbaren Gehalt und in seinen geistig-musikalischen Dimensionen für Regisseure wie Sängerdarsteller|innen nach wie vor eine enorme Herausforderung darstellt. Wer ist die zwischen der Gralswelt und dem Zauberer Klingsor wandelnde "Höllenrose" Kundry, wer "der reine Tor" Parsifal (Jonas Kaufmann)? Gralskönig Amfortas (Christian Gerhaher) scheint in seinem körperlichen wie seelischen Leiden, das das Ausleben seiner Sexualität ihm verursacht hat, am ehesten als Mensch nachvollziehbar, während auch Gurnemanz (René Pape) als allwissender Erzähler und Mit-Leidender verschiedene Aspekte des Seins verkörpert. klk

 

  

Münchner Kammerspiele /  Foto: Gabriela Neeb

 

 

 

 

Münchner Volkstheater / Foto: Wikimedia Creative Commons

 

 

 

 Volkstheater / Foto: Wikimedia Creative Commons, Maximilian Doerrbecker

 

 

 


Residenztheater / Foto: Kellermann

 

 

 

 Gärtnerplatztheater / Foto: Christian POGO Zach

 
 

 

 


Bayerische Staatsoper im Nationaltheater / Foto: Wilfried Hösl

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