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Kulturvielfalt zum ermäßigten Preis

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Vom Fehlen der anderen Worte

Eine kleine Weile lang trug Dich Dein virtuelles Rosenkavalier-Erleben durch die immer noch viel zu grauen, viel zu kalten, viel zu leeren Vorfrühlingstage in der schönen, schwierigen Stadt. Auf Deinen Streifzügen mit dem Fahrrad gelang es Dir kurzzeitig darüber hinweg zu sehen, dass Clubs, Feierorte und Theaterfoyers zu medizinischen Testzentren umfunktioniert worden waren, vor denen gesichtsverhüllte Menschen darauf warteten, eine Stäbchenprobe ihres Naseninhalts abgeben zu dürfen. Willfährig. Schicksalsergeben. Es gelang Dir, auf Deinem Nachhauseweg von vier Stunden Null-Telefonie in der traditionsreichen Kultureinrichtung, für die Du arbeitest und schreibst, an den phantomhaft vermummten Testwilligen vor der einstigen Club-Institution Crash/Strom/Mandalina/The Garden im denkmalgeschützten Jugendstilbauwerk Lindwurmhof vorbeizuradeln und dabei NICHT an die 70er-Revival- oder Techno-Parties zurückzudenken, die Du dort, im Industrieflair zwischen KVR und Eisenbahnbrücke, von Zeit zu Zeit miterlebt hattest.

Es gelang Dir, im Vorüberfahren KEINE Trauer darüber zuzulassen, dass der legendäre Ort, an dem mit Thomas Gottschalk oder DJ Sven Väth die jeweils Größten ihrer Zeit den Soundtrack der Feiernächte in der Stadt erschaffen hatten, nun vollkommen dem Regiment des Virus mit der Krone anheimgefallen war. Es gelang dir zu denken, dass Veränderung Teil unseres Lebens und jedes Ende ein Anbeginn und gerade das Schönste nicht für die Ewigkeit gemacht ist und ähnlich Plattitüdenhaftes mehr. Es gelang Dir, vor dem ungeheuren Kniefall, den Kultur und Partyszene mit der Preisgabe ihrer Heiligen Hallen an das Virus mit der Krone gemacht hatten, die Augen zu verschließen. Kurz, sehr kurz. Dann holte die Realität Dich ausgerechnet vor dem Bildschirm der traditionsreichen Kultureinrichtung, für die Du arbeitest und schreibst in Form eines Textes des jungen Dramatikers Ewald Palmetshofer ein. „Vom Fehlen der anderen Orte“ kündete seine per Mail versandte Lockdown-Klage. Und sie zu lesen tat sehr, sehr weh.

Virtuelle Club-Kultur: Das Diknu Schneeberger Trio im Harry Klein / Foto: Harry Klein

Und zwar nicht, weil der sensible, rotbärtige Chefdramaturg des Residenztheaters seinem Verlustschmerz und seinem persönlichen Pandemie-Trauma etwa allzu pathetisch Ausdruck verliehen hätte. Sondern weil er, ganz im Gegenteil, genau dies NICHT tat. Was Palmetshofer schrieb, in diesem extra zum Jahrestag der Großen Schließung auf die Resi-Homepage gestellten Kulturbetrauerungs-Essay, erzeugte keine Sehnsüchte in Dir und rührte nicht an Dein Herz. Sein Fabulieren über heterotopische Ander-Orte im Sinne des Mega-Theoretikers Michel Foucault rief lediglich die unangenehmsten Erinnerungen an jene Lebensphase in Dir wach, die Du in der atmosphärischen Kälte poststrukturalistischer Oberseminare während Deiner Zeit als Doktorandin unter Gender-Furien und Derrida-Vergötterern zugebracht hattest. Schon damals: Isoliert. Einsam. Kontaktbeschränkt, ganz ohne Pandemie. Palmetshofers Text war ohne Seele. Und zeugte unfreiwillig tragikomisch vom bitteren Fehlen der anderen WORTE, derer es doch so dringend bedurft hätte. 

Wie gut nur, dass inmitten all diesen Elends eine virtuelle Eigenveranstaltung der traditionsreichen Kultureinrichtung, für die Du arbeitest und schreibst, versprach, Dich mit Deinem Inneren Kind in Kontakt zu bringen und Dir so ein wenig emotionalen Trost zu spenden. „Peter und der Wolf“, das berühmte Musikmärchen von Sergej Prokofjew mit seiner sinfonischen Intonation der Erlebnisse eines russischen Jungen und seiner tierischen Freunde am Ende eines langen sibirischen Winters wurde gegeben. Und zwar als interaktives Mitmachkonzert für Daheim-Seiende, in der Version des jungen, erst seit 2018 bestehenden Blechbläserensembles Munich Tetra Brass. Warum Dir schon beim Einloggen ins Zoom-Konzert Tränen der Rührung in die Augen stiegen und im Laufe der einstündigen Veranstaltung nicht mehr versiegen wollten, kannst Du nicht wirklich erklären. War es der Anblick der blassen Buben und Mädchen, die brav, vereinzelt aber sogar extra cool gestylt vor dem häuslichen PC oder auf der Wohnzimmercouch in den Zoom-Bildchen zu sehen waren?

Diknu Schneeberger Trio / Foto: Harry Klein

Und erwartungsvoll den Anweisungen von Bassposaunist Jakob Grimm fürs virtuelle Mitmachen per Smartphone folgten? Seit Monaten heimbeschult, von Erlebnisorten ferngehalten? War es die leichte Unvollkommenheit im technischen Ablauf, die den eigentlichen Wunsch aller Teilnehmenden real, analog, persönlich zusammen zu sein, nur umso mehr hervortreten ließ? War es die hintersinnige Botschaft der Geschichte vom kleinen Jungen, der vor langer, langer Zeit ein Gartentor ÖFFNETE und auf eine Wiese HINAUSGING? Oder die zeitlos schöne, tief in der Amygdala des kollektiven Kulturgedächtnisses verwurzelte Abfolge der Leitmotive und Melodien, die im reduzierten Präsentationsstil von Munich Tetra Brass besonders stark an Dein Herz rührte? Alles zusammen, dachtest Du, während Du von der PC-Kamera weggewendet zum Quaken des Enten-Hornetts in Dein Papiertaschentuch schnieftest. Alles zusammen und das, was die Monate der geistigen und emotionalen Verarmung mit Dir und den Anderen angerichtet hatten.

Dass nicht alle Worte verloren gegangen und Poesie immer noch möglich war, vermittelte Dir knapp eine Woche später ein weiteres virtuelles Konzertangebot der traditionsreichen Kultureinrichtung, für die Du arbeitest und schreibst. Diknu Schneeberger, der junge österreichische Gipsy-Jazz-Virtuose, familiär zutiefst verwurzelt in den Traditionen eines Volkes, das schon weit mehr überstanden hatte, als eine zweijährige globale Pandemie, erfüllte die Räume des Techno-Clubs Harry Klein mit den sanften, lässigen, nonchalanten Klängen seiner Edelgitarre. Während die ephemeren Lichteffekte von VJ-Frau Proximal ihn, Co-Gitarrero Julian Wohlmut und Martin Heinzle am Kontrabass glühwürmchenhaft umtanzten. Wunderschön fühlte sich all das zusammen an, in der Abgeschiedenheit Deines kleinen Arbeitszimmers unter dem Dach, wo Du Dich schüchtern im Valse Musette Takt vor dem PC wiegtest und die Titel von Diknus Kompositionen dankbar nach-echotest: „Feuerlicht“. „Abenteuer Erde“. „Swing de Vienne“. Fast so, als ob doch bald „alles“ wieder „gut“ werden KÖNNTE ...

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