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Theaterkritiken Spielzeit 2020/21

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Premieren im November 2021

Münchner Kammerspiele

Jeeps

Komödie in 3 Akten von Nora Abdel-Maksoud
Inszenierung: Nora Abdel-Maksoud
Premiere am 21. November 2021
Dauer: 1 Stunde 30 Minuten, keine Pause

Jeeps / Foto: Armin Smailovic

Diese beißende Realsatire übers Erben, über Hartz 4 und eine übermächtige Bürokratie ist treffsicher bis zur Kenntlichkeit. Eine furiose Karacho-Komödie voll sprachwitziger Pointen trotz ernstem Kern. Der sozialkritische Brandsatz – 400 Milliarden werden jährlich vererbt, jedes fünfte Kind ist arm – zündet im kalten Neonlicht eines grünlichen Jobcenters, in dessen Drehtüren die vier hinreißenden Akteure immer wieder genretypisch festklemmen. Alle Erbschaften sind vom Staat konfisziert worden. Per Lotteriezettel kann jeder eine neue losen. Die Reichen, die in der spätkapitalistischen Neiddebatte eben noch ihre Privilegien runter rechneten, paniken jetzt in Verarmungspose. Der zynischen bis durchgedrehten Bürokratie ausgeliefert sind auch die arbeitslosen „Opferwürste“, die sich von Billigsemmeln am Leben halten. „Geld ist immer mit Scham besetzt, egal ob man zu wenig hat oder zu viel.“ Das ist klug, bitterböse und amüsant. Großer Beifall, unbedingt anschaun!   avs
 

Münchner Volkstheater

cloud*s*cape (UA)

Eine Trap-Oper von Tobias Frühauf (UA)
Inszenierung: Philipp Wolpert
Premiere: 19. November 2021
Bühne 2
Dauer: 1 Stunde 25 Minuten, keine Pause 

cloud*s*cape / Foto: Arno Declair

Weit oben leuchtet das Wort „Zukunft“ über der Bühne 2 im Volkstheater. Von einem Glaskasten aus lenkt Zukunftsminister Dr. Kassler die Geschicke einer Wüstenmetropole, deren Hochhäuser in einem Videobild unter der Sonne glänzen. Die Polkappen schmelzen, was Kassler auszunutzen weiß, indem er mit dem Gletscherwasser sowohl den Durst der Eliten stillt als auch die Produkte seiner eigenen Hamburger-Kette veredelt. Gegen Kassler (herrlich schmierig: Andreas Posthoff) rebellieren ein paar Umweltaktivisten, die sich zunächst in virtuellen Cloud-Welten verlieren und dann angetrieben von einem hippen Influencer (Jonathan Müller) zu radikalen Methoden greifen. Mit „cloud*s*cape“ legen Tobias Frühauf (Text und Dramaturgie) und Philipp Wolpert (Regie) eine gesellschaftskritische „Trap-Oper“ vor, in der sie auch die „Fridays for Feature“-Generation kritisch beleuchten. Die Spielszenen wechseln sich mit fulminanten Musiknummern ab, die das Ensemble gemeinsam mit einem Drummer und Rapperin Antifuchs performt. Der Beat des Traps reißt mit. Auf geht’s zu einer neuen Revolution! mst
 

Münchner Kammerspiele

Eure Paläste sind leer (all we ever wanted) (UA)

Schauspiel von Thomas Köck
Inszenierung Jan-Christoph Gockel
Premiere am 13. November 2021
Dauer: 3 Stunden, eine Pause

Eure Paläste sind leer (all we ever wanted) / Foto: Armin Smailovic

Welttheater zum Nachdenken, warum wir „nicht aus der Geschichte lernen“, nicht „umkehren“, allem Wissen zum Trotz. Und das im wunderbar poetischen Sprachfluss des hochgelobten Dramatikers Köck und in der opulenten Bilderflut von Regisseur Gockel mit grandiosen Schauspieler*innen und Musiker*innen und hinreißenden Puppen. Am Anfang spiegeln wir Zuschauende uns in einem bekannten Theater, dem Balkon des Schauspielhauses samt Jugendstilvorhang, längst zur Ruine ver-kommen. Welch Einfall! Diesen leeren Palast durchwandert immer wieder Teiresias, der/die blinde Seher*in, alles vorhersagend, aber nie eingreifend. Nicht als die grausame (Puppen)-Armee der Konquistadoren in Brasilien ihr Unwesen treibt und nicht bei der Opiat-Epidemie in den USA, die Kon-zerne reich und Menschen süchtig macht. „Missa in cantu“, Messgesang, heißt der Stück-Untertitel, doch Christentum und Kapitalismus –  riesig leuchtet das gelbe M von McDonalds - bringen keine Erlösung, im Gegenteil. Überall nur noch Gespenster. Vielschichtig! sis
 

Münchner Volkstheater

Der Selbstmörder

Schauspiel von Nikolai Erdman
Inszenierung: Claudia Bossard
Premiere am 6. November 2021
Bühne 1
Dauer: 1 Stunde 40 Minuten, keine Pause

Termine & Tickets

Der Selbstmörder / Foto: Gabriela Neeb

Die Party ist vorbei, das Leben aber (noch) nicht. Auf der Bühne im Volkstheater liegen rote Pappbecher und Schnipsel herum; die Darsteller wirken mit ihren Augenringen, langen Haaren und löchrigen Klamotten wie abgewrackte Hippies nach einer durchzechten Nacht. Claudia Bossard aktualisiert „Der Selbstmörder“ (1928) des sowjetischen Dramatikers Nikolai Erdman zu einer Satire über unser narzistisches Zeitalter. Dass der arbeitslose Semjon (Lorenz Hochhuth) sich mit seiner Frau Mascha (Carolin Hartmann) streitet und die danach glaubt, er wolle sich umbringen, ist schnell in aller Munde. Diverse Interessensgruppen, die Intelligenzija, der Klerus, machen sich nun an Semjon heran, weil sie seinen Suizid für ihre Zwecke nutzen wollen. Der Egomane fühlt sich geschmeichelt, bereitet sich unterstützt von den anderen aufs Sterben vor. Und Claudia Bossard lässt ihr Ensemble von der Leine: Helene Fischers „Atemlos durch die Nacht“ erklingt, Nina Steils fetzt furios den Ösi-Schlager „Zruck zu dir“ und auch sonst wird jede Todesangst weggefegt, erfrischend lebenslustig und sehr unterhaltsam. mst
 

Premieren im Oktober 2021

Bayerische Staatsoper

Die Nase

Oper von Dmitri Schostakowitsch
Inszenierung: Kirill Serebrennikow
Musikalische Leitung: Vladimir Jurowski
Premiere: 24. Oktober 2021
Dauer: ca. 2 Stunden, keine Pause

Termine & Tickets

Die Nase / Foto: Wilfried Hösl

Statt seiner Nase verliert der Polizei-Major Kowaljov sein Fatsuit, also die dicke Polsterung unter seiner Uniform, die ihm im bitterkalten, schneeverwüsteten St. Petersburg Schutz vor der Kälte, aber auch Macht verleiht in einer Gesellschaft, für die Nase(n) Statussymbole sind. Als er ein ganz normaler Mensch geworden ist mit schlankem Körper und intaktem, offenem Gesicht, macht ihm dies große Angst und er ist panisch bemüht, wieder ein funktionierendes Rad im anonymen, brutalen Polizeistaat zu werden. Bis zum versuchten Suizid reicht die Verzweiflung, doch am Ende ist alles wie zu Beginn. Zur grellen, schrägen, aufreizend viele Volten schlagenden Musik des 24-jährigen Schostakowitsch, die das Staatsorchester scharf und enorm präzise, wie mit dem Skalpell geschnitten, bietet, gibt es auf der Bühne allzu viel Überbordendes, zumal das Volk uniform aussieht mit aufgeklebten Nasen-
Pflastern, als hätten es kollektiv eine Schönheits-OP eher schlecht als recht überstanden. klk

Residenztheater

Graf Öderland 

Eine Moritat in 12 Bildern von Max Frisch
Inszenierung: Stefan Bachmann
Premiere: 22. Oktober 2021
Dauer: 1 Stunde 35 Minuten, keine Pause

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Graf Öderland / Foto: Birgit Hupfeld

Ein bühnengroßer Traum-Trichter lässt die Figuren wie durch einen düsteren Geburtskanal schlittern und zieht uns in eine surreale Psychogroteske von expressionistischer Kraft. Warum wird Staatsanwalt Martin zum Wutbürger? Ein Mord ohne Motiv geschieht und schießt den erfolgreichen Bürger aus seiner Umlaufbahn. Unerträglich scheinen auf einmal die überregulierte Zivilgesellschaft und der politische Machtfilz, Hyper-Konsum und Karrierezwang. Martin greift zur Axt. Er wird zum mythischen Freiheitshelden Graf Öderland für die vermeintlich zu kurz Gekommenen, die prekären Existenzen der Wohlstandsgesellschaft. Treibt Martin die Lebensgier in den Gewaltrausch oder die Sehnsucht nach privater Freiheit oder der Idealismus? Er tötet seine Frau und ihren Anwalts-Lover und verliebt sich in die schöne Coco, das schillernde Groupie der Mächtigen. Max Frischs Lieblingsstück ist ein fulminanter musikalischer Horrortrip mit hypnotischem Sog, sprachwitzig und makaber – und mit beklemmend aktuellen Anklängen an Querdenker, Pegida, Kapitolstürmer. Endlich live nach der Netzpremiere! Riesenapplaus.  avs
 

Münchner Volkstheater

Gymnasium. Eine Highschool-Oper (UA)

Musical von Bonn Park und Ben Roessler
Inszenierung: Bonn Park
Premiere am 17. Oktober 2021
Bühne 1
Dauer: 1 Stunde 30 Minuten, keine Pause

Termine & Tickets

Gymnasium / Foto: Arno Declair

Es muss um die zwischenmenschlichen Beziehungen schlecht bestellt sein, wenn ausgerechnet ein Vulkan zum besten Freund wird. Hoch ragt der Rauch und Konfetti ausspuckende Berg in die Höhe der Hauptbühne im neuen Volkstheater (das ja über einen beachtlichen Bühnenturm verfügt). Eine Wissenschaftlerin (Lioba Kippe) werkelt liebevoll an ihm herum, während unten das bunte Schulleben tobt. In dem als „Highschool-Oper“ bezeichneten Stück „Gymnasium“ nehmen sich Regisseur Bonn Park und Komponist Ben Roessler die heikle Zeit der Jugend vor, mit den üblichen Typen: vom Athleten (Lukas Darnstädt) über den Nerd (Max Poerting) bis hin zum Mauerblümchen (Henriette Nagel). Die Ausstattung ist prächtig, die Geschichte witzig-morbide, die Musik klasse. Unten im Orchestergraben spielen die Akademist*innen der Münchner Philharmoniker, auf der Bühne unterstützt der Bayerische Landesjugendchor die singenden Darsteller. So ein Musical zwischen Kitsch und Parodie, Pop-Zitat und Kritik an der postfaktischen Welt hat man im Volkstheater noch nicht gesehen. Stark kultverdächtig… mst

Münchner Volkstheater

Unser Fleisch, unser Blut (UA)

Schauspiel von Jessica Glause; Inszenierung: Jessica Glause
Premiere am 16. Oktober 2021
Bühne 2
Dauer: 1 Stunde 45 Minuten, keine Pause

Termine & Tickets

Trailer

Unser Fleisch, unser Blut / Foto: Arno Dclair

Wenn schon, denn schon: Dass das neue Volkstheater mitten im Schlachthofviertel steht, hat Jessica Glause sich als Steilvorlage genommen, um gemeinsam mit fünf Ensemblemitgliedern über das Züchten, Schlachten und Verzehren von Tieren nachzudenken. Dafür hat Glause mit diversen Menschen aus der Fleischproduktion gesprochen und aus dem Interviewmaterial einen Text gebastelt, den man nun in „Unser Fleisch, unser Blut“ aus dem Munde der Darsteller hören darf. Als Tiere kostümiert erscheinen sie auf der herrlich weitschweifigen Bühne 2 des Volkstheaters und wechseln fließend in die Rollen von Metzger (Jakob Immervoll), Bäuerin (Maral Keshavarz und Anne Stein), Koch (Jonathan Müller) und Veterinärin (Mara Widmann). Gefühle der Traumatisierung und Existenzängste kommen zur Sprache; gleichzeitig kommt einem das Leiden der Tiere nahe. Moralinsauer ist der Abend aber nicht, sondern erweist sich als unterhaltsame Revue mit originellen Einfällen und gewitzten Songs, die Live-Musiker Joe Masi gemeinsam mit dem Ensemble performt. Schmackhaft, klug, tierisch gut. mst
 

Münchner Volkstheater

Edward II.

Schauspiel von Christopher Marlowe
Inszenierung: Christian Stückl
Premiere am 15. Oktober 2021
Bühne 1
Dauer: 2 Stunden, keine Pause

Termine & Tickets

Edward II. / Foto: Arno Declair

Es ist vollbracht! Der Neubau des Volkstheaters ist eröffnet und damit die erste Saison in der neuen Spielstätte im Schlachthofviertel. Der Theaterbesuch lohnt allein schon, um den prächtigen Klinkerbau und die einladende Innenarchitektur zu bewundern. Und ja, gespielt wird natürlich auch und zwar mit voller Kraft und Leidenschaft. Hausherr Christian Stückl selbst hat sich „Edward II.“ von Shakespeare-Zeitgenosse Christopher Marlowe zum Einstieg vorgenommen: Im grell-pinken Ambiente (Bühne und Kostüme: Stefan Hageneier) dreht sich alles um König Edward (Jan Meeno Jürgens), der mit seinem Geliebten Gaveston (Alexandros Koutsoulis) das Leben zu Hofe genießen will. Die Geistlichkeit und der Adel haben aber etwas gegen diese Liaison. So entwickelt sich zu der atmosphärischen Musik von Markus und Micha Acher (The Notwist) ein Drama, das Stückl unter rotierendem Einsatz der – im neuen Theaterraum nun möglichen – Drehbühne inszeniert, als starkes Plädoyer gegen Homophobie und für die Gleichberechtigung aller Formen der Liebe. Tolles Theater im wunderschönen Hauptsaal! mst

Gärtnerplatztheater

„Amors Fest – Ein Barockspektakel“

Ballettoper mit Gesang und Tanz
zusammengestellt und bearbeitet von Howard Arman
Musik von André Campra, Matthew Locke, Claudio Monteverdi und Sebastián Durón
Premiere am 14. Oktober 2021
Dauer: 2 Stunden 20 Minuten, eine Pause 

Termine & Tickets

Amors Fest / Foto: Marie-Laure Briane

„Ein musikalisch überragender Abend“ (SZ) – darin sind sich alle Kritiker (und das Publikum) über das barocke Opernpasticcio einig. Wieder einmal beweist das Gärtnerplatztheater seine bewundernswerte Bandbreite und Originalität – diesmal getragen von dem musikalischen Arrangeur und Dirigenten Howard Arman, der mit vier ausgewählten Barockkomponisten aus vier Ländern den Lauf der Jahreszeiten gestaltet. Großartig fügen sich Chor und die brillanten Solisten in die musikalische Welt des Barock. Die tragende Idee des Regisseurs und Choreographen (K. A. Schreiner) ist dabei die Liebe – daher der Titel -, manchmal im Wettstreit mit dem Tod. Auch das Fest mit Gelage, Tanz und Zweisamkeiten kommt nicht zu kurz: der Sommer ist mit schwungvollen spanischen Klängen von Durón der krönende Abschluss. Bühnenbild, Kostüme, Lichtgestaltung und Schreiners Choreographie illustrieren den wenig bedeutenden Handlungsfaden (bitte im Programmheft nachlesen!), sind aber durch Farbgebung und wunderschöne Tableaus eine trefflich Ergänzung zum musikalischen Fest.  s.l. 
 

Münchner Kammerspiele

Like Lovers do (Memoiren der Medusa)

Schauspiel von Sivan Ben Yishai
Inszenierung: Pinar Karabulut
Premiere am 9. Oktober 2021
Dauer: 1 Stunde 30 Minuten, keine Pause

Termine & Tickets

Like Lovers Do (Memoiren der Medusa) / Foto: Krafft Anger

Sie sind kulturell sturmfest und experimentierfreudig? Voilà, hier ist eine drastische, knallbunte Performance aus schonungsloser Geschlechterrollen-Groteske, Trash, Splatter und Tarantino-Anspielungen. Fünf großartige Schauspieler*innen mit Platinmähne und Popkostümen rappen ein Panorama sexueller (Schand-)Taten und schriller Phantasien von Porno bis Missbrauch - zum Glück nur als Textfläche. Eine musikalische Schau von Liebe, Träumen und Traumata quer durch Epochen und Kulturen, untermalt von roboterhaftem Tanz. Titelgebender Aufhänger ist der altgriechische Mythos von Medusa, die - typisches Opferparadoxon - dafür bestraft wurde, dass Poseidon sie im Athene-Tempel vergewaltigte. Demontiert werden unter Pinar Karabuluts rasanter Regie in beeindruckend kraftvollen Szenen Barbie-Träume und misogyner Sexismus samt Sugar-Daddy, versetzt mit der Optik von Startreck-Aliens und Superhelden-Comic. Am Ende entschwebt alles mit einem achtarmigen Coronarvirus in den Bühnenhimmel. Es spielen und singen Gro Swantje Kohlhof, Jelena Kuljic, Wiebke Puls und andere. Zu Recht viel Beifall, vor allem vom jüngeren Publikum.   avs
 

Premieren im September 2021

Residenztheater

Die Träume der Abwesenden

Schauspiel nach der Trilogie von Judith Herzberg
Inszenierung: Stephan Kimmig
Premiere am 26. September 2021

Termine & Tickets

Die Träume der Abwesenden / Foto: Sandra Then

Am Anfang herrscht Tohuwabohu: Alle sitzen um den dahin dämmernden Simon im Rollstuhl, streiten, rufen dazwischen, machen sich Vorwürfe – Verwandtentreffen eben. So verwirrend und so schlüssig beginnt der wunderbare Theaterabend über drei Generationen einer jüdischen Familie in den Jahren 1972 bis 2000, eine Trilogie der heute 87-jährigen Schriftstellerin Judith Herzberg, die selber den Holocaust bei einer Pflegefamilie überlebt hat. Sie lieben und betrügen sich, lassen sich scheiden, werden reich, bekommen Kinder und sterben: das ganze Leben – ein Leben aber, das stets von der Shoah geprägt bleibt. Zur fragilen Ada (hinreißend: Barbara Horvath), KZ-Überlebende wie ihr Mann Simon, kehren immer wieder Erinnerungen zurück, ihre Tochter Leah sucht in der dritten Ehe mit Nico ihr Glück, die Teenager-Kids hadern mit den Eltern … Mit grandiosen Schauspielern erschafft Kimmig das vielstimmige Porträt einer jüdischen Familie in unserer Zeit, beleuchtet wie von einem Planetensystem, musikalisch begleitet und moderiert von einer Art Zauberer. Bewegend und beglückend! sis

Münchner Kammerspiele

Los Años / Die Jahre (UA)

Schauspiel von Mariano Pensotti / Grupo Marea
Premiere am 24. September 2021
Dauer: 1 Stunde 45 Minuten, keine Pause

Los Años/ Die Jahre / Foto: Isabel Machado Rios/ Ruhrtriennale2021

Ein raffiniertes Spiel mit der Zeit und was sie mit den Menschen anstellt, bringt die argentinische Gruppe Marea in zwei fast identischen zweistöckigen Häusern auf die Bühne. Im rechten herrscht die „Gegenwart“, das Jahr 2050, in dem die Leute Fleisch statt Gemüse essen, Stierkämpfe lieben und Facebook Retro ist. Im anderen treffen sich 2020 der Dokumentarfilmer Manuel, seine schwangere Frau und ein Freundespärchen. Nachdem Manuel zufällig den elternlosen Jungen Raúl getroffen hat, verfolgt er dessen Kampf ums Überleben mit der Kamera – und mit wachsender Empathie. Der Film wird ein Erfolg, doch die Beziehungen zerbrechen und Manuel verliert das Kind aus den Augen. 30 Jahre später, zurück in Buenos Aires, will er das Verhältnis zur Tochter Teodora verbessern und Raúl wiederfinden. In raschem Wechsel zwischen den Häusern und Zeitebenen vermitteln die spanisch sprechenden Akteure (deutsch in großen Lettern an den Häusern) den Eindruck: Nichts wird besser, kaum etwas verändert sich. Das kommt lebhaft und locker und gar nicht so pessimistisch rüber.  sis

Residenztheater

Unsere Zeit (UA)

Schauspiel von Simon Stone frei nach Motiven von Ödön von Horváth
Inszenierung: Simon Stone
Premiere am 19. September 2021
Dauer: 5 Stunden 45 Minuten, 2 Pausen

Termine & Tickets

Unsere Zeit / Foto: Birgit Hupfeld
Das Neueste aus der Theaterknüller-Werkstatt von Simon Stone („Drei Schwestern“, „Hotel Strindberg“) ist ein rasantes, sprachintensives Panoptikum der psychosozial und ökonomisch prekären Lebenslagen von 16 glücksuchenden und strandenden Figuren. Ob es die Studentin mit lukrativem Nutten-Job ist, ob der koksende Fußballmanager oder der geflohene irakische Juraprofessor, ob der korrupte Polizist und Nebenerwerbs-Zuhälter oder die schwarze Friseuse, die ihre Niere verkauft für ihren Laden: Migrationstrauma und Gewalt, Beziehungsdebakel und harter Arbeitsdruck, sexistischer und rassistischer Übergriff, Schicksalsschlag oder persönliche Schuld stürzen sie aus der Bahn. Im gläsernen Transitraum einer grandios echten Tankstelle bilden sich immer neue Verpaarungen des Scheiterns, bis zum finalen Showdown. Horváths sozialkritische Motive sind ins spätkapitalistische Heute ab 2015 (Flüchtlingskrise) transferiert, die analytischen Muster der sozialen Verwerfungen formulieren die Figuren immer wieder monologisch aus. Ein funkelnd intelligenter und aufregender, wenn auch teils plakativer Theaterabend im XXL-Format zum Saisonstart. Eine „Feier der Bühnenkunst“ (SZ). Langer, begeisterter Applaus.  avs

Münchner Kammerspiele

Effingers (UA)

Schauspiel nach dem Roman von Gabriele Tergit
Inszenierung: Jan Bosse
Premiere am 18. September 2021 
Dauer: 3 Stunden 45 Minuten, eine Pause

Termine & Tickets

Effingers / Foto: Armin Smailovic

„Auf das Leben, und seine Schönheit“, sagt André Jung am Ende, und das Publikum jubelt dankbar für den Mut machenden Schluss dieser unterhaltsamen deutsch-jüdischen Familiensaga, die bei aller historischen Brisanz mit feinsinnigen Charakteren, zurückhaltender Dramatik und erfrischend schräger Komik mit Kabarett-Appeal trumpft. Vom Gründerzeit-Elan zur Spanischen Grippe folgen wir den Lebenskurven von zwei Familien, vom Auto-begeisterten Technikaufschwung und Wohlstandskalkül (der Firmengründer heiratet in eine jüdische Bankiersfamilie ein) geht es zu Wirtschaftsbankrott, Sozialprotesten und dem Kampf der Frauen um Freiräume, bis hin zum Absturz der Demokratie im Naziregime. Das ist vielschichtiges, kluges und ironisches Erzähltheater nach dem wiederentdeckten Roman der Gerichtsreporterin Gabriele Tergit um Glück und Schmerz, Leichtsinn, Erfolg und Scheitern und die Fragilität der Demokratie. Die große Spielzeiteröffnung der Kammerspiele mit einem wunderbaren Ensemble in tollen Kostümen. Riesenapplaus.  avs

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