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Theatergemeinde München

Kulturvielfalt zum ermäßigten Preis

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Christian Stückl im TheaGe-Interview

Im Exklusiv-Gespräch mit der Theatergemeinde e.V. München spricht Volkstheater-Intendant Christian Stückl über die Vorzüge des Volkstheater-Neubaus im ehemaligen Schlachthofviertel, den anstehenden Umzug des Theaters und seine Visionen für die Zukunft.
Das Interview führte Michael Stadler. Er traf Christian Stückl kurz nach Ostern im Neubau des Volkstheaters an der Tumblinger/Ecke Zenettistraße.

Christian Stückl / Foto: Gabriela Neeb

THEATERGEMEINDE: Herr Stückl, wenn man sich Ihr neues Volkstheater anschaut, dann ist da zwar noch ein bisschen Baustelle, aber ein Großteil ist schon wunderbar fertig…

CHRISTIAN STÜCKL: Ja, ich bin wirklich begeistert! Man hört ja immer wieder über lange Verzögerungen bei Großbaustellen, aber wir sind im Großen und Ganzen im Zeitplan geblieben. Es kam natürlich schon zu einigen Schwierigkeiten: Zum Beispiel hat die Sanierung des Altbau-Gebäudes mehr Zeit in Anspruch genommen als angenommen und die Einrichtung der Bühnentechnik hat etwas länger gedauert, aber letztlich hatten wir uns von vorneherein einen guten Puffer angelegt. Die Baufirma wollte uns die Schlüssel am 15. Mai übergeben. Jetzt sagen sie, es wird vielleicht der 1. Juni. Aber das ist alles total im Rahmen. Wir sind uns sicher, dass wir, wie geplant, am 15. Oktober eröffnen können!

In der Geschichte der jüngsten Sanierungen und Neubauten ist diese Punktlandung wahrlich ein Wunder. Auch das Budget von 131 Millionen Euro soll weitgehend eingehalten worden sein.
Ja, auch da sind wir im Rahmen geblieben, obwohl es zu einzelnen Kosten-Verschiebungen gekommen ist. Keine Summe hat sich aber dermaßen vergrößert, dass das Budget über die Maßen gewachsen ist.

Können Sie sich noch erinnern, was Ihnen am damaligen Entwurf besonders gefallen hat?
Wir haben uns ja relativ früh für ein GÜ-Verfahren, also ein Generalübernehmerverfahren, entschieden. Das heißt, es gab nicht von Grund auf einen Architektenwettbewerb, sondern wir haben in einem „Nutzerbedarfsprogramm“ auf gut 1000 Seiten detailliert niedergeschrieben, was wir uns für den Neubau wünschen. Wie groß sollen die Räume sein, in welcher Anordnung, wie viele Zuschauer sollen sie fassen, wie viele Büros brauchen wir, was stellen wir uns für die Gastronomie vor und so weiter. Wir haben also bereits den Gesamtbau ausgeschrieben, mit allen unseren Vorstellungen. Voraussetzung war zudem, dass die jeweilige Baufirma einen renommierten Architekten mitbringt.

Wie viele Angebote kamen rein?
Fünf. Wir haben dann erstmal geschaut, wie unser „Nutzerbedarfsprogramm“ umgesetzt wurde. Man muss sagen, dass die Bauunternehmer Müller und Reisch in Kooperation mit dem Stuttgarter Architekturbüro Lederer Ragnarsdóttir Oei  wirklich sehr sauber gearbeitet haben. Während andere ganze Räume oder die Besuchergarderobe gar nicht mitgedacht hatten, war in dem Entwurf von Arno Lederer alles drin, da musste man fast nicht mehr nacharbeiten. Darüber hinaus hatten wir das Gefühl, dass er es sehr gut hingekriegt hat, den Neubau in das gesamte Umfeld des Schlachthofgeländes zu integrieren. 

Volkstheater-Baustelle im Schlachhofviertel / Foto: Gabriela Neeb

Die Ziegelfassade des neuen Volkstheaters führt den Look des ganzen Viertels organisch weiter.
Ja, gerade mit dem Backsteingebäude am Ende der Zenetti-Straße wächst das Ensemble doch sehr gut zusammen. Ich hätte mir schon durchaus noch einen moderneren Bau vorstellen können, aber es war mir auch von Anfang ganz wichtig, dass der Neubau sich nicht über Jahre hinziehen wird. Mit dem Entwurf von Lederer war uns klar, dass wir relativ schnell zum Baubeginn schreiten können.

Während das 14 000 Quadratmeter umfassende Areal etwas von einer Burganlage hat, wirkt das Theater doch zuschauerfreundlich zugänglich. Dieses große Bullauge im Mauerwerk zum Beispiel öffnet schön den Blick ins Innere und sorgt dafür, dass auf zwei Etagen viel natürliches Licht fällt. 
Mir war von Anfang an ein einladendes, offenes Gebäude wichtig. Wir haben ja wirklich jedes Detail ausgiebig besprochen; da meinten zum Beispiel einige, dass zum Haupteingang eine Treppe führen müsste, ähnlich wie das bei der Oper oder beim Gärtnerplatztheater der Fall ist. Ich habe aber gesagt, niederschwellig, niederschwellig! Für was brauchen wir eine Repräsentationstreppe? Und ich wollte unbedingt wieder einen Biergarten. Das ist auch beim alten Volkstheater so schön, dass man draußen im Garten sitzen kann.  Kneipe und Biergarten sollten unbedingt gut eingebunden sein. Was am Ende genau rauskommt, wusste ich aber natürlich nicht. Das liegt dann doch in den Händen des Architekten.

Es war zu lesen, dass Herr Lederer einiges an Überredungskunst einsetzte, um Sie davon zu überzeugen, dass dem Foyer etwas Farbe gut tun würde…
Farbe ist Geschmackssache, da kann man nichts machen. Ich war ein bisschen skeptisch, Herr Lederer aber stark dafür. Er hat mich eines Tages angerufen und meinte, wir zwei fahren jetzt nach Weimar, ich zeige dir das Goethehaus. Das haben wir auch gemacht. Und trotzdem habe ich jetzt das Gefühl, es schaut im Theater anders aus als im Goethehaus… Wenn ich jetzt Leute durchführe, sagen die einen, ach, wunderbar, endlich mal keine weißen Wände! Und andere sagen, ah, ein bisschen viel Farbe… 

Sie drücken diesbezüglich ein Auge zu. 
Wir lassen normalerweise das Foyer jedes Jahr streichen. Wenn man sich nach drei Jahre an der Farbe abgesehen hat, kann man das ja noch mal überdenken. Über das Thema kann ich letztlich nur grinsen. 

Der Bühnenturm, der über dem Gebäude 32 Meter in die Höhe ragt, ist hingegen lauschig weiß. 
Auch der Bühnenturm ist etwas, was wir im Volkstheater bisher noch nicht so hatten, und auch das ist wunderbar: Er liegt genau über der Hauptbühne, durch ihn hat die Bühne nach oben viel Luft. Man kann ganze Kulissen und Scheinwerfer nach oben ziehen, wir können mit Licht ganz anders arbeiten.

Und Sie haben viel mehr Zuschauerraum zur Verfügung.
Was die Hautbühne angeht, stimmt das nicht. Wir haben im alten Volkstheater 600 Plätze, jetzt sind es vielleicht 35 Plätze mehr. Ich finde, dass 600 eine sehr gute Zahl fürs Theater ist. Wir haben aber den Zuschauerraum so breit wie möglich gemacht, damit die Leute möglichst nah dran sitzen können. 

Und Sie haben vor der Bühne einen Orchestergraben, könnten also theoretisch auch Oper machen.
Theoretisch. Aber ich habe kein Orchester (lacht). 

Das neue Müncher Volkstheater

Das müssen Sie sich vielleicht ausleihen… Durch die weiteren Nebenbühnen im Gebäude können Sie doch tatsächlich wesentlich mehr Zuschauerinnen und Zuschauer an einem Abend willkommen heißen.
Ja! Wir haben jetzt eine wunderbare zweite große Bühne – in den Raum bringen wir auf jeden Fall 250 Leute rein. Und wir haben eine dritte, kleine Bühne, die eine ähnliche Kapazität wie unsere Kleine Bühne im alten Volkstheater hat, also rund 100 Personen. Dann haben wir noch eine vierte Bühne, die eigentlich die Probebühne 1 ist, aber so nah ans Foyer gebaut ist, dass wir sie bei Bedarf auch als Veranstaltungsraum für 200 Leute nützen können, zum Beispiel für unser Festival „Radikal jung“. 

Und insgesamt ist alles wesentlich zentralisierter: Während früher mehrere Orte zum Volkstheater gehörten, liegt jetzt alles im Schlachthofviertel, im Theater selbst oder in unmittelbarer Nähe.
Ja. Wir haben zwei Probebühnen im Haus und könnten in einem späteren Schritt eine dritte hinzufügen. Während wir unsere Kulissen früher in vierzig Containern vor der Stadt lagern mussten, können wir sie nun allesamt in einer riesigen unterirdischen Halle lagern. In unmittelbarer Umgebung haben wir Wohnungen für Gastschauspielerinnen und -schauspieler und Regie-Teams. Und wir haben, was mir sehr wichtig war, Räume für Kinderbetreuung zur Verfügung, wir haben also jetzt eine Art Betriebskindergarten.

Für dieses wesentlich größere Unternehmen brauchen Sie auch mehr Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: Haben Sie schon Ihr ganzes Team zusammen? Beziehungsweise, kann man sich noch bewerben?
Man kann sich im Moment noch bewerben. Wir brauchen noch Dramaturginnen und Dramaturgen, suchen Betreuerinnen Betreuer für den Kindergarten... Insgesamt steigt die Anzahl der Festangestellten von 100 auf 150, wobei wir schon einen großen Teil der Stellen besetzt haben.

Und das Ensemble?
Für das Ensemble haben wir bereits weitere Schauspielerinnen und Schauspieler eingestellt. Bislang waren es um die 15, jetzt sind es 22. Im Mai fangen wir ja bereits mit den Proben für den Herbst an, insofern sollte das Ensemble schon stehen.

Können Sie schon verraten, was Sie im Mai proben? Sie hatten mal halb scherzhaft gemeint, dass Sie zur Eröffnung „Die heilige Johanna der Schlachthöfe“ von Bertolt Brecht inszenieren wollen.
Das wird’s nicht. Aber ich sag‘s trotzdem noch nicht.

Haben Sie jetzt eigentlich gerade ähnlich wie die Kammerspiele und das Residenztheater einen Premierenstau, da ja viel geprobt, aber wegen der Pandemie kaum was gezeigt wurde?
Ich finde, ich habe es eigentlich ganz gut gemacht im letzten Jahr: Wir hatten ja unsere Sommerferien vorgezogen, haben dann einen Großteil der neuen Inszenierungen für die folgende Saison parallel geprobt, um dann ab dem Spätsommer sechs Produktionen im Wochentakt hintereinander rauszubringen. Das fand alles im letzten Jahr statt, als es keinen Lockdown gab. Jetzt liegen drei Produktionen auf Halde: „Die Tragödie des Macbeth“ in der Inszenierung von Philipp Arnold, Werner Schwabs „Übergewicht, unwichtig: Unform“, inszeniert von Abdullah Karaca, und meine Inszenierung von „Mephisto“, wobei ich die noch nicht ganz fertig geprobt habe. Wir hoffen jetzt, dass wir die ersten zwei Premieren noch in dieser Spielzeit im alten Volkstheater rausbringen können, wissen aber angesichts der derzeitigen Situation natürlich nicht, ob das klappen wird.

Foyer im Volkstheater-Neubau

Der „Mephisto“ erlebt dann seine Premiere gleich mal im neuen Theater.
Ja, aber das kann noch länger dauern. Ich inszeniere ja gleich zu Beginn zwei andere Stücke und gehe am 1. Januar nach Oberammergau, weil dort die Proben für die Passionsspiele losgehen. 

Machen Sie eigentlich zwischendurch mal eine Pause?
Man denkt sich ja, dass im Augenblick alles still steht, aber dem ist gar nicht so. Ich bin gerade ziemlich heftig beschäftigt. Nach den Passionsspielen mache ich bestimmt erstmal Urlaub.

Angesichts der Corona-Politik weiß man auch gar nicht, was man tun oder lassen soll.
Bei uns ist ja das Gute, dass wir wirklich ein Ziel haben. Bis zur Eröffnung im neuen Haus müssen wir umgezogen sein, weshalb wir die Saison frühzeitig am 20. Juni beenden müssen. Schade ist natürlich, dass wir vermutlich unseren letzten Tag in der Brienner Straße nicht gebührend feiern werden können.

Dafür haut es vielleicht genau mit dem Timing für den Neubau hin: Alle sind durchgeimpft und Sie dürfen Ihr neues Haus am ersten Tag gleich mal richtig füllen.
Bis zum Oktober hoffe ich das sehr! Ich probe jetzt mal nicht mehr Corona-tauglich… 

Weiter Information im Neubau-Blog des Volkstheaters

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