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Kulturvielfalt zum ermäßigten Preis

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Tanzen im Kreidekreis

Im Frühsommer des Jahres wurde entschieden, dass die schöne, schwierige Stadt nun peu á peu wieder erwachen sollte, aus der unnatürlichen Stille, in der sie seit Mitte März auf behördliche Anordnung ruhte. Der Grauschleier, der über allem lag, sollte sich lüften. Fenster sollten sich öffnen. Straßen und Plätze sich wieder beleben. Die Menschen sollten es wagen, aus ihren Häusern zu kommen. Sehr zurückhaltend. Sehr auf der Hut. Scheu. Blinzelnd. Sonnenentwöhnt. So wie anno 1517. Als die Schäfflergesellen mit ihren Zunfttänzen im Freien die Schrecken der Pest-Epidemie vergessen gemacht und die damaligen Bewohner der schönen, schwierigen Stadt nach draußen gelockt hatten. Nun, im Mai 2020, waren es Outdoor-Künstler wie etwa die „Farbentänzer“ vom Zebra-Stelzentheater, die einzelne Häuserzeilen und Plätze mit ihren leichtfüssigen Walk Acts belebten und zu den Klängen von Ethno-Musik in bunten, kunstseidenen Kostümen einen Hauch von Unbeschwertheit in die darbende Metropole zurück brachten.

Pastellfarbene Keidekreise auf dem Asphalt der schönen, schwierigen Stadt säumten die Auftrittsorte der Stelzentänzer und wiesen jedem Besucher des Spektakels einen eigenen, sich und andere nicht gefährdenden Stehplatz zu. Tanzen. Klatschen. Winken. Singen. All das war innerhalb dieses Schutzzirkels erlaubt. Auch Du, die Du mit zwei Freunden gekommen warst, versuchtest, Dich fallen zu lassen und dem Rhythmus der Weltmusik hinzugeben. Die Erinnerung an Rockkonzerte, Tanzabende oder Clubnächte irgendwo in Deinem Körpergedächtnis aufzuspüren und wachzurütteln. Jedoch. Genau wie viele andere Menschen in ihren blassroa, zartviolett oder korallenrot leuchtenden Distanzkreisen warst Du nur zu steifbeinig-puppenhaften Bewegungen in der Lage. Unbeholfen. Vollkommen aus der Übung. So tratest Du verschämt auf der Stelle, während die Farbentänzer Derwischen gleich in ihren übergrossen Reifröcken über die Strasse wirbelten. Und Zuschauern, die auf die Balkone ihrer Häuser getreten waren, winkten.

Zebra Stelzentheater / Foto: Dr. Stephan Kellner

So schnell also war Kultur verlernbar, dachtest du an jenem Abend, als Du mit dem Rad nach Haus fuhrst. Und nahmst Dir fest vor, so bald wie möglich einen ersten Theaterbesuch, angepasst an die Bedingungen der neuen Zeit zu wagen. Ende Juni war es soweit. In den Kammerspielen durfte für 50 Zuschauer „The Vacuum Cleaner“ von Toshiki Okada gezeigt werden. Zwischen ausgebauten Stuhlreihen, in einem entbeinten, entkernten Theaterraum sitzend und mühsam durch die behördlich verordnete Gesichtsverhüllung atmend, erlebtest Du Annette Paulmann und Damien Rebgetz als wunderbar traumverlorenes, tief ineinander verstricktes Geschwisterpaar ohne jeden Bezug zur Aussenwelt. Und Julia Windischbauer als prustendes Staubsauger-Mädchen mit roboterhaften Bewegungen und bohemienhaft verwehtem Haar. Hikikomori alle drei: Menschen in sozialer Isolation, in kokonhafter Abgeschiedenheit das Draußen meidend. So wie Du selbst und all die anderen Zuschauer es gelebt hatten, seit dem Einzug des Virus in die schöne, schwierige Stadt.

Endgültig wachgerüttelt aus der islationsbedingten Lethargie wurdest Du im Resi, zwei Tage danach. Von vier bestens aufgelegten jungen Schauspielern, die in harlekinesk gerauteten Kostümen singend, stepptanzend und pantomimisch degenfechtend die zentralen Themen der „Drei Musketiere“ aus dem Roman von Alexandre Dumas durchexerzierten. Bis hin zum „Pferdeballett“, wo sie als würdevoll aufgaloppierende Lippizanerhengste zu Radetzkimarsch-Klängen die „Große Schulquadrille“ der Spanischen Hofreitschule mit all ihren Piaffen und Levaden choreographisch nachstellten. Sie „wieherten“, sie tänzelten, sie ballotierten mit grazil erhobenem „Vorderhuf“. Und tanzten so Licht, und Farben, Lärm, Wärme und Lebendigkeit in den schütter besetzten Zuschauerraum des Staatsschauspiels zurück. Zweimal. Denn das gesichtsverhüllte Publikum forderte eine Zugabe und klatschte jubelnd mit. Fast so, als ob es ein Vermummungsgebot, sowie ein Virus mit der Krone im Leben der schönen, schwierigen Stadt niemals gegeben hätte ...

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