Theatergemeinde
München

Theatergemeinde e.V. München

Seit 1919 setzt sich die gemeinnützige Theatergemeinde e.V. München für die kulturelle Teilhabe aller ein. Ziel ist die Vermittlung von Kultur und Bildung, der Schwerpunkt lag und liegt auf der Bühnenkunst. Anfangs ging es vor allem darum, Zugang zur Oper und zu anderen Hochkultur-Einrichtungen zu eröffnen. Heute steht die Vielfalt der Münchner Bühnen im Vordergrund und der Theatergemeinde e.V. München kommt vor allem eine Lotsenfunktion zu. Mit dem Thea Kulturklub bietet sie Orientierung im Münchner Kulturleben, einfache Teilnahmemöglichkeiten, ermäßigte Tickets und Anschluss an andere Kulturinteressierte.

Die Theatergemeinde e.V. München ist der gemeinnützige Trägerverein des Thea Kulturklub.

Thea-Vorstand Dr. Tamara Karpf, Jennifer Becker, Sibylle Steinkohl / Foto: Tobias Hase
Vereinsgeschichte

Die Gründungsjahre der Theatergemeinde
1919 – das Gründungsjahr der späteren Theatergemeinde München – war geprägt vom Umsturz bestehender Machtverhältnisse und der Weimarer Republik. Das konservativ-christliche Milieu der bayerischen Landeshauptstadt sah die revolutionären Bestrebungen und die veränderten politischen Verhältnisse mit Sorge. Einer von ihnen war der Reiseunternehmer Ludwig Siemer. Gemeinsam mit Gleichgesinnten gründete er – als Gegenbewegung zur sozialistisch ausgerichteten Volksbühnenbewegung – den „Volksbund für Kunst und Theater“. Dieser sollte die Teilnahme an Kunst- und Theaterveranstaltungen für die bürgerliche Bevölkerung organisieren und so die Förderung christlicher Lebensauffassung im Sinne volkstümlicher Kultur betreiben. Erklärtes Ziel war es, eine traditionsbewusste Gesinnungs- und Wertegemeinschaft aufzubauen. Damit stand die Münchner Bewegung im Kontext einer größeren landesweiten kontrarevolutionären Strömung, die zur selben Zeit auch in anderen deutschen Städten Theatergemeinden entstehen ließ.
Im Leohaus, der Zentrale des katholischen Arbeitervereins, fand am 25. November 1919 die offizielle Gründung des Volksbundes statt. Der „Volksbund für Kunst und Theater“ betrieb in den ersten Jahren viel Werbung: Überall in und um München wurden Handzettel verteilt und das gesamte zur Verfügung stehende Netzwerk der Gründer genutzt, um den Verein in München bekannt zu machen, was mit Erfolg gelang: Schon im zweiten Geschäftsjahr zählte der „Volksbund“ 13.000 Mitglieder.
1 Mark betrug die Aufnahmegebühr, 3 Mark war der Monatsbeitrag. Dafür erhielten die Teilnehmer*innen die Garantie auf 12 Freikarten für staatliche oder städtische Theater, außerdem kostenlosen Zugang zu Eigenveranstaltungen des Volksbundes sowie den Bezug der monatlichen Mitteilungen. In den Jahren 1923/24 etablierte sich der Verein zunehmend und benannte sich in „Theatergemeinde München“ um. Ein Höhepunkt für die Münchner Publikumsorganisation, die inzwischen 25.000 Teilnehmer*innen hatte, war 1929 die Feier zum 10-jährigen Bestehen. Doch bereits 1931/32 wurde es für den Verein schwieriger, da in Folge der Wirtschaftskrise viele Teilnehmer aus der Theatergemeinde austraten. Benefizaktionen für Erwerbslose und große Werbeaktionen sorgten zwar für Popularität, doch verhinderte diese nicht das Ende der Eigenständigkeit: 1933, kurz nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten, wurde die Theatergemeinde München genauso wie die Münchner Volksbühne zwangsweise mit der Kampfbundbühne zur NS- Organisation „Deutsche Bühne“ zusammengeführt.

Nachkriegszeit
Nach dem 2. Weltkrieg lag München in Trümmern – doch die Menschen atmeten auf. Schon kurz nach Kriegsende fanden in vereinzelten Theatern wieder Aufführungen statt. Der Hunger der Bevölkerung nach kulturellen Veranstaltungen war groß. Gründungsmitglied Ludwig Siemer strebte nach seiner Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft die Wiedergründung der Theatergemeinde an. Er sprach sich in einem Plädoyer vor dem Stadtrat für eine Zusammenführung von Theatergemeinde und Volksbühne aus, die dann jedoch nicht zustande kam. Nach seinem Tod 1946 nahm seine Tochter Charlotte Siemer die Verhandlungen mit christlichen Verbänden auf.
Am 3. Juni 1947 wurde die Theatergemeinde mit Jakob Baumann an der Spitze wiedergegründet. Jakob Baumann war in der Stadt für sein fröhliches und zupackendes Wesen und seine Affinität zu Musik und Theater bekannt. Er, ein „Nicht-Studierter“, von Beruf Kohlenhändler, unterhielt ein breites Netzwerk zu Künstler*innen und Politik, was ihn für das Vorstandsamt empfahl.
Die ersten Jahre zeichneten sich durch eine kontinuierlich steigende Teilnehmerzahl aus. Von 1949 an kamen erste Außenstellen im Umland von München dazu. 1952 kaufte der Verein das Haus Ecke Goethe-/Landwehrstraße und baute es für die Zwecke eines Informations- und Kartenbüros um. In diesem Jahr hatte die Theatergemeinde bereits neun Mitarbeiter*innen, 1955 waren es 20. Am Aufschwung hatten Josef Selk und Josefine Schindler, die von 1948 bis 1991 die Geschäftsstelle leiteten, großen Anteil.
Regelmäßig wurden ganze Opern-Vorstellungen für das eigene Publikum gekauft, wie beispielsweise die Vorstellung „Hänsel und Gretel“ jedes Jahr vor Weihnachten. Aus der Theatergemeinde gingen bald die „Freunde des Nationaltheaters“ hervor, die als „Schwesterorganisation“ für den Wiederaufbau des zerstörten Opernhauses sammelten und damit wesentlich zur Wiedereröffnung 1963 beitrugen. 

Erfolgsjahre
Die Jahre 1960 bis 1977 waren geprägt von einem stetigen Zustrom an Teilnehmer*innen und umfassenden eigenen Aktivitäten, die von Jakob Baumann angestoßen und oft auch moderiert wurden.
Die „Kulissenzauber“-Faschingsbälle der Theatergemeinde im Deutschen Theater hatten neben freiem Tanz immer auch Auftritte von Künstler*innen der großen Münchner Theater im Programm. Sie waren Treff- und Feierpunkt der Münchner Kulturszene, des Publikums und der Politik gleichermaßen.
In den Jahren 1960-1977 gab es jedes Jahr eine eigene Sommerinszenierung im Deutschen Theater, bei der die Theatergemeinde als Produzentin und Veranstalterin agierte. Diese Aufführungen mit bekannten Schauspielern wie Maximilian Schell oder Gert Fröbe in den Titelrollen waren ein Publikumsmagnet, so dass Baumann bald als „heimlicher Intendant“ bezeichnet wurde. „Kabale und Liebe“, „Romeo und Julia“, „Der Lügner“ oder Kleists „Der zerbrochene Krug“ sind nur einige Beispiele für die gezeigten Stücke.

Veränderungen
Anfang der 1980er Jahre gehörten der Theatergemeinde rund 60.000 Teilnehmer*innen an. Doch der stetige Erfolg verstellte auch den Blick auf rechtzeitige Innovationen. Dr. Josef Kurz analysiert in der Chronik der Theatergemeinde die Problematik hinsichtlich der Altersstruktur des Vereins und der wachsenden Bedeutung der EDV und des Internets.
1990 war schließlich ein Wendejahr für die Theatergemeinde: Jakob Baumann gab nach 43 Jahren den Vorsitz ab an den bekannten ehemaligen Münchner Bürgermeister, Dr. Winfried Zehetmeier, der für 16 Jahre das Amt behielt. 1996 übernahm die langjährige Mitarbeiterin Brigitte Konrad die Geschäftsstellenleitung bis 2012. 

Theatergemeinde heute
Von 2011 bis 2018 führte Sibylle Steinkohl als Vorsitzende gemeinsam mit Dr. Ariane von Seefranz und Michael Stemmer die Theatergemeinde. Sie versuchten, den Verein zeitgemäß auszurichten und veranlassten einige Neuerungen in Profil und Außendarstellung. 2013 bis 2017 übernahm die Münchner Theatergemeinde den Vorsitz des Bundes der Theatergemeinden, der Dachorganisation von damals 23 Theatergemeinden in ganz Deutschland.
Ab Ende 2018 hatten Richard Quaas, Bernd Schreiber und Jennifer Becker (bis März 2020) den Vereinsvorsitz inne bis zu ihrem Rücktritt im August 2021. In diesem Monat wurden die erfahrenen Vereinsmitglieder Jennifer Becker, Sibylle Steinkohl und Albert Busch erneut ins Vorstandsamt gewählt. Dies markierte einen Aufbruch, der in den Thea Kulturklub mündete - und eine zukunftsfähige Neuausrichtung des traditionsreichen Trägervereins Theatergemeinde sowie eine Restrukturierung seiner Geschäftsstelle mit 15 Angestellten. Im März 2021 wurde Albrecht Busch im Vorstand altershalber durch Dr. Tamara Karpf abgelöst.
Der Thea Kulturklub ist heute eine Gemeinschaft von 15.000 Kulturschwärmer*innen aus dem Großraum München. Jede*r Kulturinteressierte kann Teil von Thea werden, sich beraten lassen zum Angebot der Münchner Bühnen, individuelle Kulturtipps erhalten oder an Community Events teilnehmen. Auch wenn sich in über 100 Jahren Vereinsgeschichte vieles verändert hat - die Idee einer Gemeinschaft Kulturinteressierter ist geblieben.

Dachverband Bund der Theatergemeinden

Die Theatergemeinde München ist Mitglied im Bund der Theatergemeinden, dem Dachverband 18 Theatergemeinden in Deutschland. Theatergemeinden gibt es außer in München derzeit in Berlin, Bonn, Cottbus, Darmstadt, Düsseldorf, Essen, Gelsenkirchen, Hamburg, Ingolstadt, Karlsruhe, Koblenz, Köln, Ludwigshafen, Mainz, Mönchengladbach, Oberhausen und Wiesbaden.

Teilnehmer*innen des Thea Kulturklub können das Angebot aller Theatergemeinden nutzen. Informieren Sie sich über die Kulturtipps des Bundes der Theatergemeinden und wenden Sie sich, wenn Sie einen Kultururlaub planen, mit Ihrer Kartenbestellung für Theater, Oper und Konzert immer gerne an die örtliche Theatergemeinde.

Die Kontaktdaten aller Theatergemeinden finden Sie auf der Website www.bund-der-theatergemeinden.de 

 

Vorstand

Die Theatergemeinde e.V. München wird von einem gewählten Vorstand geleitet, der die Geschäfte des Vereins führt.

Vorsitzende: Jennifer Becker
Stellv. Vorsitzende: Sibylle Steinkohl
Schatzmeisterin: Dr. Tamara Karpf

Kontakt:
vorstand@theage-muenchen.de
Telefon +49 89 53297 -152


Kulturbeirat

Der gewählte Kulturbeirat berät den Vorstand und befasst sich mit inhaltlichen Schwerpunkten.

Nicole Hatsis (Sprecherin des Kulturbeirats)
Michael Baumann
Ina Reinsch
Sabine Ruchlinski
Isabell Zacharias

Kontakt:
kulturbeirat@theage-muenchen.de

Thea-Kulturbeirat Ina Reinsch, Sabine Ruchlinski, Nicole Hatsis, Michael Baumann, Isabell Zacharias / Foto: Tobias Hase